Bad Neustadt

Wort zum Wochenende: Die Lichter zeigen den Weg aus der Dunkelheit

Wort zum Wochenende: Die Lichter zeigen den Weg aus der Dunkelheit
Foto: Ralf Mausolf

Liebe Leserin, lieber Leser,

November – mit allem, was dazu gehört: Nebel, dunkel, nasskalt, Totengedenktage … und neu oder immer noch und wieder: Corona. Ich glaube, keiner kann es so richtig gut mehr hören. Vielleicht ging es Ihnen auch schon wie mir. Am liebsten, so dachte ich, ziehe ich morgens die Bettdecke über den Kopf, mache Winterschlaf und wache im Frühjahr wieder auf, wenn alles neu zum Leben erwacht und gut ist. Eine Bekannte nahm mir bei dieser Schilderung jegliche Illusion, sie sagte: „Und dann ist doch wieder alles beim Alten.“

Ja, schon. Aber … „Schlaf doch mal drüber!“, heißt eine Weisheit. Und: Schlafen und Träumen tun gut und helfen, geben Kraft und manchmal neue Einsichten. Viele Geschichten der Bibel wissen davon zu berichten. Eine ist die von dem Propheten Elia (1. Könige 19,1-16), der nach einer Auseinandersetzung mit König Ahab am Ende ist, nicht mehr gegen alle und alles in seinem Umfeld ankämpfen will, deshalb in die Wüste läuft, sich erschöpft unter einem Wacholderstrauch niederlegt und Gott bittet, seinem Leben und Leiden doch ein Ende zu setzen.

Aber Gott schickt ihm einen Engel, der ein Auge auf ihn hat, während dieser schläft, ihm zu essen gibt und ihn schließlich auffordert: „Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ Der Weg führt Elia zu Gott auf den Berg Horeb. Dort stellt ihn Gott zur Rede: „Was tust du hier?“ Und die Antwort, die Elia gibt, spricht von seiner Verzweiflung und Leere: „Ich bin ganz allein und alle sind gegen mich. Ich kann nicht mehr.“

Daraufhin fordert Gott Elia auf, sich ihm zu stellen. Es folgen Erdbeben, Sturmwind und Feuer. Doch in keinem großen Spektakel ist Gott zu finden. Im leisen, wispernden Säuseln nähert er sich und Elia erkennt: der Herr spricht zu mir, ganz leise und sanft. Gott ist da! So, wie er es versprochen hat. Einfach da: im Gebirge, in der Wüste, in der Leere und Erschöpfung, auf der Flucht vor den Menschen und der überfordernden Situation, auf dem Weg zurück ins Leben.

„Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.“ – Auch Du unter der Bettdecke, im Novembernebel, in der Dunkelheit, in der Trauer und Erschöpfung! Die Lichter des Advents, die bald wieder erleuchten, zeigen schon den Weg. Den Weg neu zu dem leisen und sanften Gott, der von sich selbst sagt: „Ich bin immer da. Ich begleite Dich und sorge für Dich.“ Ich wünsche Ihnen, dass Sie das spüren können bei allem, was um Sie herum ist, bei allem, was Sie bedrückt oder ängstigt.

Marion Ziegler,
Pfarrerin der Klinikseelsorge am Rhön-Klinikum Campus in Bad Neustadt und im Schuldienst

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