Bad Neustadt

Zwei Rhöner Familien, zwei unterschiedliche Weihnachtsfeste

Weihnachten gestaltet sich heuer aufgrund der Corona-Pandemie etwas anders als gewohnt. Wie unterschiedlich Familien aus Rhön-Grabfeld die Feiertage verbringen.
Die Maske wird heuer vielleicht auch an Weihnachten auf der Tafel einiger Familien liegen. Wie verleben die Rhöner in Zeiten von Corona die Feiertage?
Foto: dpa/Richard Brocken | Die Maske wird heuer vielleicht auch an Weihnachten auf der Tafel einiger Familien liegen. Wie verleben die Rhöner in Zeiten von Corona die Feiertage?

Freunde und vor allem die Familie treffen, das ist in der Weihnachtszeit gang und gäbe. Und auch wenn die "liebe Familie" manchmal anstrengend sein kann, besuchen sich die meisten über die Feiertage gerne. Doch dieses Jahr erschwert Corona die Weihnachtstradition. Wie verbringen also Familien aus der Rhön heuer ihr Weihnachtsfest?

Kein Familienbesuch aus Norwegen

Das Ehepaar Margit und Albert Holzheimer aus Schmalwasser steht an Weihnachten vor einer besonderen Herausforderung. Ihre beiden erwachsenen Töchter leben in Berlin und Oslo (Norwegen). "Eigentlich war geplant, dass die beiden dieses Jahr zu uns kommen", sagt Margit Holzheimer. Dann wären sie an Heiligabend zu acht gewesen. Die Tochter aus Norwegen wäre mit ihrem Mann und den zwei Kindern angereist und die andere Tochter aus Berlin mit ihrem Freund. Doch dann haben sie einen Anruf aus Norwegen erhalten, dass die Familie aufgrund der verschärften Vorschriften nicht kommen könne. Denn auf sie würde nach der Rückreise eine zehntägige Quarantäne warten. "Das ist mit Schule und Arbeit nicht vereinbar", sagt Margit Holzheimer.  

"Wir hoffen einfach, dass wir trotzdem schöne Weihnachten verleben und alle gesund in das neue Jahr gehen."
Margit Holzheimer

Zunächst habe die Tochter vorgeschlagen, dass die Eltern ja nach Norwegen kommen könnten. "Allerdings müssten wir dafür einen negativen Coronatest vorweisen und in einem Quarantäne-Hotel übernachten, das 50 Euro pro Nacht kostet", erklärt Margit Holzheimer. Deswegen habe man beschlossen, dieses Jahr daheim zu bleiben. Darüber hinaus gehören Margit und Albert Holzheimer der Risikogruppe an und müssen auch sich selbst schützen.

"Eva, unsere jüngere Tochter aus Berlin, kommt aber trotzdem mit ihrem Freund zu uns", berichtet Margit. Die Wahlberlinerin mache sich jedoch häufig Sorgen, wenn sie zu Besuch sei. Sie achte dann immer besonders auf regelmäßiges Lüften und sei mit näherem Kontakt sehr vorsichtig. Vor dem letzten Besuch hat sie sich sogar testen lassen. "Wir hoffen einfach, dass wir trotzdem schöne Weihnachten verleben und alle gesund in das neue Jahr gehen", sagt Margit Holzheimer.

Margit und Albert Holzheimer aus Schmalwasser werden Weihnachten dieses Jahr im kleinen Kreise verbringen. Ihre in Norwegen lebende Tochter wird nicht zu Besuch kommen.
Foto: Maria Faiß | Margit und Albert Holzheimer aus Schmalwasser werden Weihnachten dieses Jahr im kleinen Kreise verbringen. Ihre in Norwegen lebende Tochter wird nicht zu Besuch kommen.

Weihnachtsfest per Tablet

Den Familienbesuch in Norwegen möchten die beiden aber sobald wie möglich nachholen. "Sehen werden wir sie trotzdem alle", sagt Albert Holzheimer. Auch schon in den vergangenen Jahren habe die Familie die Möglichkeit der Videoanrufe regelmäßig genutzt. So wurde mit den Enkeln gespielt, musiziert und sich unterhalten. Auch an Weihnachten käme ihnen diese digitale Möglichkeit zu Gute. "Wir können dann doch gemeinschaftlich die Geschenke auspacken und virtuell etwas Zeit miteinander verbringen", freut sich Albert Holzheimer. Er sei froh, dass es diese Möglichkeit mittlerweile gibt.

