Bad Neustadt

Zustand der Wirtschaft in Rhön-Grabfeld "ist mies"

Wirtschaftliche Folgen durch die Corona-Pandemie im Kreisausschuss vorgestellt. Mehr Arbeitslose und eine hohe Zahl an Kurzarbeitern. Auftragsstornierungen auch bei Handwerksbetrieben.
Die Corona-Pandemie hat auch die verschiedenen Firmen in Rhön und Grabfeld getroffen.  Nach Jahren des Wachstums rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag für das gesamte Jahr mit einem Rückgang um mindestens 15 Prozent.
Die Corona-Pandemie hat auch die verschiedenen Firmen in Rhön und Grabfeld getroffen. Nach Jahren des Wachstums rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag für das gesamte Jahr mit einem Rückgang um mindestens 15 Prozent. Foto: Hanns Friedrich

Das Wörtchen "mies" beschreibe den aktuellen Zustand der Wirtschaft allgemein, aber auch in Rhön-Grabfeld. Das sagte Dr. Jörg Geier, Leiter der Stabstelle am Landratsamt, vor dem Ausschuss für Wirtschaft, Verkehr, Kultur und Tourismus. Konkrete Zahlen seien aktuell jedoch nicht verfügbar. Sagen könne man allerdings, dass es bei den Wirtschaftsunternehmen im Landkreis bislang keine fatalen Meldungen gebe. Angesprochen hat er die Arbeitslosenquote, die bei 3,4 Prozent liegt, vor einem Jahr lag sie bei 2,8 Prozent. Dies bedeute, dass aufgrund einer vorliegenden Statistik 1522 Personen ohne Arbeit sind. Im Mai 2019 lag die Zahl bei 1071. Die Grundsicherungsstatistik des Jobcenters werde mit mindestens drei Monaten Verzögerung veröffentlicht und weise daher noch keine Auffälligkeiten auf.

Von März bis einschließlich Mai 2020 meldeten 852 Rhön-Grabfelder Betriebe Kurzarbeit an. Dies wirkte sich auf insgesamt 12 954 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus. Dazu zähle auch die Kreismusikschule, die für zwei Wochen Kurzarbeit angemeldet hatte. Betriebe bis einschließlich 249 Mitarbeitern konnten Corona-Soforthilfe beantragen, um die liquiden Mittel zu erhöhen. Für die Zeit danach habe der Bund bereits eine Überbrückungshilfe als Nachfolgeprogramm angekündigt. Dieses soll vor allem den kleinen und mittleren Unternehmen bis zu 249 Beschäftigten unter die Arme greifen.

Rückgang um mindestens 15 Prozent erwartet

Aussagekräftige Werte zu Veränderungen bei der Gewerbesteuer, die einen konjunkturellen Einblick bieten würden, seien in diesem Jahr nicht mehr zu erwarten. Zur Stimmung der Wirtschaft sagte der Leiter der Stabstelle, dass diese global betrachtet nach wie vor pessimistisch sei. Nach Jahren des Wachstums rechne der Deutsche Industrie- und Handelskammertag für das gesamte Jahr mit einem Rückgang um mindestens 15 Prozent. Diese Prognose decke sich mit den Erwartungen der Deutschen Industrie (BDI), die ein Minus von 15 Prozent bei der Ausfuhr von Waren und Dienstleistungen einkalkuliere.

Bundesweit seien die deutschen Exporte im April 2020 so stark zurückgegangenen wie noch nie seit Beginn der Außenhandelsstatistik im Jahr 1950. Die Industriebetriebe in Rhön-Grabfeld dürften entsprechend betroffen sein. In diesem Zusammenhang ging Jörg Geier auf die hohe Qualität deutscher Produkte in der Wirtschaft ein. Dies werde seiner Meinung nach künftig sicher auf noch mehr Anerkennung stoßen. In Rhön-Grabfeld hätten viele Betriebe die Zeit genutzt, um ihre Produkte zu verbessern oder weiter zu entwickeln. Insgesamt gesehen seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie tiefgreifend und beeinträchtigen die Wirtschaft deutlich. Da statistisch relevante Kennzahlen häufig erst mit einem zeitlichen Versatz seitens der übergeordneten Behörden publiziert werden, könne das gesamte Ausmaß der Folgen auf die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt aktuell noch nicht bemessen werden. Somit ergeben sich derzeit nur punktuell Einblicke in die Ist-Situation der heimischen Wirtschaft.

Zahlreiche Betriebe mussten schließen

Die aus dem Lockdown resultierende Schließung vieler Betriebe, so Gaststätten, Hotels, Friseure oder auch Fachgeschäfte, prägte das erste Halbjahr und sorgte damit für konjunkturelle Einbrüche. Obgleich das Handwerk in vielen Bereichen grundsätzlich weiterarbeiten durfte, sorgte die konjunkturell bedingte Unsicherheit in vielen Fällen für Auftragsstornierungen oder für die Vertagung von geplanten Bauvorhaben. In diesem Zusammenhang verwies Landrat Thomas Habermann auf Selbsthilfemaßnahmen und dabei auf die Hilfen aus dem Landratsamt in Corona-Zeiten. Vier Mitarbeiter seien dafür abgestellt worden, die sehr gute Arbeit leisteten. Genannt hat er ein Unternehmen in Waldberg, das selbstlos dem Landratsamt eine Software zur Verfügung gestellt hatte, die sehr hilfreich war.

Erwähnt hat er die Ladengeschäfte und Kleinunternehmen, die es nun zu unterstützen gelte. Darauf ziele die Aktion "Einkaufen im Geschäft" ab. Die Bitte des Landrats ging an die Bevölkerung, dies auch anzunehmen und damit die Geschäfte in der Region Rhön-Grabfeld zu stärken. Kreisrat René van Eckert wollte wissen, ob der Landkreis bereits aus den für Corona im Haushalt zur Verfügung gestellten Mitteln helfen konnte. Bislang sei das noch nicht geschehen, entgegnete der Landrat, man werde es sinnvoll dort einsetzen, wo es notwendig ist. Egon Friedel sprach die Vereine und Verbände an, die außer den Mitgliedsbeiträgen keine Einnahmen hätten. Hier sollte der Landkreis überlegen, wie er helfend eingreifen kann. "Eine gute Idee, die wir auch in den Fraktionen besprechen sollten", pflichtete ihm Landrat Thomas Habermann bei.

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