Hendungen

Vorbildhaft und doch nicht verschont geblieben

Die neuen Gemeinderäte erhielten eine Einführung in Forstbetriebswirtschaft, für die sich die Vertreter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten viel Zeit nahmen.
Die neuen Gemeinderäte erhielten eine Einführung in Forstbetriebswirtschaft, für die sich die Vertreter des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten viel Zeit nahmen. Foto: Eckhard Heise

Die jährliche Waldbegehung sollte für die neuen Gemeinderäte von Hendungen in erster Linie eine Einführung in die Grundsätze der Waldbewirtschaftung sein. Viel Zeit nahmen sich die Forstleute dafür, zumal sie im Gegensatz zu anderen Kommunen durchaus auch erfreuliche Botschaften über den Gemeindewald überbringen konnten. Weniger erbaulich bei dem Termin war allerdings ein Vorfall zu einem Feuchtbiotop. Da musste Bürgermeister Florian Liening-Ewert einen ehemaligen Gemeinderat des Platzes verweisen.

Gleich zu Beginn der Begehung hatte sich Reinhold Seifert zu Wort gemeldet. Er beschwerte sich darüber, dass er als Initiator eines Antrags, der bei der Zusammenkunft behandelt wurde, nicht zur Sitzung geladen worden sei. Wenig später, als es dann um den Punkt ging, griff er den Bürgermeister persönlich an, dass der ihn und seine Anträge boykottiere. Mehrmals machte das Oberhaupt ihn daraufhin aufmerksam, dass er nur Zuhörer sei und kein Rederecht besitze. Das berührte den Angesprochen jedoch kaum, bis Liening-Ewert den ehemaligen Mandatsträger zum Verlassen der Zusammenkunft aufforderte. Der verließ dann tatsächlich den Kreis.

Die wertvolle Fläche retten

Bei dem Punkt, um den es ging, handelte es sich um ein Feuchtbiotop, das vor Jahrzehnten einmal angelegt worden ist und inzwischen fast verwildert ist. Das Gremium war einhellig der Ansicht, dass unbedingt gehandelt werden muss, um die wertvolle Fläche zu retten. Daher wollen jetzt der Bürgermeister und der zuständige Revierförster Matthias Schlund sich an den Landschaftspflegeverband wenden, um sich nach Fördermöglichkeiten zu erkunden.

Viel ging es bei der Sitzung jedoch um allgemeine Grundsätze und aktuelle Phänomene, die den Wald von Hendungen betreffen. Abteilungsleiter Hubert Türich vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten kam dabei natürlich nicht umhin, die derzeit zentralen Probleme, Borkenkäfer und Trockenheit, anzusprechen. In diesem Sinne befürchtet Türich, dass der jüngste Niederschlag "nur ein Tropfen auf dem heißen Stein war". Nach wie vor stehen die Bäume unter Stress, der Regen in den vergangenen Wochen konnte die Defizite bei weitem nicht beseitigen. Betroffen seien nicht nur Fichten und Kiefern, auch die Buchenbestände wiesen inzwischen Schäden auf.

Leichtes Spiel mit geschwächten Fichten

Der Borkenkäfer hat mit den geschwächten Fichten inzwischen leichtes Spiel. Um die Situation zu verdeutlichen, stellte er einen Vergleich zur aktuellen Pandemie auf. Wenn derzeit beim Menschen bei einer Übertragungsrate von eins zu eins schon Alarmglocken angehen, "bei einer befallenen Fichte liegt sie bei eins zu 200 000".

Der Hoffnungsschimmer für den Hendungener Wald liegt in erster Linie in seiner Durchmischung und den guten Böden, versuchte Türich zu ermuntern. Vor allem mit den Eichen, die regelmäßig Höchstpreise erzielen, besitze die Gemeinde ein Kapital, auf das sie setzen kann.

Naturverjüngung ohne Zäune

Darüber hinaus gebe es sogar Flächen, in denen Eichenjungpflanzen als reine Naturverjüngung ohne Zäune zurecht kommen. Das liege auch an einem guten Einvernehmen mit den Jägern, die den Rehbestand im Zaum halten, ergänzte Schlund.

Selbst junge Eichen litten unter den späten Frösten, zeigt Forstanwärter Florian Bolg.
Selbst junge Eichen litten unter den späten Frösten, zeigt Forstanwärter Florian Bolg. Foto: Eckhard Heise

Doch auch diese Baumart garantiere keine Sorgenfreiheit, verwies Türich auf dürre Blätter vor allem an Jungbäumen. "Eine Folge der jüngsten Nachtfröste." Die Pflanzen würden sich zwar wieder erholen, doch dieses Ereignis muss auch als Warnung aufgefasst werden - vor allem bei der Auswahl von neuen Baumarten, die als Reaktion auf die veränderten klimatischen Verhältnisse für künftige Aufforstungen in Betracht gezogen werden.

Aufarbeitung von Schadholz

Obwohl Hendungen insgesamt einen "stabilen Bestand" aufweist und "vorbildlich bewirtschaftet wird", wie Türich betonte, ging das Jahr 2019 nicht spurlos an der Bilanz vorbei. Der geplante Einschlag von etwa 3500 Festmetern sei nur etwa zur Hälfte ausgeführt worden und bestand in erster Linie aus der Aufarbeitung von Schadholz.

Durch den Verkauf von Eichenstämmen konnte die Abschlussrechnung noch etwas geschönt werden, weist aber trotzdem ein Defizit aus. In diesem Jahr soll aber wieder ein Plus von 15 000 Euro erzielt werden. Allerdings seien die Zahlen mit erheblichen Unwägbarkeiten verbunden. Aber immerhin verliefe die auf 20 Jahre angelegte Forsteinrichtung weitgehend nach Plan, geht aus der Halbzeitbilanz hervor, die Forstanwärter Florian Bolg vorstellte.

       

Hubert Türich erklärt den Mandatsträgern die Grenzen.
Hubert Türich erklärt den Mandatsträgern die Grenzen. Foto: Eckhard Heise

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