Stockheim

Trockenheit und Käferbefall im Stockheimer Wald

Nach der großflächigen Fällung von Käferholz im Stockheimer Gemeindewald (großes Bild) und der insektizidfreien Aufarbeitung wurde der Abraum gemulcht. Das schaut nicht nur aufgeräumt aus (kleines Bild), das kommt auch dem Boden zugute.
Nach der großflächigen Fällung von Käferholz im Stockheimer Gemeindewald (großes Bild) und der insektizidfreien Aufarbeitung wurde der Abraum gemulcht. Das schaut nicht nur aufgeräumt aus (kleines Bild), das kommt auch dem Boden zugute. Foto: Ingo Büttner

Trockenheit und Käferbefall – die Lage im Wald ist ernst. Der Gemeinderat zeigte sich betroffen über die Entwicklung, die Förster Ingo Büttner in der jüngsten Sitzung in seinem Bericht schilderte. Dem Gemeindewald hatte man einen eigenen Tagesordnungspunkt gewidmet. Bürgermeister Martin Link begrüßte dazu Revierleiter Büttner und dankte, dass dieser trotz Urlaub gekommen war, um das Gremium über den Sachstand zu informieren.

"So sieht es leider in Teilen unseres Waldes aus", leitete Ortsoberhaupt Link anhand einer kurzen Video- und Fotodokumentation, die Ingo Büttner mitgebracht hatte, zum Bericht des Forstsachverständigen über. Seit März dieses Jahres hat man allein 1400 Festmeter Schadholz einschlagen müssen. "Lassen Sie die Bilder auf sich wirken", meinte Büttner und konnte dabei in die besorgten Gesichter der Ratsleute blicken.

Fichtenbestand musste geräumt werden

Im Bereich "Lohgrund" musste zum Beispiel ein ganzer Fichtenbestand geräumt werden. Die Fichten, die nach den Worten Büttners vor zwei Jahren noch vital waren, sind dort innerhalb kurzer Zeit abgestorben. Die Ursache liege in den beiden Trockenjahren in Verbindung mit dem Käferbefall durch den Kupferstecher und den Buchdrucker. "Es gibt aber noch einen anderen Schädling – das Rotwild", führte der Förster an und belegte dies mit Fotos aus der Abteilung "Unterhaard". "Hier wird es in zwei Jahren genauso aussehen, wie im Lohgrund", prognostizierte er. Infolge von Schälschäden an den Baumrinden würden die Versorgungsbahnen massiv in Mitleidenschaft gezogen. Die Bäume seien dadurch geschwächt und besonders anfällig, so der Forstexperte.

Das im "Lohgrund" entnommene Holz taugte nur noch als Hackschnitzel. Büttner verwies auf den übersättigten Holzmarkt und meinte, man dürfe froh sein, dass man über die Forstbetriebsgemeinschaft "Obere Rhön" das Sortiment noch hat verkaufen können. Vielerorts sei Käferholz mittlerweile gar nicht mehr zu vermarkten, so Büttner.

Abteilung schaut aufgeräumt aus

Nach der großflächigen Fällung von Käferholz wurde der vom Harvester liegengelassene Abraum gemulcht. Eine Maßnahme, die mit Kosten verbunden ist. Doch die kommt dem Boden zugute, da das organische Material wieder zugeführt wird. Die Abteilung schaut zudem aufgeräumt aus. "Und das alles erfolgte ohne Einsatz von Gift", wie der Revierleiter, der auf gänzlich insektizidfreie Waldbewirtschaftung setzt, anmerkte.

Die Gemeinde als Waldeigentümer sei verpflichtet, gegen die Ausbreitung der Käfer vorzugehen und befallenes Holz zu entfernen. Man dürfe dabei den Wald nicht nur als Holzlieferanten sehen, verwies Büttner auf die vielfältige ökologische Funktion. Deshalb habe seiner Überzeugung nach Chemie auch nichts im Wald zu suchen.

Material darf nicht verkauft werden

Angesichts des großen Aufwands, der schlechten Marktlage und des zunehmenden Defizits nimmt man häufiger ein Förderprogramm des Freistaat Bayern in Anspruch in dessen Zuge Bäume noch vor Ort gehäckselt werden. Das Material darf wegen der Förderung jedoch nicht verkauft werden, was laut Büttner von den staatlichen Stellen auch streng kontrolliert wird, und verbleibt deshalb im Wald. "Die Haufen sind nicht zum Selbstbedienen da, das wäre dann Diebstahl", so der mahnende Appell des Försters an die Allgemeinheit.

"In zehn Jahren wird es bei uns kaum noch Nadelbäume geben", schätzt Büttner die weitere Entwicklung ein. Sorge bereiten inzwischen aber auch die Laubbestände. Selbst die Rotbuche, die bis Anfang 2019 noch als klimatolerant und zukunftsfähig galt, kränkelt infolge von Trockenheit und des in jüngster Zeit vermehrt auftretenden Buchenrindenkäfers. "Mittlerweile gibt es Käfer für alle Baumarten und der Klimawandel ist überall", so das Fazit Büttners.

Den Wald für die Nachwelt erhalten

Dass der Waldbetrieb aktuell defizitär läuft, wurde von den Gemeindevertretern in keinster Weise bemängelt. Ihnen geht es vielmehr darum, wie man dem Wald helfen kann, wie ihre Wortbeiträge deutlich machten. "Wir müssen ihn hegen und pflegen und das Bestmögliche tun, um ihn für die Nachwelt zu erhalten", brachte es Bürgermeister Martin Link auf den Punkt.

Ein Patentrezept gibt es dafür freilich nicht. Welche Baumarten langfristig eine Überlebenschance haben, darüber hat auch die Wissenschaft noch zu wenig Erkenntnisse. "Ein Mix an Baumarten wird die Zukunft sein – aber bewirtschaftet und nicht sich selbst überlassen", so Büttner abschließend.

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