Bad Neustadt

Wenige Priester – viele Prozessionen

Fronleichnam       -  Das Besondere an der Fronleichnamsprozession ist, dass die geweihte Hostie in einer Monstranz mitgeführt wird.
Foto: Felix Kästle/dpa | Das Besondere an der Fronleichnamsprozession ist, dass die geweihte Hostie in einer Monstranz mitgeführt wird.

So viele Prozessionen, so wenige Priester – und dennoch finden zu Fronleichnam im katholischen Dekanat Bad Neustadt fast überall Prozessionen statt.

Man muss sich nur zu helfen wissen: In manchen Gemeinden ist die Fronleichnamsprozession bereits am Mittwochabend nach der Vorabendmesse. Die weitaus meisten Prozessionen finden allerdings am Feiertag selbst statt. In Bad Neustadt beispielsweise gibt es eine gemeinsame Fronleichnamsprozession der drei Pfarreien Mariä Himmelfahrt, St. Konrad und Mühlbach.

Drei Gemeinden, eine Prozession

Die Gestaltung der Altäre übernehmen Vertreterinnen der drei Pfarrgemeinden, erklärt Hiltrud Christ, die für die Gesamtorganisation verantwortlich ist. Die Gestaltung der ersten Station an der Marienkapelle haben die Mühlbacher Frauen übernommen, den Altar am BRK-Altenheim werden Mitarbeiterinnen des BRK schmücken, der Blumenteppich am Haupteingang des Friedhofs wird von Frauen aus St. Konrad gelegt, während die Frauen von Mariä Himmelfahrt sich um den Altar am Marktplatz kümmern. Blumenspenden, besonders Rosen, um die das Pfarramt gebeten hatten, sind keine eingegangen, also müssen die Frauen an diesem Mittwoch schauen, was ihre Gärten anzubieten haben und in der freien Natur Blumen pflücken gehen. Und wenn die Bewohner der Innenstadt zur Prozession noch einige Fahnen aufhängen und Blumenvasen entlang der Straße aufstellen, dann wären gute Voraussetzungen für eine gelungene Prozession geschaffen, sagt die Organisatorin.

Kommode Situation

Die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Bad Königshofen ist personell so gut ausgestattet, dass am Donnerstag nach der Messe (9 Uhr) in der Stadtpfarrkirche eine eigene Fronleichnamsprozession stattfinden kann. „Wir sind noch drei Priester“, sagt Pfarrer Karl Feser. Er findet es wichtig, dass auch in kleinen Gemeinden eigenständige Prozessionen so lange wie möglich stattfinden. Denn so sei es der Bevölkerung möglich, Traditionen und Brauchtum zu pflegen.

In Mellrichstadt helfen alle mit

In Mellrichstadt gibt es in diesem Jahr erstmals eine gemeinsame Prozession für alle sechs Gemeinden der Pfarreiengemeinschaft Franziska Streitel, berichtet Pfarrer Thomas Menzel. Alle Gemeinden beteiligen sich aktiv an der Prozession und an den Vorbereitungen: Lektoren, Ministranten, Musiker aus den Blaskapellen, teilweise auch Fahnenabordnungen kommen aus allen Gemeinden.

Auch beim Schmücken der Altäre helfen alle mit. Oberstreu gestaltet den Altar am Marktplatz, Mittelstreu mit Frickenhausen den Altar an der Spitalkirche. Den Altar an der Kirche gestalten die Mellrichstädter Küster und den Altar in der Bauerngasse der Obst- und Gartenbauverein Mellrichstadt.

Es geht nicht mehr überall alles

Die Botschaft hinter dieser gemeinsamen Anstrengung ist laut Menzel: „Es ist keine Mellrichstädter Prozession, bei dem die anderen nur ein Anhängsel sind, sondern es soll eine gemeinsame Prozession sein.“

Hintergrund sei der große Umbruchprozess in der kirchlichen Landschaft: es gehe nicht mehr überall alles, aber alles gehe immer gemeinsam. Dies sei nicht nur eine Folge des Priestermangels, auch viele kleine Gemeinden täten sich zunehmend schwer, eine solche Prozession zu stemmen.

Pfarrer Menzel ist sich sicher, dass die Prozession, wenn das Wetter mitspielt, „ein eindrucksvolles und ermutigendes Zeichen dafür sein kann, dass das Zusammenwachsen der Gemeinden auf einem guten und offenen Weg ist“.

Fronleichnam

Fronleichnam, das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, erinnert und feiert die Einsetzung der Eucharistie beim letzten Abendmahl Jesu. Im Namen „Fronleichnam“ stecken drei mittelhochdeutsche Worte: „vrôn“ – göttlich, „lich“ – Körper, Leib und „hama“ – Hülle. So steht „vronlicham“ für die „göttliche Hülle des Leibes“.

Auslösend für die Entstehung des Festes in seiner heutigen Gestalt war eine Vision der Ordensfrau Juliana von Lüttich (+ 1258). Sie sah, so die Überlieferung, im Jahre 1209 ein Bild der Vollmondscheibe, bei der eine dunkle Stelle das Fehlen eines besonderen Festes im Kirchenjahr zu Ehren der Eucharistie anzeigte. 1247 ordnete der Bischof von Lüttich ein solches Fest für seine Diözese an, 1264 erhob es Papst Urban IV. zum Fest für die ganze Kirche. Der Theologe Thomas von Aquin (+ 1274) trug wesentlich zur Ausgestaltung des Festes bei.

Das Besondere an der Prozession ist, dass die geweihte Hostie mitgeführt wird. In ihr ist nach der Glaubenslehre der katholischen Kirche Jesus Christus ganz gegenwärtig. Mit der Mitführung der geweihten Hostie eng verbunden ist die Vorstellung, dass Christus seinen Segen auf diese Weise den Menschen unmittelbar zuwenden könne. Heute steht wieder mehr die Eucharistie selbst und vor allem ihre Feier im Mittelpunkt des Festes. Die Eucharistieverehrung ist damit wieder mit ihrer Feier verbunden, wie es auch mit der Bestimmung des Donnerstages als Festtag in Erinnerung an das Abschiedsmahl Jesu intendiert war. Es geht um die Erinnerung dessen, was in der Eucharistie selbst gefeiert wird. (pow)

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Rhön-Grabfeld und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Bad Neustadt
Martina Harasim
Eucharistie
Karl Feser
Thomas Menzel
Thomas von Aquin
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!