Bad Königshofen

Wachsam in Bad Königshofen: Die Geschichte der Borderpolizei

Grenzpolizei und Zoll überwachten gemeinsam mit den Amerikanern und der Zolldienststelle Königshofen die DDR-Grenze. Eine Aufnahme aus den 1960er Jahren.
Foto: Hanns Friedrich | Grenzpolizei und Zoll überwachten gemeinsam mit den Amerikanern und der Zolldienststelle Königshofen die DDR-Grenze. Eine Aufnahme aus den 1960er Jahren.

Als unlängst das landwirtschaftliche Anwesen Mauer in der Sparkassenstraße abgerissen wurde, ging damit auch wieder ein Stück Stadtgeschichte zu Ende. In den 1950 Jahren war hier die Bayerische Grenzpolizei untergebracht, zuvor hatten die Beamten im ersten Stock der einstigen Posthalterei in der Klosterstraße in Bad Königshofen ihre Dienststelle. Zur Grenzpolizeistation in der Sparkassenstrasse weiß Nachbar Paul Miltenberger nur so viel, dass dort ursprünglich eine Baracke mit einem Rübenkeller stand. Später baute Georg Mauer dann ein Haus und einen Garagenblock an die bestehende Scheune an. "Das müsste Anfang der 1950er Jahre gewesen sein," erinnert sich Anni Seinert, geborene Mauer. In dieses  Haus zog die Grenzpolizei ein und blieb dort bis Ende der 1960er Jahre. Dann folgte der Umzug in die Hans-Dietrich-Straße, wo die Polizei heute noch zu finden ist.

Ein Fernschreiber, zwei Schreibtische und eine Schreibmaschine

Im Haus in der Sparkassenstrasse befand sich im Erdgeschoß die Dienststelle mit insgesamt drei Räumlichkeiten. Im Eingangsbereich kam man rechter Hand in das Dienstzimmer. Hier stand in einer Ecke ein großer Fernschreiber, zwei Schreibtische und eine Schreibmaschine. Neben dem Ofen gab es eine Waschgelegenheit und ein einfaches Feldbett für die Nachtschicht.

Der jeweilige Leiter der Grenzpolizeistation wohnte im ersten Stock des Hauses. "Die anderen Zimmer waren vermietet," weiß Anni Seinert. In Teilen des Kellers wurden damals noch Rüben gelagert. Im Anschluss an das Wohnhaus standen zwei große Scheunen. Neben dem Hühnerstall befand sich ein Außenbereich für die Kühe. Die beiden Pferde Fritz und Fanni  waren im landwirtschaftlichen Anwesen in der Kellereistraße untergebracht und hier lebte auch die Familie Georg Mauer.

Bei den Filmaufnahmen mit dem Bayerischen Fernsehen schlüpfte der Kameramann Wolfgang Krämer, kurzfristig in die Uniform eines Grenzbeamten. Der Grund waren Minenlegearbeiten, bei denen die DDR Soldaten sich nicht ablichten ließen. Mit diesem Trick gelang es dann aber die Minenlegearbeiten am Spanshügel bei Trappstadt zu dokumentieren.
Foto: Hanns Friedrich | Bei den Filmaufnahmen mit dem Bayerischen Fernsehen schlüpfte der Kameramann Wolfgang Krämer, kurzfristig in die Uniform eines Grenzbeamten.

Polizeihauptkommissar Robert Pfister hat 1991 die Polizeichronik des ehemaligen Landkreises Königshofen von 1945 bis 1991 erstellt und auch Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert verwahrt in seinem Archiv entsprechende Unterlagen zur Geschichte der Bayerischen Grenzpolizei. Danach wurde am 1. Juli 1945 die Grenzpolizei neu aufgestellt und nannte sich "Borderpolizei". Sie bestand aus amerikanischen und deutschen Soldaten", schreibt der Kreisheimatpfleger.

Bereits am 15. November 1945 wurde die Bayerische Landesgrenzpolizei ins Leben gerufen. Es gab drei Dienststellen: Mellrichstadt mit den Polizeiposten Leubach, Fladungen, Brüchs, Weimarschmieden, Unterfilke, Willmars, Völkershausen, Mellrichstadt, Eußenhausen, Mühlfeld, Roßrieth, Sondheim im Grabfeld, Hendungen und Rappershausen.

