Bad Königshofen

Wenn die Filmkamera die Kirchenbesucher ersetzt

Eigentlich war es nur als eine einmalige Dokumentation gedacht, doch dann stand die Filmkamera jeden Sonn- und Feiertag in der Stadtpfarrkirche Bad Königshofen, einmal auch in Merkershausen oder bei der Maiandacht an der Urbanischanze in Bad Königshofen.
Eigentlich war es nur als eine einmalige Dokumentation gedacht, doch dann stand die Filmkamera jeden Sonn- und Feiertag in der Stadtpfarrkirche Bad Königshofen, einmal auch in Merkershausen oder bei der Maiandacht an der Urbanischanze in Bad Königshofen. Foto: Hanns Friedrich

Der 22. März 2020. Wer hätte sich das je vorstellen können: ein Sonntagsgottesdienst ohne Kirchenbesucher. Pfarrer Karl Feser, der zu fast leeren Kirchenbänken spricht, und Pfarrvikar Paul Mutume, der das Amt des Ministranten übernimmt. Auch die Predigt vor leeren Kirchenbänken ist durchaus eine Herausforderung für die beiden Geistlichen. Denn nur fünf Personen waren zu diesem Zeitpunkt zugelassen: der Mesner, Lektor, Mitglieder des Pfarrgemeinderates und Pastoralteams, sowie der Kameramann. Keine Orgel, kaum Gesang - eine fast gespenstische Szene.

Per Video im Internet abrufbar

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen, sagte Pfarrer Karl Feser damals. In der Corona-Pandemie durften Menschen kaum zusammenkommen, auch nicht in Gottesdiensten. Also feierte Feser den Gottesdienst für die gesamte Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke. Auf dem Altar standen für jeden Geistlichen der eigene Kelch und die eigene Hostienschale. Eine Kommunion für Anwesende gab es nicht. Nur eine „geistige“, wie Pfarrer Karl Feser sagte. Von diesem Tag an konnte der Gottesdienst über die Facebookseite der Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke per Video abgerufen werden. Die Predigten wurden auf der Internetseite der Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke zusätzlich veröffentlicht.

Eine Messe halten, zu predigen vor fast leeren Kirchenbänken, war auch für Pfarrer Karl Feser und Pfarrvikar Paul Mutume eine Herausforderung.
Eine Messe halten, zu predigen vor fast leeren Kirchenbänken, war auch für Pfarrer Karl Feser und Pfarrvikar Paul Mutume eine Herausforderung. Foto: Hanns Friedrich

Eigentlich war die Filmaufnahme des ersten Corona-Gottesdienstes nur als einmalige Dokumentation gedacht, eventuell noch zu besonderen Kirchenfesten. Als dieser erste Gottesdienst jedoch von mehr als 100 Interessierten im Internet angeklickt wurde und positive Rückmeldungen zu dieser Idee kamen, stand die Kamera ab da jeden Sonntag in der Stadtpfarrkirche.

Dass sich das lohnte, zeigten die zunehmenden Klicks auf die Internetseite der Pfarreiengemeinschaft Grabfeldbrücke, aber auch die steigenden Zahlen derjenigen, die den Gottesdienst über die Facebookseite der Pfarreiengemeinschaft abriefen. Die Zuschauerzahlen pendelten sich bei durchschnittlich 200 ein, an den Kar- und Ostertagen stiegen sie auf bis auf 300 an. Vor allem Pfarrvikar Paul Mutume hatte auf die Gottesdienste im Internet in seinem Bekanntenkreis aufmerksam gemacht. So gab es auch Zuschauer aus seiner Heimat Uganda, aber auch aus seinen früheren Wirkungsbereichen.

Klickzahlen steigen nach oben

Pfarrgemeinderäte erzählten von den Internet-Gottesdiensten. Prompt kamen Klicks aus dem weiteren Rhön-Grabfeld hinzu. Pfarrer Karl Feser ließ es sich nicht nehmen in einer Schale an den Altarstufen in der Osternacht ein kleines Feuer zu entfachen und daran die Osterkerzen zu entzünden. Ab Gründonnerstag hatte es wieder erste Orgelklänge gegeben, danach an jedem Sonntag. Das machte Mut, vor allem, als ab 10. Mai wieder mehr Gläubige in den Kirchen zugelassen waren.

Merkershausen machte den Anfang, an Christi Himmelfahrt folgte die Stadtpfarrei Bad Königshofen. An Fronleichnam entschieden Pfarrer Karl Feser und Pfarrvikar Paul Mutume, einen Gottesdienst in den Gemeinden anzubieten. Für Bad Königshofen gewann man Josef Treutlein. Der gebürtige Königshöfer feierte ein ungewöhnliches Fronleichnamsfest mit der Anbetung vor der im Tabernakel am Hochaltar ausgesetzten Monstranz. An solchen Festtagen schnellten die Zuschauerzahlen auf der Facebookseite nach oben. Selbst aus der Partnerstadt Arlington kamen Mitteilungen, dass man den Gottesdienst mitfeiere.

Drei Stunden Schneidearbeit

Aus einer geplanten Dokumentation zu Coronazeiten wurde eine feste Einrichtung. Der Autor konnte dabei seine Erfahrungen als Kameramann beim Bayerischen Fernsehen wieder auffrischen. Für ihn hieß es nach dem Gottesdienst, den Film am Schnittplatz einzuspielen, dann zu schneiden, mit Bildern aus der Stadtpfarrkirche zu unterlegen und ihn auf eine Länge von 45 bis 50 Minuten fertigzustellen. Drei Stunden später konnte der jeweilige Gottesdienst zu Hause abgerufen werden. Dabei stellte sich heraus, dass die meisten Zuschauer sich den Nachmittag, vor allem aber die Abendstunden auswählten. Besonders viele Klicks bekam aber auch eine kleine Maiandacht und zum ersten Mai ein Zusammenschnitt verschiedener Kirchenlieder zum Monat Mai, einst aufgenommen bei Konzerten der Harmonia und der Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen in der Wallfahrtskirche Ipthausen.

Evangelische Gottesdienste per Video

In der  evangelischen Kirche betätigte sich  Pfarrer Lutz Mertten als Kameramann, seine Frau Tina stand am Altar. Die Aufzeichnungen wurden immer professioneller, weil sich der Pfarrer in die Materie des Filmschnitts eingearbeitet hatte. Diese Gottesdienste  wurden nicht nur aus der evangelischen Kirche von Bad Königshofen übertragen, sondern auch aus Sulzdorf und Zimmerau. Pfarrer Lutz Mertten ließ sich aber auch besondere Gottesdienste einfallen, bei denen er die Konfirmandinnen und Konfirmanden einbezog oder auch einmal von seinem Schreibtisch aus berichtete.

Wie in der katholischen Kirche wurden diese Gottesdienste auf die Internetseite der evangelischen Kirchengemeinde gestellt. Sie hatten dort ebenfalls zahlreiche Zuschauer. Sowohl in der Stadtpfarrkirche als auch in der evangelischen Kirche werden diese Übertragungen noch einige Wochen stattfinden.

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