UNTERSPIESHEIM

200 Demonstranten gegen vier „Rechte“

200 Demonstranten gegen vier „Rechte“
Die Unterspiesheimer kehrten: Nach dem Abzug der Rechten kehrten sie den Platz, auf dem sich der Info-Stand befand. Den „braunen Dreck“ warf man in Mülltonnen. Foto: Norbert Finster
Erneut auf eine Wand der Ablehnung stieß die Kleinstpartei „Die Rechte“ bei ihrem zweiten Versuch, einen Info-Stand an der Hauptstraße in Unterspiesheim aufzubauen. Gerade mal vier Rechtsextreme waren am Donnerstag angetreten.

Viele der am Ende rund 200 Demonstranten aus dem Ort und der Umgebung glaubten schon, die Rechten würden es auch diesmal nur bei der Ankündigung ihres Info-Standes belassen.

Angemeldet war der Stand nämlich von 13 bis 15 Uhr. Erst gegen 13.50 fuhr aber der Wagen mit Nürnberger Kennzeichen und den vier Aktivisten vor. Und um 14.53 Uhr bauten sie ihren einfachen Klapptisch wieder ab. Die Neonazis nutzten also nur gut die Hälfte der Zeit, für die der Stand vom Landratsamt Schweinfurt genehmigt war.

Auf die eigentlich erwarteten Lautsprecherdurchsagen verzichteten die Rechten ebenfalls. Zwei von ihnen besetzten den Stand, an dem nur wenig Info-Material zu sehen war. Die beiden anderen gingen unter Polizeiaufsicht durch den Ort und warfen Propagandamaterial in die Briefkästen.

Als das Auto des braunen Quartetts wieder abfuhr, stürmten die Unterspiesheimer den Platz mit Mülltonnen, auf denen antifaschistische Parolen standen. Sie kehrten den Platz und warfen den „braunen Dreck“ in die Tonnen.

Die Polizei, diesmal vorwiegend Beamte der Inspektion Gerolzhofen unter Einsatzleitung von stellvertretendem Inspektionsleiter Jochen Belz, griff nur einmal ein. Sie war informiert worden, dass junge Leute in Unterspiesheim Aufkleber anbringen. Genau das Gegenteil war der Fall.

Drei Mitglieder einer antifaschistischen Studentengruppe aus Würzburg, die lautstark, aber friedlich auftrat und von den Unterspiesheimern teilweise beklatscht wurde, kratzte rechte Aufkleber ab. Das ist natürlich nichts Verbotenes.

Den Stand besuchten übrigens ganze zwei Leute, einer von ihnen ein Mitglied der Studentengruppe.
Warum die Neonazis ausgerechnet Unterspiesheim als Ort für ihren Info-Stand ausgewählt hatten, konnte niemand so recht deuten.

Gerd Völk, Sprecher des Stammheimer Widerstandsbündnisses, mutmaßt: „Vielleicht weil Unterspiesheim genau in der Mitte zwischen Schweinfurt und Gerolzhofen liegt, den beiden Städten, die Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge haben. Vielleicht wollten sie auch nur mal testen, wie die Bevölkerung auf dem Land auf sie reagiert.“ Völk räumt ein, dass das allerdings nur seine private Spekulation sei.

Der Versammlungsleiter, Zweiter Bürgermeister Martin Mack, rief am Ende die Unterspiesheimer dazu auf, die Post der Rechten im Altpapier zu sammeln, dann hätte sie doch noch einen guten Zweck.
Zu der Veranstaltung waren Menschen aller Altersstufen gekommen. Auf die Frage, ob sie nur aus Neugier oder echter Ablehnung gekommen seien, bekundeten fast alle ihre Abneigung gegen Rechts. „Geht nach Nürnberg auf euer Reichsparteitagsgelände“, rief ein Demonstrant.


„Wir akzeptieren die Rechten nicht mit ihrer Fremdenfeindlichkeit“, hatte Mack zu Beginn der Veranstaltung gesagt. Mack wollte auch den Vergleich mit der Flüchtlingssituation von 1945 nicht gelten lassen. „Ostpreußen war damals weiter weg als das entfernteste Land heute. Wir sind, ohne es wahrzunehmen, zu einer großen Weltgemeinschaft geworden.“

„Einmal Braun reicht, wir haben etwas gelernt“, sagte der evangelische Pfarrer Georg Salzbrenner unter großem Beifall. Christen stehen für Demokratie und Nächstenliebe. Das bedeute nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss.

Für ein Verbot der Partei

In seiner offiziellen Rede sprach sich Gerd Völk, Sprecher des Widerstandsbündnisses, klar für ein Verbot der Partei „Die Rechte“ aus: „Diese Partei will wieder den Nationalsozialismus in Deutschland einführen.“ Das sollte der Staat nicht unterstützen und mit einem Verbot Aufbau und Finanzierung der Partei unterbinden.
Bürgermeister Horst Herbert zeigte sich stolz, dass trotz ungünstiger Tageszeit so viele Menschen in die Unterspiesheimer Ortsmitte gekommen waren. Für die Bewirtung der Demonstranten sorgte der Unterspiesheimer Seniorenkreis, der die Spenden für Kaffee und Kuchen der Flüchtlingshilfe spenden will.

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