Wargolshausen

Wargolshausen: Warum die Dreschmaschine im Kommunikationshof steht

Noch heute leuchten die Augen von Ansgar Büttner, wenn er an der historischen Dreschmaschine steht. Ein Relikt aus vergangenen Tagen, als die Landwirtschaft das damals modernste Gerät im Dorf hatte.
Foto: Hanns Friedrich | Noch heute leuchten die Augen von Ansgar Büttner, wenn er an der historischen Dreschmaschine steht. Ein Relikt aus vergangenen Tagen, als die Landwirtschaft das damals modernste Gerät im Dorf hatte.

Das Vereinsgeschehen in Wargolshausen ist intakt. Das zeigte sich wieder beim fertiggestellten Kommunikationshof in der Dorfmitte. Ein Schmuckstück, das auch die Erinnerung an das historische Wargolshausen wach hält. Dazu gehören nicht nur die restaurierten und funktionstüchtigen Gebäude, sondern auch eine Dreschmaschine aus längst vergangenen Tagen.

Wenn Ansgar Büttner die großen Scheunentore öffnet, um das einst moderne landwirtschaftliche Gerät zu zeigen, leuchten seine Augen. Er weiß noch genau, wie damals gedrescht wurde vor 40 Jahren. Ins Schwärmen gerät er aber auch, wenn er vom Konzept "Kommunikationshof" berichtet. Ein "Leuchtturmprojekt", das es in dieser Art nicht noch einmal gibt in Rhön-Grabfeld.

Ein Schmuckstück in Wargolshausen ist der neue Kommunikationshof, gegenüber dem Gästehaus. Nach zwei Jahren intensiver Umbauzeit ist ein Treffpunkt für das Dorf und für Gäste entstanden.
Foto: Hanns Friedrich | Ein Schmuckstück in Wargolshausen ist der neue Kommunikationshof, gegenüber dem Gästehaus. Nach zwei Jahren intensiver Umbauzeit ist ein Treffpunkt für das Dorf und für Gäste entstanden.

Dazu muss man zurück bis in das Jahr 2014, als das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) von dem Konzept einer Flächenneuordnung in der Steinigen- beziehungsweise Goldbachstraße überzeugt werden konnte. Mit der Innerortsflurbereinigung "Wargolshausen 4" wollte man dem Leerstand im Ortskern entgegensteuern. Ansgar Büttner erinnert sich: "Aus drei mach zwei könnte man sagen, denn so gab es durch den Abbruch eines Anwesens und durch Flächentausch für die Nachbarn Licht und Freiraum."

Großzügige Förderung wurde zugesagt

Dem Amt gefiel das Projekt so gut, dass es eine großzügige Förderung zusagte. Ergänzt wurde die Maßnahme durch die Neugestaltung eines Platzes in der Steinigen Straße mit einem Kunstwerk von Eva Maria Warmuth aus Wargolshausen. Nachdem sich auch in der Mittleren Dorfstraße zwei leer stehende Anwesen teilweise im Eigentum der Gemeinde befanden, kam es zu einer Ausweitung der Maßnahme. Voller Stolz berichtet Büttner, der als Projektleiter im Auftrag der Gemeinde verantwortlich war, vom Werden des Kommunikationshofes.

Realisiert werden konnte diese Neugestaltung letztendlich, weil die Vereinsgemeinschaft ihre Unterstützung zusagte. "Es ging nicht so schnell vorwärts, wie wir uns das gewünscht hatten", resümiert Büttner. Zwei Jahre gingen ins Land, weil Bürgermeister und Gemeinderat die hohen Kosten trotz Förderung scheuten. Immerhin standen rund 450 000 Euro im Raum, die Architekt Christoph Markert für den Teilerwerb der Flächen, Abbruch, Sanierungskosten und den Neubau einer Halle errechnet hatte. Bei den zugesagten Fördermitteln in Höhe von einer Viertelmillion Euro und der Unterstützung der Vereinsgemeinschaft immer noch ein "großer Brocken." Schließlich wollte der Gemeinderat die Belastung der Gemeinde auf 110 000 Euro begrenzt sehen, was auch annähernd erreicht werden konnte. "Ohne die mehr als 3500 ehrenamtlich geleisteten Helferstunden der Mitglieder der Vereine und der Ortsbewohner hätten wir diese Vorgabe aber nicht erreichen können", weiß Büttner.

