Herschfeld

Wohnkomplex Herschfeld: Stadtrat vertagt Entscheidung

Auch mit der abgespeckten Version eines Wohngebiets nahe dem Campus kann sich der Stadtrat nicht einvernehmlich anfreunden. Stattdessen stellen sich Grundsatzfragen. 
Stolpersteine gibt es einige für einen geplanten Wohnkomplex in Herschfeld nahe der Von-Gutenberg-Straße. Eine Entscheidung über die jüngste Entwurfsplanung wurde am Mittwochabend im Stadtrat vertagt.
Foto: Archiv Stefan Kritzer | Stolpersteine gibt es einige für einen geplanten Wohnkomplex in Herschfeld nahe der Von-Gutenberg-Straße. Eine Entscheidung über die jüngste Entwurfsplanung wurde am Mittwochabend im Stadtrat vertagt.

An einem möglichen Wohngebiet in Herschfeld nördlich der "Von-Guttenberg-Straße" scheiden sich im Bad Neustädter Stadtrat weiterhin die Geister. Über eine modifizierte Entwurfsplanung für das Gebiet, das nun vier Wohnblocks mit jetzt maximal 84 Wohneinheiten vorsieht, wollte das Gremium nach ausführlicher Diskussion nicht entscheiden. Der Tagesordnungspunkt wurde vertagt.   

Das geplante Bebauungsgebiet sorgt seit gut einem Jahr für teils hitzige Diskussionen. Es kam auch zu einem Bürgentscheid über das Vorhaben, in dem sich die Gegner eines solchen Wohngebietes jedoch nicht durchsetzen konnten. 

Statt 145 jetzt 84 Wohneinheiten

Die Planungen wurden seitdem weiter vorangetrieben. Die 2019 erstmals vorgestellte Variante war noch von 145 Wohneinheiten ausgegangen. Am Mittwochabend stellte Stadtplanerin Claudia Roschlau vom Büro Baur Consult die überarbeitete Planung vor. Demnach sind vier Wohnkomplexe geplant, die eine maximale Geschossfläche von sechs Stockwerken nicht überschreiten dürfen. Das oberste Stockwerk muss jeweils zwischen 70 Zentimetern und bis zu drei Metern eingerückt errichtet werden. Vorgeschrieben sind Flachdächer mit Begrünung.       

Ein Teil der überplanten Fläche ist als Grünfläche ausgewiesen. Für die überbauten Flächen selbst sind Ausgleichsflächen in der Größe von 7800 Quadratmetern auf Hollstädter Gemarkung vorgesehen, wie Roschlau erläuterte. Die Wohnblocks sind ausgerichtet für 24, 20, 25 und 15 Wohneinheiten und verteilen sich auf der Hangfläche. Eine breitere Zufahrt ist für die Tiefgaragen-Stellplätze vorgesehen, bestehende Bewirtschaftungs- oder Fußwege sollen den Plänen zufolge erhalten bleiben. 

Grünflächen und Spielplatz

Für die Wohngebäude und die Tiefgarage gibt es feste Baugrenzen, weitere Flächen sind für Versorgungseinrichtungen und eben die genannten Grünflächen vorgesehen. Auch eine Spielplatzfläche ist ausgezeichnet in den Entwurfsplänen. Auch Maßnahmen zum Immissionsschutz stellte Stadtplanerin Roschlau vor.  

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Auf die Vorstellung der Entwurfsplanung reagierte FDP-Stadtrat Hartmut Schmutz mit einigen Kritikpunkten. Er führt weiterhin die Initiative gegen das Baugebiet an. Er monierte, dass der Faktor für die Geschossflächenzahl von 1,2 auf 1,4 erhöht worden sei. "Das ergibt 1200 Quadratmeter zusätzliche Fläche", kritisierte er. Auch bei der Berechnung der Kapazitäten für die Entwässerung sah er Probleme. Gemäß den Unterlagen gehe man bei dem Baugebiet von einem fünfjährigen Regenereignis aus. "Hier habe ich große Bedenken wegen der Hanglage", so Schmutz. Vielerorts werde mit 20-jährigen oder gar 100-jährigen Regenereignissen kalkuliert, dies forderte Schmutz auch hier.        

