Bad Königshofen

Wasserschäden in der Türmerstube: Wer zahlt die Sanierung?

Die Feuerglocke ist höchste und älteste Glocke am Bad Königshofener Kirchturm. Sie hängt in der sogenannten Laterne, gemeinsam mit einem weiteren Schlagwerk.
Die Feuerglocke ist höchste und älteste Glocke am Bad Königshofener Kirchturm. Sie hängt in der sogenannten Laterne, gemeinsam mit einem weiteren Schlagwerk. Foto: Hanns Friedrich

1984 wurde die welsche Haube am Turm der Stadtpfarrkirche Bad Königshofen instand gesetzt. Es folgte die Restaurierung der Türmerwohnung sowie des Glockenstuhls und schließlich der gesamten Turmfassade.  Bauherr, so ist im Baufallbericht von Dipl. Ing. und Architekt Dag Schröder nachzulesen, war die katholische Kirchenstiftung, Baulastträger die Stadt Bad Königshofen. Damals hatte eindringender Regen dazu geführt, dass Deckenteile verrottet und die Ständerkonstruktion der Laterne marode waren. Der Turm wurde mit reinem Naturschiefer in altdeutscher Deckung für Zwiebel und Haube neu eingedeckt. Mittlerweile haben Wind und Wetter dazu geführt, dass es an Teilen des Turmes wieder hereinregnet und davon bereits auch die obere, einstige Türmerstube, stark betroffen ist. "Jetzt muss gehandelt werden," sagt Kirchenpfleger Manfred Staub.

Regenwasser hat in den vergangenen Jahren Schäden an der Decke der oberen Türmerstube verursacht. Handlungsbedarf ist dringend erforderlich.
Regenwasser hat in den vergangenen Jahren Schäden an der Decke der oberen Türmerstube verursacht. Handlungsbedarf ist dringend erforderlich. Foto: Hanns Friedrich

Vor Ort im Gebälk des Kirchturms zeigt Michael Heusinger von der Kirchenverwaltung Bad Königshofen die bereits sichtbaren Schäden. Man erkennt an den Eichenbalken die Stellen, wo das Wasser eindringt, dann an den Längsbalken nach unten läuft und eben in der Decke der oberen Türmerstube zu erheblichen Schäden führt. Manfred Staub und Michael Heusinger berichten von einer nun anstehenden Notsicherung, um Schlimmeres zu verhindern. Dazu ist geplant, mit einem Kran von außen bis zur Laterne zu gelangen und dort die Stellen abzudichten. Staub weist darauf hin, dass bereits tragende Teile des Turmes befallen sind. Solche Schäden erkenne man vor allem im oberen Teil der Laterne. Im Außenbereich, wo die Feuerglocke und ein Schlagwerk hängen, sind vor allem starke Verschmutzungen durch Vogelkot erkennbar.

Eine grundlegende Sanierung der Haube muss wohl folgen

Nach dieser Notsicherung sei dann eine grundlegende Sanierung der Haube, die im Jahr 1603 aufgebracht wurde, notwendig. Dieses Datum ist aus einer Urkunde ersichtlich, die in der Turmkugel gefunden wurde. Dort heißt es: "Anno salutis 1603 ist dises Tach auf den Kirchthurm gemacht worden, als Julius des Geschlechts lezten von Mespelbrunn Bischoff zu Würzburg und Herzog zu Franken  etc und 30 Jahr in der Regierung gewesen. Aufgeführt sind dann die Namen der Pfarrer sowie der Ober- und Unterbürgermeisters, des Stadtamtmanns, Stadtschreiber, Schulmeister, Organist und Stadtknecht. 

In den vergangenen Jahrhunderten wurden die beiden Turmhauben immer wieder instand gesetzt, allerdings dürften die Eichenbalken größtenteils noch aus der Erbauerzeit stammen. Lagen die Kosten für die Sanierung der beiden Turmhelme 1984 bei rund 320 000 Mark, so dürfte diese Summe wohl heute, in Euro, doppelt so hoch ausfallen. "Sie werden sich sicher im sechsstelligen Bereich bewegen", sagt Kirchenpfleger Manfred Staub. Die Schäden im Turm sind bereits seit einigen Jahren bekannt und so hat sich auch die vorherige Kirchenverwaltung unter Rainer Buhlheller damit auseinander gesetzt und auf eine Renovierung gedrängt. Nun aber müsse endlich gehandelt werden, sagen Manfred Staub und Michael Heusinger. Dazu wurden bereits Gespräche mit der Stadt, sowie Zuschussgebern, darunter auch mit der Diözese Würzburg geführt und ein Architekturbüro beauftragt.

Aufgestellt wurden mittlerweile große Wannen und Eimer, um zu verhindern, dass bei Regen das Wasser in die Decke der Türmerstube gelangt.
Aufgestellt wurden mittlerweile große Wannen und Eimer, um zu verhindern, dass bei Regen das Wasser in die Decke der Türmerstube gelangt. Foto: Hanns Friedrich

Unklar ist derzeit, wer die Kosten übernimmt. Bürgermeister Thomas Helbling und Michael Katzenberger von der Stadt Bad Königshofen zweifeln die Baulast an und verweisen auf die schwache finanzielle Situation der Stadt. Staub wiederum nennt Unterlagen, die bis ins Mittelalter zurückreichen, als der Turm als Wachturm genutzt und mit einem Stadttürmer besetzt war. "Das muss noch geklärt werden," sagen beide Parteien. 

Gitter am Schallfenster soll Gefahren vermeiden helfen

Aktiv wurde die Stadt bereits in den vergangenen Wochen bei der Glockensicherung. Ein Bausachverständiger war im vergangenen Jahr vor Ort und hatte festgestellt, dass die Glockenstuben frei zugänglich sind. Der Bauhof der Stadt Bad Königshofen hat deshalb nun eine Abtrennung im Bereich der Treppen vorgenommen. Ebenso wurden die Schallfenster durch ein zusätzliches starkes Gitter gesichert. Der Grund: Falls sich einmal der Klöppel einer Glocken lösen sollte, würde dieser die Holzverschalung durchschlagen, vom Turm fallen und könnte Schaden anrichten, eventuell gar Menschen in Gefahr bringen. Nun aber seien diese Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, so dass keine Gefahr mehr von den Glocken ausgehe, betont Katzenberger.

Selbst die Schallfenster sind mit einem starken Gitter versehen. Vorsorge dafür, dass vielleicht einmal sich ein Klöppel aus einer Glocke löst
Selbst die Schallfenster sind mit einem starken Gitter versehen. Vorsorge dafür, dass vielleicht einmal sich ein Klöppel aus einer Glocke löst Foto: Hanns Friedrich
Das jahrhundertealte Gebälk innerhalb der beiden Turmhauben der Stadtpfarrkirche zeigt, wo sich das Regenwasser, das von außen eindringt seinen Weg bahnt.
Das jahrhundertealte Gebälk innerhalb der beiden Turmhauben der Stadtpfarrkirche zeigt, wo sich das Regenwasser, das von außen eindringt seinen Weg bahnt. Foto: Hanns Friedrich
Seit einiger Zeit sind die Glocken der Stadtpfarrkirche hinter starken Gitterverschalungen. Der Grund war ein Gutachten, das die Gefahr sah, dass Besucher in die Glockenstuben gelangen und zu Schaden kommen.
Seit einiger Zeit sind die Glocken der Stadtpfarrkirche hinter starken Gitterverschalungen. Der Grund war ein Gutachten, das die Gefahr sah, dass Besucher in die Glockenstuben gelangen und zu Schaden kommen. Foto: Hanns Friedrich

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