SCHWEINFURT

175 Teilnehmer beim Benefiz-Hochhauslauf

Trotz Faschings und schlechten Wetters: Der erste Schweinfurter Hochhauslauf war eine gelungene Veranstaltung. Auch Herr Nein, der im 24. Stock des „Blauen Hochhauses“ in der Harald-Hamberg-Straße wohnt, hatte „Ja“ gesagt. So war die Bahn frei für die über 175 Teilnehmer.
Fingerzeig nach großer Anstrengung: Promi-Läufer Carsten Eich vor dem „Blauen Hochhaus“.
Fingerzeig nach großer Anstrengung: Promi-Läufer Carsten Eich vor dem „Blauen Hochhaus“.

„Offiziell“, so Carmen Herrchen vom Hausbeirat des 122 Wohnungen und rund 250 Bewohner beherbergenden Baus, „gab es keinen Widerspruch.“ Im Gegenteil: Bewohner unterstützten den „Top-of-Schweinfurt“-Lauf aktiv. In Form von Spenden und mit einem Stand vor dem Haupteingang, an dem Tee und Süßigkeiten gereicht wurden zum Nulltarif.

Auch deswegen geriet die Premiere, die von Eselshöhe-Bewohner Peter Warmuth angeregt worden war, zu einer runden Sache. Wobei Organisator Marcus Schmidt vom Ausrichter TG 48 keineswegs überrascht worden war von der Idee eines Hochhauslaufes. „So was hatte ich schon länger im Kopf, ich habe nur auf die passende Gelegenheit gewartet.“

Letztendlich 175, teilweise auch faschingsmäßig gekleidete Teilnehmer kamen ins Ziel. Und auch noch ein paar ohne Startnummern. Wie beispielsweise jene Feuerwehrleute aus Kolitzheim und Werneck, die mit voller Atemschutz-Ausrüstung den letzten, über kraftraubende 500 Treppenstufen und 150 Höhenmeter führenden Abschnitt der insgesamt 1,5 Kilometer langen Strecke bewältigten. „Es ging“, kommentierte Norbert Pfaff, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Kolitzheim, lapidar das Geleistete, wobei 100 der 300 Bar Druck in den Sauerstoffflaschen aufgebraucht wurden. „Wir hatten also noch 50 Bar Luft nach oben, die andere Hälfte der 300 Bar müsste beim Ernstfall für den Rückweg einkalkuliert werden.“

Dass letztlich nicht die erwarteten 250 bis 300 Teilnehmer kamen, lag einerseits am „Scheißwetter“ (Hausbeirat Erich Wittmann). Und anderseits am Faschingstreiben. „Das haben wir etwas unterschätzt“, gab Orga-Chef Schmidt zu, sprach aber im Nachhinein trotzdem von einer „Topveranstaltung“.

Top war die Veranstaltung sicherlich schon des Erlöses wegen, der wohl nicht mehr dem schwer erkrankten Tobias Weigand, wohl aber der Deutschen Knochenmark-Spenderdatei (DKMS) zugute kommt. Tobias selbst geht es für eine Knochenmarktransplantation bereits zu schlecht (wir berichteten).

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Hochhauslauf

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Der Erlös belief sich nach Laufende schon auf über 6000 Euro, so Schmidt, und dürfte bis zur Scheckübergabe noch größer ausfallen, da der Veranstalter weitere Gelder erhofft und erwartet. Anteil am stolzen Betrag hatte auch die Versteigerung eines Fußball-Bundesliga-Trikots des FC-Bayern-Bezwingers 1. FC Köln, auf dem sich Spieler und Trainer des rheinischen Klubs verewigt hatten.

Obwohl der rein sportliche Aspekt nicht im Vordergrund stand, wurde die von der Turngemeinde durch den Wildpark bis auf die Spitze des 73 Meter hohen Gebäudes führende Strecke trotzdem mit einigem Ehrgeiz angegangen. Prominentester Teilnehmer war Carsten Eich aus Fürth. Eich hat eine Bilderbuch-Karriere hinter sich: unter anderem war er 15-facher deutscher Meister auf Strecken über 10 000 Meter bis hin zum Marathon und zweifacher Starter bei Olympischen Spielen. Sein 1993 aufgestellter Europa-Rekord im Halbmarathon mit 60:34 Minuten hat bis heute als deutscher Rekord Bestand.

Zu Silvester 2007 hat Eich nach 20 Jahren Leistungssport seine Laufbahn beendet. Der 39-Jährige arbeitet als Bankangestellter. Eich war durch seine aus Schweinfurt stammende Freundin Kirstin Hock zum Mitmachen animiert worden und von Ausdauerspezialist Markus Unsleber (TV/DJK Hammelburg), der aber verletzungsbedingt passen musste.

Sieger wurde der 17-jährige Dominik Karl (TV Ochsenfurt, 6:18 Minuten) vor Jürgen Zeißner (TG 48, 6:30) und Jochen Weisenseel (RWV Haselbach). Johannes Hartl (Herold-Hautechnik, 6:38) und Eich passierten nach jeweils 6:40 Minuten die Zeitmesser. Zum Vergleich: Der Langsamste kam erst nach 22:12 Minuten ins Ziel. Die weibliche Konkurrenz gewann Sibylle Böhm (TV Ochsenfurt, 8:27 Minuten) vor Andrea Röß (TG 48, 8:33) und Elke Beierlieb (SG Veitenstein, 8:47). Den Team-Wettkampf entschied die SG Veitenstein (38:46) für sich vor dem „1. FC Köln“ (38:53) und dem TV Ochsenfurt (39:12).

„Ich bin als Flachstecken-Spezialist im Treppchenhaus relativ schnell an meine Grenzen gekommen, aber es ging trotzdem ganz gut“, berichtete Eich später. Und Sieger Karl, der letztes Jahr über 1500 Meter in 4:09 Minuten bayerischer Meister geworden war, ließ wissen: „Es war schon ziemlich anstrengend, ich habe es mir aber härter vorgestellt.“

Online-Tipp

Alle Ergebnisse im Internet unter www.lauftreff-schweinfurt.de

Kleine Läufer groß in Fahrt bei der Schweinfurter Hochhauslauf-Premiere. Die lockte 175 Teilnehmer auf die von der Turngemeinde durch den Wildpark zum Hochhaus führende Strecke.
Kleine Läufer groß in Fahrt bei der Schweinfurter Hochhauslauf-Premiere. Die lockte 175 Teilnehmer auf die von der Turngemeinde durch den Wildpark zum Hochhaus führende Strecke. Foto: Fotos Waltraud Fuchs-Mauder
Hilfreicher Griff zum Geländer auf der Fluchttreppe des 73 Meter hohen Gebäudes.
Hilfreicher Griff zum Geländer auf der Fluchttreppe des 73 Meter hohen Gebäudes.

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