Mellrichstadt

Unvergesslich schöne Klänge

3. Mellrichstädter Musiknacht: Es war das kulturelle Ereignis der Region in diesem Sommer. Unter freiem Himmel begeisterten Solisten, Chor und Orchester auf dem Marktplatz mit einem grandiosen Konzert die Zuhörer. Am Ende hielt es keinen mehr auf den Stühlen.
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Gott sei Dank, das Wetter hielt! Um halb acht noch war ein tüchtiger Regenguss auf die Stadt niedergeprasselt, aber ab 20 Uhr blieb es trocken. Als die 3. Mellrichstädter Musiknacht auf dem Marktplatz eine halbe Stunde später eröffnet wurde, konnte das Publikum das hochklassige Programm unbeschwert genießen. Die dritte Musiknacht – ausverkauft, wie ihre Vorgängerinnen – wurde zum absoluten kulturellen Highlight des Jahres, ungeachtet dessen, was das Jahr 2016 noch in Mellrichstadt bringen wird.

Nicht nur das Wetter stimmte. Es stimmte auch wieder das ganze Ambiente: Der Marktplatz mit seinen geschlossenen, der Akustik so dienlichen Häuserfronten, eine mit absoluter Professionalität installierte Ton- und Lichttechnik, die Bestuhlung, die Bewirtung, die Abgrenzung des Platzes innerhalb der Stadt, der Einsatz zahlreicher Helfer vom städtischen Bauhof, von der Feuerwehr und vom Aktiven Mellrichstadt: Das alles sorgte dafür, dass die Voraussetzungen für ein ungetrübtes künstlerisches Erlebnis gegeben waren.

Den entscheidenden Beitrag dazu lieferten natürlich die Künstler. Nach der kurzen Begrüßungsansprache von Bürgermeister Eberhard Streit, bei der er allen Helfern und Sponsoren seinen Dank aussprach, übernahm Carolin Fritz-Reich die Moderation. Die Mellrichstädterin, die in der Kulturagentur des Landkreises tätig ist, führte mit kenntnisreichen Erläuterungen zu den Musikstücken durch das Programm. Selbiges hatte sie zusammen mit dem musikalischen Gesamtleiter, Ernst Oestreicher von der Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen, Heinz Pallor, Dirigent des Mellrichstädter Gesangvereins, erstellt.

Der erste musikalische Beitrag war die Ouvertüre aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauß. Schon hier bewies das Philharmonische Orchester von Rhön-Grabfeld unter seinem Dirigenten unüberhörbar, welches Potenzial an perfekter Musikalität dieses Projektorchester aus Musiklehrern der Berufsfachschule für Musik, deren Schülern und Studenten sowie anderer versierter Musiker darstellte.

„Wenn das mal kein gelungener Auftakt war“, stellte Carolin Fritz-Reich fest, als die mitreißende Musik verklungen war. Auch der zweite Beitrag war der „Fledermaus“ entnommen. Die Mezzosopranistin Nadia Steinhardt sang das Couplet des Orlofsky, „‘s ist mal bei mir so Sitte“. Was für eine herrliche, gereifte, voluminöse Stimme! Welch vollendeter Vortrag dieser berühmten Arie! Die Zuhörer konnten sich ganz gelöst von dieser wunderschönen Stimme bezaubern lassen.

Nicht weniger beeindruckend auch Pawel Izdebski bei seinem ersten Auftritt. Der Mellrichstädter Bassist sang mit großer Bewegtheit die bekannte Arie des Fiesco, „Il lacerato spirito“ aus Verdis Oper „Simone Boccanegra“. Izdebskis mächtiger Bass entfaltete sich mit großer Musikalität und Eindringlichkeit und ließ für die Zuhörer den Schmerz des Fiesco über den Tod seiner Tochter nachfühlbar werden.

„Vorsicht, Ohrwurmgefahr!“
Moderatorin Carolin Fritz-Reich über den Walzer der „Ballsirenen“

Der dritte Programmbeitrag war wieder rein vom Orchester getragen. Mit „Vorsicht, Ohrwurmgefahr!“ hatte Carolin Fritz-Reich den Walzer der „Ballsirenen“ aus „Die lustige Witwe“ angekündigt, und zu einem Ohrenschmaus wurde er auch. Oestreicher führte sein Orchester mit expressiver Gestaltungskraft im Wechsel der Dynamik und der Tempi durch den Walzer, in dem viele der Motive anklingen, die später in der Lehar-Operette als Arien gesungen werden. Mit der „Seguedilla“ aus der Oper „Carmen“ von Georges Bizet setzte Nadia Steinhardt das Programm fort und schlüpfte dabei in die Rolle der verführerischen Carmen.

