Junkershausen

Wie Rhöner Schnaps Berlin vor Coronaviren schützt

In der Brennerei von Georg Warmuth in Junkershausen wird der in Berlin dringend notwendige Alkohol für die Herstellung von Desinfektionsmitteln gebrannt. Georg Warmuth (links) zeigt ihn Professor Dr. Stefan Simon (rechts) und Bürgermeister Georg Menninger.
In der Brennerei von Georg Warmuth in Junkershausen wird der in Berlin dringend notwendige Alkohol für die Herstellung von Desinfektionsmitteln gebrannt. Georg Warmuth (links) zeigt ihn Professor Dr. Stefan Simon (rechts) und Bürgermeister Georg Menninger. Foto: Hanns Friedrich

Es war ein Zufall, dass Professor Stefan Simon vom Rathgen-Forschungslabor der Stiftung Preußischer Kulturbesitz auf Georg Warmuth und seine Schnapsbrennerei in Junkershausen aufmerksam wurde. Ursprünglich ist Simon ein Rhön-Grabfelder, war in den 1960er Jahren in Mellrichstadt zu Hause und hat fast alle seine Schulferien bei einer Familie in Hendungen verbracht.

Einst in Mellrichstadt zu Hause

Noch heute hat er über die Kleintierzüchter von Hendungen Kontakt mit Peter Götz in Wülfershausen. Ihm berichtete er in einem Gespräch, dass in den Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ein großer Bedarf an Desinfektionsmitteln besteht und sie diese in ihrem Forschungslabor herstellen. Allerdings gehe rund um Berlin der für die Herstellung notwendige "Weingeist" aus. Es war damals selbst für Krankenhäuser und Ärzte kaum möglich, an Desinfektionsmittel zu kommen.

Die Frage, ob Peter Götz in seinem Umfeld eventuell Brennereien kenne, konnte dieser mit dem Hinweis auf Georg Warmuth in Junkershausen sofort beantworten. "So kamen wir zusammen, denn ohne Junkershausen und Wülfershausen gäbe es in den Staatlichen Museen und Bibliotheken der Preußenstiftung heute kein Desinfektionsmittel mehr," berichtet der Professor mit einem Schmunzeln.

Jede Menge Kornschnaps gebrannt

Als Georg Warmuth von dem Anliegen aus Berlin erfuhr, half er natürlich gerne. 80 Prozentiger Kornschnaps wurde gebrannt und damit stand auch der "Weingeist", der "100-prozentige weiße Alkohol", wie Georg Warmuth ihn nennt, für das Forschungslabor zur Verfügung. 260 Liter hat er in den vergangenen Wochen für das Berliner Labor hergestellt, die Professor Stefan Simon in großen Kanistern in Junkershausen wöchentlich abholte.

Bevor Georg Warmuth aber den Auftrag aus Berlin annehmen konnte, galt es erst noch die Auflagen des zuständigen Hauptzollamtes zu erfüllen. Deshalb war ein Beamter vor Ort und hat sich die Brennerei in Junkershausen genau angeschaut. "Eigentlich wollte er mir den Auftrag ausreden, dann aber gab es doch die Zustimmung," erzählt Warmuth.

Glücklich und dankbar

"Ich bin glücklich und sehr dankbar, dass Georg Warmuth die Herstellung für den für uns dringend notwendigen Weingeist übernommen hat", fügt Professor Stefan Simon an und holt aus seinem Auto 30 und 50 Liter Kanister zum Befüllen. Diesmal ist auch Bürgermeister Georg Menninger gekommen, der sich freut, dass sich Dr. Stefan Simon an seine fränkischen Wurzeln erinnerte und so der Kontakt zustande kam. Wie wichtig der gewesen ist, sagt ihm Dr. Simon: "Wir hätten sonst ein Problem gehabt, das für die Wiedereröffnung der Berlin Museen und Bibliotheken notwendige Desinfektionsmittel herzustellen."

Einmal in der Woche kommt Professor Dr. Stefan Simon vom Forschungslabor der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (links) nach Junkershausen und holt sich hier den dringend benötigten Alkohol ab. 
Einmal in der Woche kommt Professor Dr. Stefan Simon vom Forschungslabor der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (links) nach Junkershausen und holt sich hier den dringend benötigten Alkohol ab.  Foto: Hanns Friedrich

Was geschieht mit dem Alkohol aus Junkershausen in Berlin? Hier wird zunächst der Alkoholgehalt noch einmal geprüft. Dann wird der Alkohol für Flächendesinfektionsmittel auf 80 Prozent verdünnt. Für Handdesinfektionsmittel wird noch Glycerin und Wasserstoffperoxid beigemischt. 

Erkrankung eines Mitarbeiters als Initialzündung

Normalerweise werden in dem Labor kunsttechnologische Untersuchungen an Kunstwerken gemacht, erklärt der Professor. Auf Grund der Corona-Pandemie stellte man dann auf die Produktion von Desinfektionsmittel und Masken um. Direkter Auslöser war der Fall eines an Covid 19 erkrankten Labormitarbeiters, weshalb die Hälfte der Belegschaft in Quarantäne geschickt werden musste.  "Wie alle anderen haben wir uns gefragt, ob es irgendwas gibt, das wir tun können, obwohl die normale Arbeit im Labor erst einmal ruht."

So hatte die Stiftung Preußischer Kulturbesitz Ende März  zunächst 1000 Handschuhe, Schutzanzüge und Schutzmasken produziert und an die Kassenärztliche Bundesvereinigung übergeben. Nachdem Desinfektionsmittel auf dem Markt kaum mehr erhältlich oder für medizinische Einrichtungen reserviert war, begann das Rathgen-Forschungslabor dann Anfang April auch mit der Produktion von Mitteln zur Flächendesinfektion.

Das Problem: Der notwendige Alkohol war kaum erhältlich. So kam der Kontakt zur fränkischen Heimat von Professor Stefan Simon zustande. "Damit können wir nun die Einrichtungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit Desinfektionsmittel versorgen."

Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Unter dem Dach der Stiftung sind fünf Einrichtungen vereint: die Staatlichen Museen zu Berlin, die Staatsbibliothek zu Berlin, das Geheime Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, das Ibero-Amerikanische Institut und das Staatliche Institut für Musikforschung. Mit rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist die Stiftung die größte Arbeitgeberin im Kulturbereich in Deutschland. Sitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und aller ihrer Einrichtungen ist Berlin. Sie wurde 1957 gegründet, um nach der Auflösung des preußischen Staates dessen Sammlungen als gesamtdeutsches Erbe zu erhalten. Seitdem entfaltet der preußische Kulturbesitz eine umfassende, über die Grenzen Deutschlands hinaus wirkende Anziehungskraft.
Quelle: hf

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