Bad Neustadt

Wie sich die Kultur nach Corona im Landkreis entwickeln könnte

Der Kulturbetrieb kommt nur langsam wieder auf die Beine. Die Museen haben geöffnet. Aber ob im Winterhalbjahr gesungen, musiziert und geschauspielert wird, weiß niemand.
Ein Künstler pro Gast? Wirtschaftlich lässt sich ein solches Konzept kaum darstellen. Aber in Corona-Zeiten muss die Kultur im Gespräch bleiben. Das tut sie im Landkreis zum Beispiel mit 1:1-Konzerten in Wechterswinkel.  
Ein Künstler pro Gast? Wirtschaftlich lässt sich ein solches Konzept kaum darstellen. Aber in Corona-Zeiten muss die Kultur im Gespräch bleiben. Das tut sie im Landkreis zum Beispiel mit 1:1-Konzerten in Wechterswinkel.   Foto: Lotte Dibbern

Die Chöre stimmen kein Lied an, die Kapellen lassen ihre Instrumente eingepackt, niemand steht auf einer Bühne, um das Publikum in eine andere Welt zu entrücken. Die Kultur ist einer der gesellschaftlichen Bereiche, der ganz stark unter den Corona-Einschränkungen zu leiden hatte und bis heute zu leiden hat, auch wenn zaghaft das kulturelle Leben wieder einsetzt hie und da.

Kreiskulturmanagerin Astrid Hedrich-Scherpf und ihre Kollegin Sophia Mohr gaben am Dienstagnachmittag dem Kreisausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Tourismus einen Einblick in die Misere und mögliche Wege aus der Krise. Hedrich-Scherpf stellte die schwierige wirtschaftliche Situation vieler Kulturschaffender dar und die Probleme, zum Beispiel an Unterstützungsgelder zu kommen. Sie wisse nur von einem Fall im Landkreis, wo ein Künstler eine solche Hilfe in Anspruch nehmen konnte.

Schnelle Reaktion auf Münchner Vorgaben

Wie in vielen anderen Bereichen auch galt es für die Kulturarbeit, schnell auf neue Vorgaben aus München zu reagieren. Schnell sei es gelungen, mit der Eröffnung der Museen Mitte Mai "die kulturelle Grundversorgung" wieder sicherzustellen. Das Fladunger Freilandmuseum, das Orgelbaumuseum in Ostheim, die Museen in der Schranne Bad Königshofen, das Kloster Wechterswinkel  und die Kreisgalerie in Mellrichstadt sind wieder geöffnet, auch das Bruder-Franz-Haus empfängt zusammen mit der Touristinfo auf dem Kreuzberg wieder Gäste.

"Problematisch sieht die Situation vor allem bei ehrenamtlich geführten Museen aus, da im Ehrenamt Tätige noch nicht arbeiten dürfen", erklärte Hedrich-Scherpf. Betroffen hiervon sind das Kirchenburgmuseum in Ostheim und das Museum Salzhaus in Mellrichstadt. Doch sind auch hier Lockerungen in Aussicht, wie Hedrich-Scherpf frisch aus der Pressekonferenz des Ministerpräsidenten ins Gremium mitbrachte.

Museen an Wochenenden wieder gut besucht

An den Feiertagen und Wochenenden seien die Häuser im Landkreis gut besucht, freilich haben sich die Zeitpläne der Ausstellungen verschoben. Museumspädagogische Vermittlungsangebote sind ausgesetzt, zumal auch Schulklassen ihre Termine absagen mussten. Auch Führungen finden momentan nicht statt, erläuterte die Kulturmanagerin. Immerhin. Zur aktuellen Schau in Wechterswinkel wird ein Videoclip gezeigt. Überhaupt regte SPD-Kreisrat René van Eckert an, vermehrt Bewegtbilder zum Beispiel über einen Youtube-Kanal zu veröffentlichen. Dort könnte man zum Beispiel auch mal eine Vernissage per Video übertragen, um die Teilnehmerbeschränkungen so auszugleichen.

"Der Landkreis hat einen Youtube-Kanal, doch der wurde noch nicht bestückt, das ist eine Folge der Corona-Einschränkungen", erklärte dazu Jörg Geier von der Kreisentwicklung. Man hoffe, im Sommer dieses wichtige Kommunikationsangebot ausbauen zu können.

Große Unsicherheit

Was die weitere Entwicklung betrifft, so herrsche "eine große Unsicherheit", so Astrid Hedrich-Scherpf vor dem Kreisausschuss. Planbar sei praktisch nichts. Das sah auch Freie-Wähler-Kreisrat Egon Sturm so, der die vielen kleinen Kulturträger vom Chor bis zur Laientheatergruppe oder dem Faschingsverein ansprach. Er selbst zeigte sich eher pessimistisch, was das Angebot im Winterhalbjahr betreffe. Auch Anne Zeisner von der CSU betonte die Bedeutung kleinerer Kulturträger wie Chöre, deren Mitglieder unter den Corona-Beschränkungen extrem leiden würden. SPD-Kreisrat Egon Friedel wiederum regte an, auf welche Weise zum Beispiel der Landkreis den Vereinen zur Seite stehen kann, die eine wichtige Ausbildungsarbeit, sei es sportlich oder musikalisch, leisteten.

"Konzert- und Kulturveranstalter stehen weiter vor großen Herausforderungen", so Sophia Mohr ergänzend. Wirtschaftlich erfolgreich lassen sich Konzerte bei den bestehenden Reglungen kaum durchführen. Der Landkreis setze auch auf die Organisation des "Kulturstammtisch", der als digitales offenes Treffen gedacht ist.

"Wir müssen uns alle warm anziehen wegen der Krise. Aber es kann nicht sein, dass der ohnehin nicht üppig ausgestattete Kultursektor auf ein Drittel seiner Gelder verzichten soll", warnte Hedrich-Scherpf. Die Kultur sei immerhin der drittstärkste Wirtschaftszweig in Deutschland, so ihre Aussage. Vielmehr forderte die Kulturmanagerin einen Kulturentwicklungsplan. Der könnte darlegen, wie sich der Landkreis kulturpolitisch in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren aufstellen will.

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