Gebäudehöhen über normal Null

Architekt Martin Eckert und Bürgermeister Michael Werner gingen in der Sitzung davon aus, dass wie beispielsweise in Hohenroth mit einem 100-jährigen Ereignis kalkuliert wurde, man wolle die Unterlagen noch einmal prüfen. 

Unzufrieden war Schmutz auch mit der Beschreibung der Gebäudehöhen vom Meeresspiegel aus, was entsprechend Werte zwischen circa 318 und 327 Metern ü. N. Null ergibt. Schmutz bestand auf eine Höhennennung vom Baugrund aus, bekam schließlich vom Architekten Eckert eine maximale Gebäudehöhe von circa 18 Metern genannt.    

Innenentwicklung oder Außenentwicklung

Josef Rieken begrüßte für die CSU-Fraktion das Vorhaben. "Hier entstehen Wohnungen, die gebraucht werden", so der Stadtrat. Die kompakte Bauweise sei vorbildlich für flächenschonendes Bauen. Jürgen Pröscholdt von der SPD-Fraktion fand den Wohnkomplex "in dieser Massivität extrem", er wünschte sich die Nutzung von Ressourcen im Innenbereich. Der Slogan Innenentwicklung vor Außenentwicklung werde ja auch von der CSU unterstützt.

Bürgermeister Michael Werner befürwortete die Planungen, der Investor sei den Kritikern um einiges entgegengekommen. Alexander Barthelmes von der CSU wiederum meinte, man solle die Frage über ausreichenden Wohnraum in Bad Neustadt dem Markt überlassen. Möglicherweise entspanne sich durch ein solches Projekt auch die Lage auf dem Wohnungsmarkt und es entstehe mehr bezahlbarer Wohnraum. 

Arrondierung oder Trabantensiedlung

Für die Neuschter Liste ergriff Johannes Benkert das Wort. "Es gibt viele Widersprüche und Ungenauigkeiten im Entwurf", kritisierte er. Es habe zwischen den Planern und den Kritikern keinen hinreichenden Dialog gegeben. Statt von einer Arrondierung des Herschfelder Wohngebieters müsse vielmehr von einer Trabantensiedlung gesprochen werden. Das Projekt könnte zu noch mehr Pendlerverkehr führen. 

Auch Viola Neugebauer von den Freien Wählern reihte sich in die Kritikerschar ein. "Wir stehen dem Ganzen eher kritisch gegenüber. Ein solches Wohngebiet ist problematisch, es macht eine mögliche spätere Expansion des Rhön-Campus hier unmöglich", so Neugebauer. Ins gleiche Horn stieß ihre Kollegin Gudrun Hellmuth, die einerseits den Flächenverbrauch, andererseits die verhinderte Entwicklungsmöglichkeit für den Campus ansprach.  

Grundsätzliche Linie zur Baupolitik

Bürgermeister Michael Werner antwortete auf die Kritik, dann müsse der Stadtrat zu seiner Baupolitik eine grundsätzliche Linie finden. "Unter diesen Umständen ist eine Entscheidung sehr schwierig", fasste CSU-Fraktionssprecher Bastian Steinbach die Diskussion zusammen. Es sei sinnvoll, das Thema noch einmal zu vertagen. Für ihn sei alles transparent dargestellt worden. Der Austausch in der Fraktionssprecher-Sitzung zur Vorbereitung der Entscheidung sei aber nicht optimal gelaufen. Vielleicht helfe ein neuerlicher Fragenkatalog an die Planer, um Unklarheiten zu klären.  "Ohne ein gewisses Grundvertrauen in die Arbeit der Verwaltung geht es auch nicht", ergänzte er. "Wir haben in den letzten Monaten relativ viel blockiert, aber wenig vorangebracht", bilanzierte der CSU-Mann. 

Bei sechs Gegenstimmen wurde am Ende beschlossen, eine Entscheidung über die Entwurfsplanungen zu vertagen.

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