Teurer als gedacht

Allerdings musste die Gemeinde trotzdem noch einmal Geld zuschießen. Beim Abbruch eines Anwesens zeigte sich, dass das Nachbarhaus unfachmännisch angebaut worden war. Ein Einsturz war nicht auszuschließen. Um gerichtliche Schritte zu vermeiden, die noch einmal Geld gekostet hätten, entschied man sich zum Kauf des Anwesens. Damit war eine Unterstellmöglichkeit für die historische Dreschmaschine vorhanden und das Amt für ländliche Entwicklung legte bei der Förderung noch einmal nach.

Entstanden ist auch eine Broschüre über die alte Dreschmaschine und über die Getreideernte in früherer Zeit. „Die alte Dreschmaschine erzählt“ lautet der Titel dieser Arbeit, die mit Fotos und Texten von Ansgar Büttner und von Kreisheimatpfleger Reinhold Albert zusammengestellt wurde.
Foto: Hanns Friedrich | Entstanden ist auch eine Broschüre über die alte Dreschmaschine und über die Getreideernte in früherer Zeit. „Die alte Dreschmaschine erzählt“ lautet der Titel dieser Arbeit, die mit Fotos und Texten von Ansgar ...

Dass all diese finanziellen Mittel gut angelegt sind, zeigt sich beim Blick auf und in den Kommunikationshof. Er wertet nicht nur den Innerortsbereich auf, sondern ist auch idealer Treffpunkt für größere und kleinere Feste der Vereine, vor allem auch im Hinblick auf das direkt gegenüberliegende Gästehaus. Im neuen Kommunikationshof gibt es zudem Lagermöglichkeiten. Dabei hat die Vereinsgemeinschaft selbst noch einmal kräftig investiert, verweist Ansgar Büttner in der Scheune auf einen Lastenaufzug mit "Laufkatze" sowie einen Theken- und Ablufteinbau in der "Grillhütte", die durch zwei Klappen schnell geöffnet und in Betrieb genommen werden kann.

Großer Platz vor dem Gebäude

Hinter der großen Scheune bietet sich ein großer freier Platz, der in den Sommermonaten genutzt werden kann. Ein Hingucker ist aber vor allem der große Platz vor den Gebäuden. Es sei  jammerschade, dass das im August geplante Dreschfest coronabedingt nicht stattfinden konnte. Der Vorsitzende der Vereinsgemeinschaft hofft nun auf 2021. Am 14. und 15. August soll in Verbindung mit dem Kapellenfest ein neuer Anlauf genommen werden.

Auf großen Bildtafeln wird zum einen die Entwicklung der Getreideernte in Wargolshausen dargestellt, zum anderen die Entstehung des Kommunikationshofes.
Foto: Hanns Friedrich | Auf großen Bildtafeln wird zum einen die Entwicklung der Getreideernte in Wargolshausen dargestellt, zum anderen die Entstehung des Kommunikationshofes.

Die historische Dreschmaschine sollte 1980 eigentlich verkauft werden, zuvor stand sie 15 Jahre lang nutzlos in einer Scheune. Damals entstand die Idee, einen Film zu drehen und damit die Arbeit der Großeltern aufzuarbeiten. Lothar Büttner fungierte als Kameramann, unterstützt von Alois Müller und Ansgar Büttner. Beim Projekt "Dreschmaschine" hatte sich die Dorfbevölkerung, vor allem die damals 70- bis 80-Jährigen, eingebracht. Ein sehenswerter Super-8-Film ist daraus entstanden.

Bei der 800 Jahr-Feier in Wargolshausen war die restaurierte alte Dreschmaschine das Highlight. Heute ist dieser 34 minütige Film digitalisiert und wird bei Führungen den Gästen auf einer Großleinwand gezeigt. Ansgar Büttner ist sich sicher, dass das historische Gerät bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gleichermaßen ankommt. Zumal gezeigt wird, wie schwer und arbeitsintensiv das Leben und Arbeiten in der Landwirtschaft einst war.

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