Schweinfurt

100 Jahre Bauverein: Gut, sicher und sozial wohnen

Zum Jubiläum gab es eine Urkunde von der Industrie- und Handelskammer, die Vize-Präsident Dieter Pfister (Bildmitte) an die Vorstandsmitglieder Klaus Krug (links), Birgit Umhöfer, den Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas End und Vorstandsmitglied Günter Schmidt überreichte.
Foto: Gerd Landgraf | Zum Jubiläum gab es eine Urkunde von der Industrie- und Handelskammer, die Vize-Präsident Dieter Pfister (Bildmitte) an die Vorstandsmitglieder Klaus Krug (links), Birgit Umhöfer, den Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas ...

Die Mischung sorgte für Kurzweil. Knapp zwei Stunden dauerte die Show beim Festakt „100 Jahre Bauverein Schweinfurt“. Die vier Frauen von Femmes Fatales aus Köln entführten in die Glamourwelt der 20er-Jahre. Vier kurze Filme zeigten, was der Bauverein war und was er ist. Moderator Sven Schröter ließ in Gesprächsrunden mit wechselnder Besetzung Zeitzeugen, Branchenvertreter, Politiker, Vorstände und den Aufsichtsratsvorsitzenden Thomas End zu Wort kommen. Die „Festrede“ hielt Karnevalist Peter Kuhn.

200 Gäste

Unter den 200 Gästen in der Ausbildungshalle der Bauinnung an der Galgenleite waren neben ehemaligen und aktuellen Stadträten Vertreter der Stadtverwaltung sowie der Regierung von Unterfranken und – namentlich begrüßt – die ehemaligen Oberbürgermeister Gudrun Grieser sowie Kurt Petzold, die Bundestagsabgeordnete Anja Weisgerber, Staatssekretär Gerhard Eck, die Landtagsabgeordnete Kathi Petersen, die Schweinfurter Bürgermeister Sorya Lippert und Karl-Heinz Kauczok und die stellvertretende Landrätin Christine Bender.

Nachdem Thomas End auf ein ereignisreiches Jahr verwiesen hatte, eröffnete dieser den den „großartigen Höhepunkt“ des Jubiläumsjahres der Genossenschaft (3000 Mitglieder, 1800 Wohnungen), die Hilfe zur Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung biete und damit für die Zukunft bestens aufgestellt sei.

Als Besonderheiten des Bauvereins rief End die Spareinrichtung (nur 47 in Deutschland) und den mit 21 Handwerkern „schlagkräftig“ besetzten Regiebetrieb der Genossenschaft in Erinnerung.

Kritik an zu vielen Vorschriften

Vorstandsmitglied Klaus Krug warb mit günstigem Wohnraum und zeitlich unbegrenztem Wohnen für die genossenschaftliche Idee, die zu einer langfristigen Bewirtschaftung verpflichte und nicht hinter Modetrends hinterherlaufen lasse. Die Politik forderte Krug auf, bei den Vorschriften Maß zu halten und stets daran zu denken, dass Wohnraum bezahlbar bleiben müsse.

Per Film wurde über die Gründung und den Auftrag informiert, Wohnungen für die arbeitende Bevölkerung zu schaffen. Dies sei von Anfang an in der Gartenstadt gelungen, wo der Arbeiter tausendmal besser als in der Innenstadt untergekommen sei, so Kurt Petzold. Den Stadtteil habe der Bauverein geprägt, resümierte anschließend der frühere Baureferent der Stadt, Jochen Müller.

Beständiger Jubilar

Gudrun Grieser und Sorya Lippert bestätigten dem Jubilar Beständigkeit – in der Vergangenheit und in der Zukunft. Xaver Kroner, Direktor und geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Verbandes bayerischer Wohnungsunternehmen (460 Mitglieder, davon 350 Genossenschaften), stufte die Genossenschaften als erfolgreiches Instrument zur Bekämpfung der Wohnraumnot ein. Vor der Politik wünscht sich Kroner Starthilfen, insbesondere in der Gründungsphase. Geliefert bekomme diese dafür passgenaue Lösungen für die Städte und Regionen.

Kroner brachte die 300 000 Flüchtlinge zur Sprache, die Mitte der 1990er-Jahre nach Deutschland kamen. 1994 seien mit 600 Millionen Mark 14 000 Sozialwohnungen entstanden. 2016 hätten 600 Millionen Euro nur noch für 3500 Wohnungen gereicht, was nicht zuletzt auf die Anzahl der von 5000 auf 20 000 angewachsenen Vorschriften zurückgehe. Von der Politik forderte Kroner auch ein klares Ja zur Nachverdichtung in den in den 1950er und 1960er-Jahren locker bebauten neuen Stadtteilen.

Zeitzeugen

Als Zeitzeugen (darunter Edmund Wels und Edith Ungemach) an das zerstörte Schweinfurt nach dem Zweiten Weltkrieg erinnert hatten, das statt 13 000 und nur noch 6000 Wohnungen hatte, geizte Peter Kuhn in seinem Vortrag nicht mit Sticheleien, wenn er feststellte, dass in Ermangelung prominenterer Ehrengäste Weisgerber, Petersen und Eck „erfüllen diesen Zweck“, oder dass man sich beim Bauverein trotz vieler Meinungen im End-Effekt einige.

Dank von Kurt Petzold

Kurt Petzold dankte dem Bauverein für dessen Engagement im Stadtteil Deutschhof, den die Genossenschaft vor allem im Zentrum „wegweisend und mutig“ geprägt habe. Auf erste für Rollstuhlfahrer geeignete Wohnungen am Deutschhof verwies Kurt Cize, ehe Moderator Sven Schröter zurück zu den Wurzeln in der Gartenstadt führte, – auch zu den Wurzeln von Kohl und Sellerie, die in den Selbstversorgergärten des Stadtteils wuchsen, der sich Charme und Gemeinschaft erhalten habe.

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