Schweinfurt

125 Jahre Sachs (Teil 9): Elektrifizierung bedeutet Umbruch

ZF erlebt eine der größten Transformationen in der Unternehmensgeschichte. Der Standort Schweinfurt ist stark davon betroffen.
Mit der Formula E engagiert sich ZF im Automobilsport der Zukunft.
Foto: ZF | Mit der Formula E engagiert sich ZF im Automobilsport der Zukunft.

125 Jahre Sachs, das ist auch eine Geschichte der Umbrüche. Die Fahrradkomponenten haben lange Zeit eine dominierende Rolle gespielt, die Motorisierung setzte jedoch schon in den 1920er-Jahren ein. Ende dieses Jahrzehnts trennte sich Ernst Sachs von der Produktion von Kugellagern. Der Zweite Weltkrieg machte den Sachs in Teilen zum Rüstungsbetrieb, brachte aber auch die weitgehende Zerstörung der Fabriken. In den 70er-Jahren sollte Sachs zur "Erfinder AG" mutieren, das Produktportfolio sollte diversifiziert werden, später wurden Unternehmensteile verkauft. Die Besitzer trennten sich schließlich von ihren Aktien. Das Unternehmen wurde Teil von Mannesmann, später von Atecs, schließlich von ZF.

Im Jubiläumsjahr, das wegen der Corona-Pandemie zunächst nicht gefeiert werden kann, bewegt sich Sachs – der Name steht nach der Verschmelzung mit ZF nur noch für die Marke – mitten in einem Transformationsprozess. Dem Verbrennungsmotor wird das Sterbeglöcklein geläutet, die Elektrifizierung greift rasend um sich. Mit dem Artikel über diese Transformation endet die Serie "125 Jahre Sachs".

Hans-Jürgen Schneider leitet seit fünf Jahren den ZF-Standort Schweinfurt und ist für die Zukunft optimistisch.
Foto: Anand Anders | Hans-Jürgen Schneider leitet seit fünf Jahren den ZF-Standort Schweinfurt und ist für die Zukunft optimistisch.

Hans-Jürgen Schneider, der seit fünf Jahren den Standort Schweinfurt leitet und zum Jahresende in den Ruhestand geht, weiß, dass dieser Wandel bei den Mitarbeitern auch Ängste auslöst. Mitte des Jahres hat ZF die Divisionen Pkw-Antrieb und E-Mobilität zusammengeführt. Schnell wurde spekuliert, dass Schweinfurt seinen Status als Divisionsstandort (E-Mobilität) verlieren könnte. Das konnte bei den Betriebsversammlungen Ende September ausgeräumt werden. Es wird keinen einheitlichen Sitz der neuen Division geben. Dafür mehrere Kompetenzzentren. "Die Verantwortung für die elektrischen Antriebe bleibt hier", sagt Schneider. Saarbrücken werde für die Getriebetechnologie zuständig sein.

Der Plug-in-Hybrid ist für ZF eine Lösung des Übergangs zum reinen elektrischen Antrieb.
Foto: Anand Anders | Der Plug-in-Hybrid ist für ZF eine Lösung des Übergangs zum reinen elektrischen Antrieb.

Als das E-Mobility-Center vor zwei Jahren in Schweinfurt in Betrieb ging, hieß es schon, es sei schon zu klein. Die angemieteten Räume in der Johann-Georg-Gademann-Straße wurden behalten. Durch die Pandemie habe ZF sehr viel über mobiles Arbeiten gelernt, erklärt Schneider. Die Anwesenheitsquote der Mitarbeiter habe abgenommen. Dies werde auch künftig so bleiben. Soll heißen: Das Homeoffice gibt es weiter. "Wir werden die leeren Arbeitsplätze nutzen, nicht bauen, Geld sparen."

ZF setzt für eine Übergangszeit auf den Hybridantrieb

Entschieden ist, dass ZF künftig keine Komponenten mehr produzieren wird, die ausschließlich für den Verbrennungsmotor geeignet sind. Konzernchef Wolf-Henning Scheider setzt für eine Übergangszeit auf das Doppelherz, den Hybridantrieb. Damit wird die überaus erfolgreiche Produktion von Wandlern, in der rund 3500 Mitarbeiter beschäftigt sind, weiter wichtig für den Standort sein. Tendenziell wird deren Anteil jedoch langfristig abnehmen. Schneider ist jedoch überzeugt, dass dafür der Bereich elektrische Antriebe auch personell wächst. "Mitarbeiter können wechseln, mit dem Betriebsrat sind entsprechende Vereinbarungen getroffen worden."  So sei es auch gelungen, die Verlagerung der Stoßdämpferproduktion nach Osteuropa personell weitgehend aufzufangen.

Zur aktuellen Situation: Im Frühjahr hat Konzernchef Scheider den Abbau von bis zu 15 000 Stellen, davon 7500 in Deutschland, angekündigt. Es besteht jedoch eine Beschäftigungssicherung bis ins Jahr 2022.

Wegen Corona hat es Kurzarbeit gegeben, die für September und Oktober ausgesetzt wurde. "Wir sind gut beschäftigt", sagt Schneider. Bis zum Jahresende sei der Standort ausgelastet. Es wird wieder im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet, für Oktober wurden zusätzliche Schichten geplant. "Wir versuchen, so viel wie möglich zu flexibilisieren, wir haben aus der Krise 2009 viel gelernt."

Mitte des Jahres hat der Konzern angekündigt, die Investitionen um 20 Prozent zurückzufahren. Das geschieht aber nicht nach dem Gießkannenprinzip. "Die Standorte stehen im Wettbewerb, was zählt, ist die Technologie", macht Schneider klar. Im nächsten Jahr geht eine neue Linie für den Plug-in-Hybrid an den Start. Durch den Umbau älterer Anlagen sei es gelungen, 30 bis 40 Prozent an Investitionssumme einzusparen.

Trotz wachsender E-Mobilität: Der Umsatz liegt unter Plan

In einer Vereinbarung zwischen Management und Betriebsrat ist geregelt worden, dass konzernweit die Arbeitszeit um bis zu 20 Prozent reduziert werden kann. Das wird an den einzelnen Standorten, eventuell auch für einzelne Bereiche entschieden, sagt Schneider. Was den Umsatz betrifft, sei man auch in Schweinfurt ähnlich wie der Konzern deutlich unter Plan, wenngleich die E-Mobilität wachse.

Beim Sachs gibt es weiterhin 132 Azubis und 45 duale Studenten. Bei den Studenten konnten heuer nicht alle Stellen besetzt werden. Bei den Auszubildenden ist die Zahl der Bewerber von früher 1200 auf 600 zurückgegangen. Dabei sei es wegen der gestiegenen Anforderungen nicht leicht, geeignete Bewerber zu finden. "Wir können nicht jeden nehmen."

Langfristig werde die Zahl der Beschäftigten schrumpfen, sagt Schneider. "Es dürfte aber sicher sein, dass Schweinfurt einer der wichtigsten Standorte im Konzern bleibt."

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