Schweinfurt

2017 erste Ansiedelungen in den Conn Barracks

Landrat Florian Töpper: 'Wer sich zurücklehnt, fällt zurück.'
Foto: Anand Anders | Landrat Florian Töpper: "Wer sich zurücklehnt, fällt zurück."

Im Westen Frankfurt, im Osten der Raum Nürnberg-Fürth-Erlangen. Dazwischen will sich der Wirtschaftsstandort Schweinfurt behaupten. Der Landkreis Schweinfurt glänzt mit positiven Zahlen vor allem bei der Arbeitslosigkeit und dem Schuldenstand. Im Interview erläutert Landrat Florian Töpper (SPD), was der Kreis tut, um seine Bilanz zu verbessern, und warum Schweinfurt seinen eigenen, regionalen Weg geht.

Frage: Herr Töpper, Sie könnten sich eigentlich ruhig zurücklehnen: Studien bescheinigen den Bewohnern des Landkreises einen hohen Wohlstand, die Arbeitslosigkeit ist extrem niedrig, der kommunale Schuldenstand auch. Aus welchen Gründen betreibt der Landkreis dennoch aktive Wirtschaftsförderung?

Florian Töpper: Die Entwicklung ist tatsächlich sehr erfreulich, insbesondere bei den Arbeitsplätzen und der Anzahl der Bürger, die einer Beschäftigung nachgehen. Eine aktuelle Befragung der Unternehmen im Landkreis zeigt auch, dass unsere Betriebe wichtige Standortfaktoren wie die Lebensqualität in der Region, die Preise für Gewerbeimmobilien oder die Kundennähe sehr positiv bewerten. Dennoch, zurücklehnen ist für uns definitiv keine Handlungsoption. Wer sich zurücklehnt, fällt zurück.

Wo ist die Wirtschaftsförderung aktiv?

Töpper: Die Wirtschaftsförderung unseres Landkreises hat sehr vielfältige Aufgaben: Es geht zum einen darum, nach außen unseren Landkreis als Wirtschaftsstandort sowie die in den Gemeinden vorhandenen Gewerbeflächen zu vermarkten. Zum anderen müssen Hemmnisse, die einer positiven Entwicklung entgegenstehen, angegangen und die bereits ansässigen Unternehmen von der Wirtschaftsförderung unterstützt werden. Hier geht es nicht nur um die Gewinnung von Fachkräften, sondern auch darum, beispielsweise bei geplanten Erweiterungen alle relevanten Akteure und Behörden an einen Tisch zu bekommen, damit solche Vorhaben schnell und erfolgreich umgesetzt werden können. In all diesen Handlungsfeldern ist unsere Wirtschaftsförderung aktiv und wird auch weiterhin benötigt, damit sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzen kann.


In welchen Bereichen hakt es denn besonders?

Töpper: Bei meinen Gesprächen mit Unternehmern kommen wir immer wieder auf die Gewinnung von Fach- und Nachwuchskräften zu sprechen. Auch unsere Unternehmensbefragung unterstreicht diese Problematik. Hier plant die Wirtschaftsförderung, im nächsten Jahr unseren Unternehmen beispielsweise mit einer Praktikumsbörse eine ganz konkrete Hilfestellung zu bieten. So sollen die Schülerinnen und Schüler einen Überblick über die Praktikumsangebote im Landkreis Schweinfurt erhalten und auch das Ausbildungsangebot unserer Betriebe kennenlernen.

Der Landkreis und die Gemeinden Geldersheim und Niederwerrn setzen große Hoffnung in die wirtschaftliche Nutzung der ehemaligen Conn-Kaserne. Wie ist der Stand der Planung, wann kann man mit ersten Ansiedlungen rechnen?

Töpper: Für den Motorpool, den Teilbereich der Conn Barracks nördlich der B 303, stehen konkrete Verhandlungen kurz vor dem Abschluss. Erste Ansiedelungen erwarten wir im nächsten Jahr. Die Flächennutzungsplanung als Grundlage für die weitere Entwicklung steht daneben in den Gemeinden Geldersheim und Niederwerrn auf der Tagesordnung. Der Zweckverband Conn Barracks, dem neben den beiden Gemeinden und dem Landkreis auch die Stadt Schweinfurt angehört, bereitet eine Machbarkeitsstudie für die Nachnutzung vor.