Ein weiteres, fulminant gespieltes Instrumentalstück, nämlich die „Polonaise“ aus Tschaikowskys Oper „Eugen Onegin“, beendete eindrucksvoll den ersten Teil des Konzerts.

Nach der Pause erklangen vier weitere Teile aus „Carmen“. Nach dem Vorspiel-Marsch sang Nadia Steinhardt die berühmte Habanera, zusammen mit dem Projektchor, der hier seinen ersten Auftritt hatte. Im Quartett mit Pawel Izdebski, der Sopranistin Manuela Spitzkopf und dem Tenor Fabian Christen erklang „Ein Hoch dem Torero“, dem sich das Solo des „Torerolieds“ von Fabian Christen anschloss. Christens stahlig-strahlende Tenorstimme und der ebenfalls silberhelle Sopran von Manuela Spitzkopf prägten diese Beiträge und gaben ihnen ein markantes Profil. Zusammen mit dem von Heinz Pallor in halbjähriger Arbeit zur Perfektion geführten Chor war dieser Teil des Programms der Höhepunkt an rassiger, mitreißender Musik, zu der Oestreicher alle seine Künstler durch sein temperamentvolles Dirigieren führte.

Als Solist trat Pawel Izdebski noch einmal auf. Er sang das bekannte Trinklied des Falstaff, „Als Büblein klein“, aus Otto Nicolais Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ und begeisterte seine Zuhörer wieder mit einem sehr individuell interpretierten Vortrag, bei dem er auch wohlklingend die Tiefen dieser Arie meisterte. Die reine Chorpassage aus derselben Oper mit dem Titel „O süßer Mond“ entführte die Zuhörer in eine romantische Nacht voll eigentümlichem Zauber, glänzend den Interpretationswillen des Dirigenten verwirklichend.

Zu einem musikalischen Feuerwerk geriet der letzte Teil des Programms. Es kehrte noch einmal zur „Fledermaus“ zurück, mit jetzt fünf Solisten (Heinz Pallor war für einen erkrankten Sänger eingesprungen) und dem Chor beim 2. Finale „Im Feuerstrom der Reben“, „Brüderlein und Schwesterlein“ und dem 3. Finale „O Fledermaus“. Das riss die Besucher von den Stühlen. Der ganze Marktplatz stand, Bravorufe und Pfiffe erschallten, begleitet von stürmischem, nicht enden wollendem Beifall!

Da konnten die Künstler nicht anders: Es gab Zugaben, gleich drei. Zuerst den berühmten „Radetzky-Marsch“, dann die wahnsinnig schnelle Tritsch-Tratsch-Polka, beides Stücke von Johann Strauß. Besser spielen die Wiener Philharmoniker diese Stücke beim Neujahrskonzert auch nicht. Und weil es so schön war, traten noch einmal alle vier Solisten an die Rampe und wiederholten den Champagner-Galopp aus der „Fledermaus“.

Mit Blumen für die Solisten und den Dirigenten und dem Dank an das Orchester und den Chor, ausgesprochen von Carolin Fritz-Reich und Bürgermeister Eberhard Streit, endete der Konzertabend, der ein beglückendes Erlebnis für alle war, Besucher wie Künstler gleichermaßen.

Mit seiner mächtigen Bass-Stimme beherrschte Pawel Izdebski spielend den Marktplatz. Auch das von Ernst Oestreicher geführte Orchester konnte sich dank der hervorragenden Akustik voll entfalten.
Foto: Fred Rautenberg | Mit seiner mächtigen Bass-Stimme beherrschte Pawel Izdebski spielend den Marktplatz. Auch das von Ernst Oestreicher geführte Orchester konnte sich dank der hervorragenden Akustik voll entfalten.
Nadia Steinhardt begeisterte mit ihrem Mezzosopran. Sie trug Arien aus der „Fledermaus“ und „Carmen“ vor.
Foto: Rautenberg | Nadia Steinhardt begeisterte mit ihrem Mezzosopran. Sie trug Arien aus der „Fledermaus“ und „Carmen“ vor.
Veranstaltung mit Flair: Die stimmungsvolle Atmosphäre auf dem Mellrichstädter Marktplatz, besonders nach Einbruch der Dunkelheit, wurde neben dem musikalischen Vortrag von vielen Besuchern gelobt.
Foto: Fred Rautenberg | Veranstaltung mit Flair: Die stimmungsvolle Atmosphäre auf dem Mellrichstädter Marktplatz, besonders nach Einbruch der Dunkelheit, wurde neben dem musikalischen Vortrag von vielen Besuchern gelobt.
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