Schweinfurt

Ex-Schnüdel Matthias Gerhardt bewundert den Umgang der Kinder mit Corona

Früher im Stadion oder der Halle erfolgreich – und jetzt? Wie geht es Unterfranken, die den Sport prägten, nach der Karriere? Diese Woche erzählt der ehemalige Fußball-Profi Matthias Gerhardt aus seinem Leben.
Wieder beim TSV Aubstadt gelandet: Matthias Gerhardt ist beim Regionalligisten zuständig für das Scouting.
Foto: Anand Anders | Wieder beim TSV Aubstadt gelandet: Matthias Gerhardt ist beim Regionalligisten zuständig für das Scouting.

Die Saison 2001/02 wird Matthias Gerhardt nicht vergessen: Mit dem FC 05 Schweinfurt spielte er ein Jahr in der 2. Fußball-Bundesliga. Plötzlich waren Eintracht Frankfurt oder der VfL Bochum Gegner - und nicht mehr SC Pfullendorf oder SV Elversberg. 21 Mal stand der Mittelfeldspieler auf dem Platz und erzielte zwei Tore; beide beim 3:1-Sieg gegen Unterhaching. Möglich gemacht hat dieses für den Verein dank des sofortigen Wiederabstiegs wenig erfolgreiche, für den Spieler jedoch aufregende Jahr der Aufstieg im Mai 2001, als der FC 05 in der Regionalliga Süd Dritter hinter dem Karlsruher SC und den nicht aufstiegsberechtigten Stuttgarter VfB-Amateuren wurde.

Der Bad Neustadter spielte schon in der Jugend für den FC 05, von 1995 bis 2002 dann für die Erste, er er zum SSV Jahn Regensburg wechselte. Nach dem eher wenig erfolgreichen Ausflug in die Oberpfalz ging es zurück nach Unterfranken, wo Gerhardt für den TSV Großbardorf, VfL Bad Neustadt, FC 06 Bad Kissingen, TSV Aubstadt und TSV Forst spielte, ehe er 2013 seine aktive Laufbahn endgültig beendete und ins Trainergeschäft einstieg. Im Sommer 2020 wechselte er in den Trainerstab des Regionalligisten TSV Aubstadt, hauptverantwortlich für das Scouting. Für die Saison 2021/22 hat Matthias Gerhardt zusammen mit seinem Bruder Thomas als Trainer-Duo unterschrieben bei Kreisklassist SpVgg Hambach. 

Heute lebt der 45-Jährige, der für einen Sicherheitsdienst arbeitet, mit seiner Partnerin und dem siebenjährigen Sohn Diego in Salz bei Bad Neustadt. 

Was für ein Torjubel: Matthias Gerhardt (Mitte) hat am 27.Mai 2000 soeben den 4:2-Siegtreffer für den FC 05 in Augsburg erzielt und die Schweinfurter damit endgültig in die von da an zweigleisige Regionalliga geschossen.
Foto: Michael Bauer | Was für ein Torjubel: Matthias Gerhardt (Mitte) hat am 27.Mai 2000 soeben den 4:2-Siegtreffer für den FC 05 in Augsburg erzielt und die Schweinfurter damit endgültig in die von da an zweigleisige Regionalliga geschossen.
Wie erleben Sie die Corona-Krise und mit welchen Erwartungen gehen Sie in die nächsten Monate?

Matthias Gerhardt: Wie in einem Film. Ich habe, wie jeder andere auch, die Hoffnung, dass wir bald wieder ein "normales Leben" führen dürfen.

Ihre gegenwärtige Form?

Gerhardt: (Lacht) nächste Frage.

Für welchen Sport bewegen Sie sich noch?

Gerhardt: Fußball, Golf, Tennis.

Und was bewegt Sie?

Gerhardt: Die jetzige Situation lässt einen schon viel nachdenken. Aber natürlich auch die Entwicklung meines Sohnes.

Wofür wären Sie heute gerne noch mal jung?

Gerhardt: Zum kicken.

Freunde fürs Leben: Matthias Gerhardt (rechts) mit seinen Ex-FC-05-Kollegen (von links) Jürgen Hein, Steffen Rögele und Dieter Wirsching.
Foto: Gerhardt | Freunde fürs Leben: Matthias Gerhardt (rechts) mit seinen Ex-FC-05-Kollegen (von links) Jürgen Hein, Steffen Rögele und Dieter Wirsching.
Was schätzen Sie am Alter am meisten?

Gerhardt: Ich denke, man wird ruhiger und gelassener.

In welche Zeit würden Sie mit einer Zeitmaschine reisen und warum?

Gerhardt: Rund 20 Jahre zurück. Die Zeit in der Zweiten Liga beim FC 05 war wirklich Wahnsinn, weil sich neben dem sportlichen Erfolg  auch viele Freundschaften ergeben haben, die heute noch bestehen.

Ihr Lieblingsort?

Gerhardt: Daheim.

Was haben Sie vom Leben gelernt?

Gerhardt: Wenn sich eine Tür schließt, geht eine andere Tür auf.

Und was hat Sie der Sport gelehrt?

Gerhardt: Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Voller Einsatz: Matthias Gerhardt (Mitte) setzt sich gegen den Aachener Olivier Caillas (links) durch.
Foto: Martin Ratajczak | Voller Einsatz: Matthias Gerhardt (Mitte) setzt sich gegen den Aachener Olivier Caillas (links) durch.
Bei welchem Thema werden Sie angriffslustig?

Gerhardt: Bei Ungerechtigkeit und wenn ich meinen Standpunkt verteidige.

