Ostheim

Warum Ulrich Waldsachs bis zum letzten Tag im Rathaus war

Bis zum letzten Amtstag mit Freude bei der Arbeit: Ulrich Waldsachs an seinem Schreibtisch im Ostheimer Rathaus.
Bis zum letzten Amtstag mit Freude bei der Arbeit: Ulrich Waldsachs an seinem Schreibtisch im Ostheimer Rathaus. Foto: Eva Wienröder

Ulrich Waldsachs ist mit Leib und Seele Bürgermeister gewesen, das merkt  man ihm an, wenn er von seiner Arbeit spricht. So ist er auch bis zu seinem letzten Arbeitstag im Ostheimer Rathaus anzutreffen - auf seinen Resturlaub hat er verzichtet. „Die Arbeit hat mir sehr viel Freude bereitet“, kann er zufrieden zurückblicken. Aber nach zwei Amtsperioden noch eine dritte dranhängen, das wollte er aus Altersgründen nicht. Schließlich wäre er am Ende der nächsten Wahlperiode 69 Jahre alt.

In Sachen Energie und Klimaschutz einiges bewegt 

In seiner Zeit als Stadtchef wurde in Ostheim und den Stadtteilen Oberwaldbehrungen und Urspringen viel erreicht. Große Projekte, wie die Generalsanierung der Kindertagesstätte Schobert-Haus, der Bauhof-Neubau, die Modernisierung und barrierefreie Umgestaltung des Rathauses und der Breitbandausbau gehören dazu, ebenso wie kleinere Projekte, wie die Erneuerung des Bahrastegs in Urspringen oder die Schaffung von naturnahen Bestattungsstätten auf allen drei Friedhöfen. Stetig wurde in die Wasserversorgung und in den Brandschutz investiert und in Sachen Energie und Klimaschutz hat man einiges bewegt, u.a. durch die Initiierung einer Bürgerphotovoltaikanlage oder die Verwirklichung des Nahwärmenetzes.

Aktuelles Großprojekt, das die Stadtoberen über Jahre hinweg auf Trab gehalten und so manch unangenehme Überraschung beschert hat, ist die Generalsanierung der Grundschule. Die Verzögerungen durch mangelhafte Planung und Bauausführung sowie die Kostensteigerungen sind überaus ärgerlich. „Trotzdem war die Entscheidung für eine umfassende Sanierung richtig, wir haben eine nachhaltige Investition in den Schulstandort getätigt und werden eines der modernsten Schulhäuser in der Region haben“, ist sich der Bürgermeister sicher. Die Stadtentwicklung sieht Waldsachs als große Herausforderung in den nächsten Jahren, aber auch als wichtige Chance, um Ostheim attraktiver zu machen. Erste Schritte wurden mit der Erstellung von Maßnahmenkatalogen im Rahmen des ISEK eingeleitet.

Schwierige Entscheidungen waren zu treffen 

Waldsachs macht klar, dass die Leitung einer Stadt kein Kinderspiel ist. „Es gibt mitunter schwierige, unbequeme Entscheidungen zu treffen.“ Er erinnert sich an die Neuorganisation im Schulbereich mit dem Anschluss an die Mittelschule Mellrichstadt gleich zu Beginn seiner Amtszeit. Mit der Schließung der örtlichen Hauptschule hatte man viel Gegenwind geerntet, Bürger gingen sogar zum Demonstrieren auf die Straße. Der Stadtrat habe nie leichtfertig Entscheidungen getroffen. Sachliche Diskussionen führen, Kompromisse und Lösungen finden – das habe im Gremium stets gut funktioniert. „Man kann nur im Team etwas bewirken“, befindet Waldsachs und zeigt sich dankbar über das vertrauensvolle, fraktionsübergreifende Miteinander in seiner zwölfjährigen Amtszeit als erster Bürgermeister.

Stolz ist er auf die engagierten Bürger und Vereine. „Das Ehrenamt ist unschätzbar wertvoll“. Ohne das Engagement wären die vielen Aktivitäten, die das Rhönstädtchen attraktiv machen, nicht möglich, so der Bürgermeister. Im Bürgermeisteramt sei kein Tag wie der andere, und es erfordere ein stetiges Dazulernen, was die tägliche Arbeit aber auch so interessant mache, wie Waldsachs erklärt. Ob beim Miteinander mit Behörden, Kirchen, Vereinen oder der Bürgerschaft- als Bürgermeister hat man mit Menschen aus den verschiedensten Bereichen zu tun und lernt immer wieder neue kennen. „Und man versteht auch Dinge aus anderen Blickwinkeln zu sehen“, so der Stadtchef. „Man gewinnt neue Freunde und man verliert auch welche“, beschreibt er Freud und Leid des Amtes. Am meisten vermissen wird er dennoch den Umgang mit anderen Menschen.

Partei-Interessen sollten im Kommunalen keine Rolle spielen 

Nicht die Politik an sich, sondern vielmehr Ostheim und seine Rhöner Heimat haben ihm schon immer am Herzen gelegen. An der Entwicklung der Stadt mitzuwirken, Bewährtes bewahren und Neues gestalten, das sei für ihn dann auch Triebfeder gewesen, sich für die Stadt zu engagieren, zunächst von 1996 bis 2008 als Stadtrat und dann an vorderster Stelle als erster Bürgermeister. „Politik machen“ oder „Politiker sein“ – mit diesen Begrifflichkeiten kann er sich bis heute nicht recht anfreunden, seien sie doch immer irgendwie parteipolitisch behaftet. Parteiinteressen sollten aber gerade im kommunalen Bereich keine Rolle spielen, sie seien nur hinderlich, wie Waldsachs befindet.

Mit dem Bürgermeisterposten habe er übrigens erst gezögert, verrät der 63-Jährige. Der Diplom-Ingenieur (FH) hatte sehr gerne in seinem Beruf beim Vermessungsamt Bad Neustadt gearbeitet. „Mach du doch Bürgermeister“, sei am Ende der Amtszeit von Adolf Büttner vermehrt an ihn herangetragen worden. Die Liebe zu seiner Heimatstadt habe ihn schließlich dazu bewegt. So war er 2008 von den Freien Wählern mit Unterstützung der CSU nominiert worden und konnte sich gegen die Mitbewerber Ulrike Stanek (SPD) und Horst Werner (Ostheimer Liste) durchsetzen. Als Gewinner ging Waldsachs auch 2014 hervor, als dann aus den CSU-Reihen Bernd Roßmanith gegen ihn angetreten war. Seit 1996 saß er im Ostheimer Stadtrat, davon die letzten zwölf Jahre als erster Bürgermeister.

Mehr Zeit für die Familie und für die Modellfliegerei

„Ohne den Rückhalt meiner Familie hätte ich den Bürgermeister nicht gemacht“, betont Waldsachs. Die habe ihn immer unterstützt, allen voran seine Frau Maritta. Nun freut sich der Familienmensch darauf, wieder mehr Zeit mit seinen Lieben und insbesondere mit den Enkeln verbringen zu können. Und endlich kann er sich auch mehr seinen Hobbys, insbesondere seiner großen Leidenschaft, der Modellfliegerei, widmen.

Seinem Nachfolger Steffen Malzer (CSU) wünscht er viel Erfolg bei den anstehenden Projekten und viel Freude am Amt, auch wenn es schwierige Tage gibt. Malzer könne auf eine gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung und auf Unterstützung des Stadtrates bauen – so wie es in Ostheim all die Jahre im guten Miteinander zum Wohle der Stadt und ihrer Bürger praktiziert worden sei.

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