"Das riecht fürchterlich."
Albert Holzheimer über das  traditionelle norwegische Weihnachtsessen Pinnekjøtt

Das traditionelle norwegische Weihnachtsessen Pinnekjøtt (gepökelte Lammrippe) werde er im Gegensatz zu seiner Tochter und Enkel aber nicht vermissen. "Das riecht fürchterlich", scherzt Albert Holzheimer.  Auch die Vorweihnachtszeit sei natürlich anders als in den Jahren zuvor. Freunde treffe man nur selten, Weihnachtsmärkte fallen aus und Weihnachtsessen in Gaststätten sind nicht möglich. "Das ist sowohl für die Gastronomen als auch für uns sehr schade. Man vermisst einfach den Kontakt zu anderen", so Albert Holzheimer. Dennoch würden er und seine Frau das Beste aus der Weihnachtszeit machen und hoffen, dass sich die Situation bald entspannt.

"Froh, wenn Weihnachten ist"

Melanie Bambach aus Ostheim und ihre Familie gehen die Feiertage gemütlich an. "Ich bin erstmal total froh, wenn Weihnachten ist und wir alle daheim haben", so die Familienmutter. Mit "alle" meint sie allerdings nicht etwa die Großfamilie. Heiligabend will sie im kleinen Kreis mit ihrem Mann Björn und den zwei Kindern Alina und Noah verbringen.

"Wenn alle gesund sind, kommt am ersten Weihnachtsfeiertag meine Großmutter zu uns", sagt Bambach. Im Laufe der Weihnachtsfeiertage werde sie versuchen, auch den anderen Großeltern einen Besuch abzustatten – allerdings nicht ohne ein mulmiges Gefühl. "Man macht sich natürlich auch immer Gedanken, weil sie mit ihrem Alter der Risikogruppe angehören", erklärt sie. Die Gesundheit der eigenen Familie möchte sie natürlich nicht gefährden. Immerhin müsste sie nicht weit fahren, um die Großeltern zu sehen, die gesamte Familie wohnt in der näheren Umgebung. "Wäre das nicht der Fall, würden wir sie dieses Jahr wohl nicht sehen", so Bambach.

Mit Blick auf das bevorstehende Weihnachtsfest sind die Bambachs sehr vorsichtig. Sie hätten ihre Kontakte auf ein Minimum reduziert, sagen sie: "Die Kinder dürfen sich zum Beispiel außerhalb der Schule nur mit einem festen Freund treffen".

Melanie Bambach aus Ostheim versucht mit Dekoration Weihnachtsstimmung zu verbreiten.
Foto: Melanie Bambach | Melanie Bambach aus Ostheim versucht mit Dekoration Weihnachtsstimmung zu verbreiten.

Weihnachtsstimmung auch mit Einschränkungen

Um trotz der Einschränkungen ein wenig Weihnachtsstimmung zu verbreiten, habe sie recht früh mit der Weihnachtsdeko begonnen. "Da sind wir dieses Jahr voll dabei." Beim Plätzchenbacken gelte jedoch das Gegenteil. Bisher habe sie eine Sorte gebacken und es seien noch zwei weitere angedacht, aber das es dann auch gewesen. Heuer lohne sich die große Weihnachtsbäckerei nicht wirklich, so Bambach.

Und auch wenn es heuer keinen Weihnachtsmarkt gibt, habe sich Ostheim weihnachtliche Aktionen einfallen lassen, berichtet sie. Der Nikolaus sei dieses Jahr zum Beispiel in den Garten gekommen und es gäbe einen Foodtruck im Ort, der weihnachtliche Cocktails anbiete. "Es ist schön, dass so wenigstens etwas der vorweihnachtlichen Aktionen bleibt", sagt Bambach. Sie hoffe, dass diese Angebote auch angenommen werden. Denn für die Gastronomie werde die Zeit bis Weihnachten wohl hart. Deswegen werde die Familie an den Feiertagen auch Essen bestellen, um die lokalen Wirtschaften zu unterstützen.

"Für mich ist die Hauptsache, dass ich zusammen mit meinem Mann und den Kindern bin."
Melanie Bambach

Dass die Weihnachtsferien früher begonnen haben hält Bambach für sinnvoll. "Je früher alle daheim sind, umso geringer ist das Risiko, dass jemand noch erkrankt", sagt sie. Für berufstätige Eltern sei dies aber wohl eine Herausforderung. Sie selber habe das Glück, dass sie sich Urlaub nehmen konnte, um ihre Kinder zu betreuen. Das könne jedoch nicht jeder. "Aber egal wie das Weihnachtsfest ablaufen wird. Für mich ist die Hauptsache, dass ich zusammen mit meinem Mann und den Kindern bin", sagt sie.

So unterschiedlich diese beiden Weihnachtsfeste auch sein mögen, eins haben sie gemeinsam: Den Wunsch nach besinnlichen und gemeinsamen Feiertagen, auch in Zeiten von Corona.

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