Und wen oder was würden Sie immer verteidigen?

Gerhardt: Ganz klar: meinen Sohn, meine Familie und Freunde.

Wie waren die ersten Wochen/Monate nach Ihrem Karriereende in der Familie?

Gerhardt: Es war extrem schwer, wieder in ein "normales Leben" zurückzukehren. Da haben sich auch wirkliche Freunde gezeigt.

Welchen Moment Ihres Lebens würden Sie gerne noch einmal erleben?

Gerhardt: Sportlich gibt es da sehr viele Momente , aber nicht nur auf dem Platz. Die Geburt meines Sohnes war schon der schönste Moment meines Lebens.

Welches sportliche oder menschliche Foul würden Sie gerne rückgängig machen?

Gerhardt: Ich denke, dass jeder Mensch Fehler macht. Aber spontan fällt mir da nichts ein. Da ich eher ein Techniker war, fällt mir auch sportlich kein Foul ein (lacht).

Heute ist Matthias Gerhardt gerne auch mal in den Bergen unterwegs.
Foto: Gerhardt | Heute ist Matthias Gerhardt gerne auch mal in den Bergen unterwegs.
Wenn Sie nicht Sportler geworden wären – was dann?

Gerhardt: Puh, eine sehr gute Frage. Ich hatte schon immer den Wunsch, Fußballer zu werden.

Ihr Lieblingssportler heute?

Gerhardt: Roger Federer ist außergewöhnlich. Als Fußballer Cristiano Ronaldo, weil er einfach alles für seinen Erfolg macht.

Was war das größte Abenteuer Ihres Lebens?

Gerhardt: Die acht Jahre mit Djuradj Vasic als Trainer. Das ist aber nur positiv gemeint, ich habe ihm sehr viel zu verdanken.

Nach wessen Pfeife tanzen Sie heute?

Gerhardt: Ganz klar nach der meines Sohnes und meiner Partnerin.

Worüber haben sie zuletzt gelacht?

Gerhardt: Ich lache wirklich sehr oft, da ich fast nur gut gelaunt bin.

Matthias Gerhardt macht auf dem Tennisplatz eine bessere Figur, als es hier auf den ersten Blick aussieht.
Foto: Gerhardt | Matthias Gerhardt macht auf dem Tennisplatz eine bessere Figur, als es hier auf den ersten Blick aussieht.
Was regt Sie auf?

Gerhardt: Zur Zeit die Corona Geschichte.

Wen bewundern Sie – und wofür?

Gerhardt: Kinder und wie sie mit der Corona-Krise umgehen. Da können wir Erwachsenen viel lernen.

Wer oder was macht Sie glücklich?

Gerhardt: Zeit mit der Familie.

Und vor welchem Unglück fürchten Sie sich?

Gerhardt: Dass man eine wichtige Person verliert.

Was möchten Sie noch lernen?

Gerhardt: Ich würde gerne mein Golfspiel verbessern.

Das geht noch besser: Matthias Gerhardt auf dem Golfplatz.
Foto: Gerhardt | Das geht noch besser: Matthias Gerhardt auf dem Golfplatz.
Was möchten Sie unbedingt noch erleben?

Gerhardt: Oh, da gibt’s wirklich ganz viele Sachen.

Wovon träumen Sie?

Gerhardt: Davon, dass sich unsere Situation wieder verbessert und wir uns wieder "frei" bewegen können.

Welche Botschaft würden Sie (jungen Sportlern) gerne hinterlassen?

Gerhardt: Talent allein reicht nicht für den Traum Profi zu werden. Gebt alles dafür denn es gibt keinen geileren Beruf.

Als wer oder was würden Sie wiedergeboren werden?

Gerhardt: Wieder als Matze Gerhardt, um ein paar Sachen besser zu machen.

Damals in Diensten des VfL Bad Neustadt: Matthias Gerhardt (rechts), gemeinsam unterm Schirm mit dem Burgwallbacher Marcel Mölter.
Foto: Anand Anders | Damals in Diensten des VfL Bad Neustadt: Matthias Gerhardt (rechts), gemeinsam unterm Schirm mit dem Burgwallbacher Marcel Mölter.

Die Reihe: Was macht eigentlich...?

Fast jeder in der Region kennt sie – aber kaum einer weiß, was sie heute machen. Früher waren sie erfolgreiche Sportler, Trainer oder Funktionäre. Doch wenn sie nach ihren Karrieren nicht mehr im Scheinwerferlicht der Arenen, Hallen und Stadien stehen und damit im Fokus der Öffentlichkeit, verschwinden sie in der Regel auch aus den Schlagzeilen.
In unserer Reihe „Was macht eigentlich . . . ?“, die in losen Abständen erscheint, haben wir uns auf die Suche gemacht nach Menschen, die den Sport in Unterfranken im vergangenen Jahrhundert oder Jahrzehnt auf irgendeine Weise geprägt haben. Wir haben ihnen allen den gleichen Fragebogen zukommen lassen und sie gebeten, ihn für uns auszufüllen. Darin blicken sie zurück auf ihre Karrieren, verraten, was sie gegenwärtig auch jenseits des Sports bewegt und wovon sie in Zukunft noch träumen.
Sie wollen wissen, was aus einer ehemaligen lokalen Sportgröße geworden ist? Dann schreiben Sie in die Kommentare, über wen Sie gerne mehr erfahren würden. Wir versuchen, die Sportler zu kontaktieren, um herauszufinden, was sie eigentlich machen.
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