Wir erwarten auch noch eine Aussage des Freistaates Bayern, in welchem Umfang der nördliche Bereich der Conn Barracks für die Unterbringung von Flüchtlingen künftig benötigt wird. Das Staatliche Bauamt Schweinfurt arbeitet daneben an der Ausschreibung einer orientierenden Altlastenuntersuchung, die Erkenntnisse zur tatsächlichen Belastung der mittlerweile bekannten Verdachtsfälle bringen wird.

Bei welchen Themen können Stadt und Landkreis Schweinfurt noch enger zusammenarbeiten, um den Wirtschaftsstandort zu stärken?

Töpper: Stadt und Landkreis Schweinfurt profitieren voneinander, dies ist bei den Verantwortlichen in Stadt und Landkreis unstrittig und zeigt sich auch in der konkreten Zusammenarbeit. Die Conn Barracks haben nicht nur für die beiden Gemeinden eine hohe Bedeutung, auch die Stadt Schweinfurt sieht hier Potenzial für ihre ansässigen Betriebe – trotz der überwiegenden Verortung im Landkreis Schweinfurt. Die Erweiterung des Verkehrsverbundes Mainfranken ist ein Anliegen, das wir gemeinsam voranbringen wollen. Handwerk und Industrie in der Region haben deutlich gemacht, dass sie sich eine solche Verzahnung des öffentlichen Personennahverkehrs wünschen.

Auch die Wirtschaftsförderer von Stadt und Landkreis arbeiten enger zusammen als noch vor Jahren. Ende Januar 2017 werden wir erstmalig den Gründerpreis Schweinfurt vergeben, den Stadt und Landkreis Schweinfurt gemeinsam ausgelobt haben.

Der Nachbarlandkreis Haßberge hat sich der Metropolregion Nürnberg angeschlossen und profitiert nach eigener Einschätzung davon. Der Kreis Schweinfurt stand einem solchen Schritt immer kritisch gegenüber. Warum eigentlich?

Töpper: Die Metropolregion Nürnberg erstreckt sich von Ansbach über Neustadt an der Waldnaab bis nach Hof und Sonneberg. Aus Sicht des Landkreises Schweinfurt ist die Zugehörigkeit des Landkreises Schweinfurt zu dieser großen Metropolregion nach außen schwierig darstellbar. Die Entfernung zwischen Nürnberg und Schweinfurt stellt sich auch bei der konkreten Zusammenarbeit in Projekten oder Veranstaltungen als zu groß dar. Wir sehen unsere regionale Identität in der Region Mainfranken GmbH besser vertreten und engagieren uns deswegen ausschließlich in dieser Regionalgesellschaft. Die Positionierung Mainfrankens zwischen den Metropolregionen Frankfurt und Nürnberg ist gelungen. In den nächsten Jahren wird vor allem die Digitalisierung von Dienstleistungen und Produktion unsere Unternehmen und Firmen stark fordern.

Für die hierbei wichtigen Kooperationen von Hochschulen und Wirtschaft sind in Mainfranken ebenfalls alle wichtigen Akteure vorhanden.

Nichts mehr verpassen: Abonnieren Sie den Newsletter für die Region Schweinfurt und erhalten Sie zweimal in der Woche die wichtigsten Nachrichten aus Ihrer Region per E-Mail.
Themen & Autoren
Schweinfurt
Josef Schäfer
Arbeitslosigkeit
Der Kreis GmbH & Co KG
Fachkräftemangel
Florian Töpper
Region Mainfranken
SPD
Schuldenstand
Stadt Schweinfurt
Wirtschaft Schweinfurt
Wirtschaftsförderung
Wirtschaftsstandorte
Lädt

Damit Sie Schlagwörter zu "Meine Themen" hinzufügen können, müssen Sie sich anmelden.

Anmelden

Das folgende Schlagwort zu „Meine Themen“ hinzufügen:

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits.

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
Kommentare (0)
Aktuellste Älteste Top

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!