Unsleben

Windpark Streu & Saale: "Nicht der rentabelste Standort"

Keine 'Gelddruckmaschine' stellt der Windpark Streu & Saale dar, aber in der bisherigen Laufzeit von knapp 1000 Tagen wurden nach Angaben des Betreibers schon 130 Millionen Kilowattstunden Strom gewonnen und dadurch 86 000 Tonnen CO2 eingespart.
Keine "Gelddruckmaschine" stellt der Windpark Streu & Saale dar, aber in der bisherigen Laufzeit von knapp 1000 Tagen wurden nach Angaben des Betreibers schon 130 Millionen Kilowattstunden Strom gewonnen und dadurch 86 000 Tonnen CO2 eingespart. Foto: Eckhard Heise

Es sind fast 1000 Tage, dass der Windpark Streu & Saale am Netz ist. An den Anblick der "Spargel" hat man sich gewöhnt, für den Betreiber verlief die Zeit jedoch nicht ganz unbeschwert, denn zwei Gerichtsverfahren hingen noch wie ein Damoklesschwert über den Anlagen. Seit vergangener Woche herrscht aber Rechtssicherheit, so dass nun der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft eine Bilanz ziehen konnte, die nicht euphorisch aber auch nicht ernüchternd ausfällt.

Die zehn Windräder oberhalb des Streutals haben ohnehin eine recht wechselvolle Geschichte hinter sich. Erst die Aufgabe von Agrokraft und der Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Genossenschaft, dem ursprünglichen Initiator des Projekts, schließlich die Pleite des Nachfolgers, des norddeutschen Investors und Windanlagenbauers Senvion, und dann im Herbst 2019 die Übernahme durch die mittelfränkische Gesellschaft "Wust – Wind & Sonne", die in ganz Bayern inzwischen rund 50 Bürgeranlagen realisiert hat. Geschäftsführer Erich Wust schaut nun jedoch optimistisch in die Zukunft.

Solide wirtschaftliche Bilanz

Die größte Erleichterung verschaffte ihm die geplante Änderung der Bayerischen Bauordnung in Bezug auf eine Ausnahmeregelung für die 10-H-Regel. Diese Gesetzesänderung bedeute zu seinem Unverständnis das Aus für den nur wenige Kilometer entfernt geplanten zweiten Windpark. Für ihn garantiere die Gesetzesinitiative von CSU und Freie Wähler jedoch den Bestandsschutz der schon in Betrieb befindlichen Stromerzeuger, die zwar keine "Gelddruckmaschine" darstellen, aber eine solide wirtschaftliche und vor allem ökologische Bilanz aufweisen, wie Wust beteuert.

Seit Inbetriebnahme im September 2017 seien durch die Stromproduktion von 130 Millionen Kilowattstunden per Windenergie etwa 86 000 Tonnen CO2 eingespart worden, rechnet Wust vor. Die mittlere Windgeschwindigkeit liege in Nabenhöhe bei 4,7 Meter pro Sekunde, was in etwa der Prognose entspreche. Damit liege die Ausbeute des Windparks genau im Durchschnitt vergleichbarer Regionen. Überproportional hoch sei das Frühjahr 2020 verlaufen.

Nicht der rentabelste Standort

Wirtschaftlich stehe der Windpark nicht auf dem rentabelsten Standort. Bei einer Vergütung von acht Cent die Kilowattstunde wird gewöhnlich kalkuliert, dass in den ersten zehn Jahren der Kapitaldienst erfüllt werde. Rentabel werden die Windräder erst in der zweiten Hälfte der Laufzeit. Außerdem müssen Pachten an rund 300 Grundstückseigentümer gezahlt werden, außerdem die Kosten für einen Wartungsvertrag mit der Firma Siemens. Unter Umständen können die Gemeinden Unsleben und Oberstreu – auf deren Gemarkung der Windpark steht – vielleicht aber schon in diesem Jahr mit Einnahmen von bis zu 30 000 Euro aus der fälligen Gewerbesteuer rechnen.

Behauptungen vor allem von Windkraftgegnern, dass die "Räder immer stehen", selbst wenn der Wind geht, stellt Wust in Abrede. Insgesamt lag die Zeit des Stillstands bei etwa fünf Prozent. Vier Ursachen gebe es, wenn sich die Räder nicht drehen: wegen Windstille, wegen einer Störung, auf Grund von Auflagen zum Schutz von Fledermäusen und Greifvögeln, oder wegen Abschaltung durch den Netzbetreiber, weil zu viel Strom im Netz ist - "wenn der Stromverbrauch sinkt, etwa sonntags, werden nicht die mit fossilen Energieträgern betriebenen Kraftwerke abgeschaltet, sondern die Windräder".

Zwangsabschaltung wegen Stromüberproduktion

Die Zwangsabschaltung wegen Stromüberproduktion gehe aber nicht zu Lasten der Anlagenbetreiber, die erhalten weiterhin eine Vergütung und zwar in der Höhe, wie ihnen zustehe, wenn die Anlagen gelaufen wären. "Volkswirtschaftlich ist das unsinnig, denn der Betrag wird auf den allgemeinen Strompreis umgelegt." Diese erzwungenen Abschaltungen liegen allerdings auch nur bei ein bis zwei Prozent der möglichen Laufzeit.

Ansonsten habe es keine besonderen Vorfälle gegeben. Die Akzeptanz sei - wohl durch die gute Aufklärungsarbeit der Agrokraft während der Planungsphase - in der Bevölkerung sehr hoch. "Das ist längst nicht überall der Fall." Aus diesem Grund werde auch die Möglichkeit zum Erwerb von Anteilen überlegt. Aber erst will die Gesellschaft Erfahrungen sammeln, damit das Angebot auf soliden verlässlichen Zahlen beruht.

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