Die Grenzpolizei Königshofen hatte nachgeordnete Polizeiposten in Rothausen, Irmelshausen, Herbstadt, Breitensee, Trappstadt, Alsleben und Zimmerau. Hinzu kam die Grenzpolizeistelle Maroldsweisach mit Ermershausen, Allertshausen, Eckhartshausen und Dürrenried.

Dienstauftrag: Der polizeiliche Schutz der Landesgrenze 

Der Dienstauftrag war mit "Polizeilicher Schutz der Landesgrenze" klar definiert. Die Grenze war zunächst von amerikanischen Soldaten mit weiß-gelb gestrichenen Holzpfählen markiert. Erst später wurden diese durch die weiß-blauen Pfähle ersetzt. Die Grenzkontrollen lagen bei den Amerikanern, dem Bundesgrenzschutz, der Grenzpolizei und dem Zoll.

1972 wurde  die Grenzpolizeiinspektion Königshofen nach Mellrichstadt verlegt und die Landespolizeiinspektion Königshofen aufgelöst. Der Grenzpolizeiinspektion Mellrichstadt unterstanden damit noch Fladungen, Bad Königshofen und Maroldsweisach.

Es war einmal: Die Grenzpolizeistation Königshofen im Grabfeld. Bis Ende der 1960er Jahre war sie in diesem Haus untergebracht. Im Hof gab es Garagen für die Einsatzfahrzeuge.
Foto: Hanns Friedrich | Es war einmal: Die Grenzpolizeistation Königshofen im Grabfeld. Bis Ende der 1960er Jahre war sie in diesem Haus untergebracht. Im Hof gab es Garagen für die Einsatzfahrzeuge.

Zur Landespolizei schreibt Robert Pfister, dass es hier Posten in Saal an der Saale, Großbardorf, Oberessfeld, Trappstadt und Irmelshausen gab. Aufgabe war die Bearbeitung aller strafbaren Handlungen und Übertretungen.

1956 gab es einen unterfränkischen Verkehrszug mit Sitz in Bad Neustadt. Er hatte die Verkehrsüberwachung auf der B 279 im Landkreis Königshofen mit übernommen. 1962 wurden die bestehenden Landpolizeistationen Königshofen, Saal/Saale, Sulzfeld und Oberessfeld zusammen gelegt und die Beamten nach Bad Königshofen versetzt. Es gab dann nur noch die Landpolizeistation Königshofen und den Dienstbereich im Altlandkreis Königshofen.

1973 übernahm die Bayerische Grenzpolizeistation Königshofen die gleichzeitig aufgelöste Landespolizeistation mit insgesamt zehn Beamten. Diese Organisationsform hatte bis 30. September 1990 Bestand und verlor erst durch die Wiedervereinigung und den Wegfall der innerdeutschen Grenze ihre Berechtigung. Die Beamten der Polizeistation in der Hans-Dietrich-Strasse sind bis heute zuständig für den ehemaligen Altlandkreis Königshofen im Grabfeld.

Nachdem mittlerweile das gesamte Areal des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebs von Georg Mauer eingelegt ist, werden dort mehrere Wohnungen entstehen. So jedenfalls sieht es der von Alexander Eschenbach eingereichte Bauplan vor, der vor wenigen Wochen vom Stadtrat genehmigt wurde.

Führungen entlang der einstigen innerdeutschen Grenze oblagen meist den Beamten der Grenzpolizei
Foto: Hanns Friedrich | Führungen entlang der einstigen innerdeutschen Grenze oblagen meist den Beamten der Grenzpolizei
Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Rhön-Grabfeld und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren / Autorinnen
Bad Königshofen
Hanns Friedrich
Beamte
Grenzkontrollen
Grenzpolizei
Innerdeutsche Grenze
Irmelshausen
Landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen
Ländergrenzen
Miltenberger Otto Aulbach
Polizeihauptkommissare
Reinhold Albert
Soldaten
Stadtgeschichte
Zeitgeschichte
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!