Höchheim

Warum die Milz momentan wie ein stiller See wirkt

Eine Biberfamilie hat sich bei Höchheim an der Milz angesiedelt. Sie sollen viele Bäume gefällt und so den Fluss angestaut haben.
Normalerweise herrscht an der Höchheimer Flachwasserzone eine starke Strömung der Milz. Jetzt gleicht der Anblick eher einem stillen See als einem fließenden Gewässer. Die Ursache hierfür findet  man einen knappen Kilometer flußabwärts. Dort hat eine Biberfamilie zwei Staudämme 'gebaut', um sich so einen neuen Lebensraum zu schaffen.
Foto: Wolfgang Ruck | Normalerweise herrscht an der Höchheimer Flachwasserzone eine starke Strömung der Milz. Jetzt gleicht der Anblick eher einem stillen See als einem fließenden Gewässer.

Wer in diesen Tagen die Milzbrücke in Höchheim überquert, stellt fest, dass sich der Anblick des kleinen Flußes stark verändert hat. Im Bereich der Flachwasserzone am Königshöfer Weg sprudelt die Milz normalerweise munter vor sich hin und Vorbeikommende können die Strömung hören. Seit einigen Wochen wirkt die östlich der thüringischen Gleichberge entspringende Milz aber eher wie ein stiller See.

Für diese "Umgestaltung" der Milz sorgt eine Biberfamilie, die sich  einige hundert Meter westlich vom Ort angesiedelt hat.  Schon seit einigen Jahren ist der Höchheimer Karl-Heinz Volk Biberbeauftragter in der Gemeinde. Er beobachtet und dokumentiert das Vorkommen und die Aktivitäten des Bibers auf einem rund vier  Kilometer langen Streckenabschnitt entlang der Milz. Seinen Worten zufolge wurde der Biber erstmalig im Jahr 2013  im Milzgrund registriert. Entlang des kleinen Flußes bauten die Biber ihre Behausungen - sogenannte Burgen.

Auch vor großen Bäumen mit 50 cm Durchmesser macht der Biber nicht halt. Wenn ihm das Holz als "geeignetes Baumaterial" erscheint, werden die Stämme in nächtlichen "Arbeitseinsätzen" gefällt.
Foto: Wolfgang Ruck | Auch vor großen Bäumen mit 50 cm Durchmesser macht der Biber nicht halt. Wenn ihm das Holz als "geeignetes Baumaterial" erscheint, werden die Stämme in nächtlichen "Arbeitseinsätzen" gefällt.

Die geschützten Nagetiere fällten Bäume und verwendeten die Äste und Stämme zum Aufstauen des Wassers.  Es sei auch schon vorgekommen, dass die Biber ihre Höhlen bis in benachbarte Grundstücke gegraben haben und ganze Wiesen und Felder kurzerhand unter Wasser setzten. Volk berichtet, dass auch schon Streuobstbäume den Fällarbeiten  des Bibers zum Opfer fielen. Letzteres könnte sich eventuell bald wiederholen. Denn eine gemeindeeigene Streuobstwiese in der Gemarkung "Hofstätt" liegt unweit der neu errichteten Biberbehausung. Die Tiere machen eben keinen Halt vor fremdem Eigentum, meint Karl-Heinz Volk augenzwinkernd.

Grundwasserspiegel wird erhöht

Die "Flutung" der Höchheimer Flachwasserzone sieht der Biberbeauftragte positiv. Dadurch werde der Grundwasserspiegel  der benachbarten Flächen etwas erhöht. Dieser Umstand könne in Zeiten von Dürre und Trockenheit durchaus nützlich sein.  Volk berichtet, dass die Biber im Jahr 2019 rund um Höchheim  insgesamt rund 300  Bäume gefällt haben. Gezählt wurden dabei natürlich auch die Bäumchen mit geringem Stammdurchmesser. Die Tiere haben aber auch schon 50 cm starke Pappelstämme "umgelegt". Bemerkenswert ist vor allem wie gekonnt die Biber Bäume fällen und dabei exakt die Fallrichtung des Baumes einschätzen.

Auch diese gemeindeeigene Streuobstwiese liegt unweit der Biberbehausung an der Milz. Bis jetzt blieben die Bäume glücklicherweise von den "Fällarbeiten" des Bibers verschont.
Foto: Wolfgang Ruck | Auch diese gemeindeeigene Streuobstwiese liegt unweit der Biberbehausung an der Milz. Bis jetzt blieben die Bäume glücklicherweise von den "Fällarbeiten" des Bibers verschont.

Mit dem Bau der beiden Staudämme einige hundert Meter westlich des Dorfes hat der Biber erst Anfang Oktober begonnen. Faszinierend ist dabei die Tatsache, dass sich das Wasser auf einer solchen Länge zurückstaut und bis auf Höhe des Ortes nun ein fast stehendes Gewässer entstanden ist. Die Fläche dürfte bei den ersten stärkeren Frösten auch schneller zufrieren als das frühere Flußbettder Milz.

Welches Tier ist im Höchheimer Wappen?

Wenn die Nachkommen der Biber eins bis zwei Jahre alt sind, werden sie von den Elterntieren vertrieben und sie müssen sich eine eigene Unterkunft suchen. So lässt sich auch erklären, dass an verschiedenen anderen Stellen im Gemeindebereich Biber angesiedelt haben. Nach Volks Worten ist der Biber mittlerweile auch Richtung Rothausen am "Brühlgraben"  und bei Irmelshausen ansässig geworden. Den geschützten Nagern gefällt es scheinbar im Milzgrund. Ob das jetzt ein Zufall ist? Im Wappen der Gemeinde Höchheim ist ein rot gezungter steigender Biber zu sehen.

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