HAIN

25 Jahre Dorn-Bau: Vom Showgeschäft in die Baubranche

Uwe Dorn hat 1,2 Millionen Euro in eine Maschine zur Herstellung von Großraumelementen investiert.
Uwe Dorn hat 1,2 Millionen Euro in eine Maschine zur Herstellung von Großraumelementen investiert. Foto: Karl-Heinz Körblein

Der Vater war Maurer. Die Familie mit den drei Kindern lebte in Riedenberg in der Rhön und da durfte der kleine Uwe schon mal mit auf die Baustelle und helfen. „Gummistiefel hatte ich früher als Fußballschuhe“, erinnert er sich. Als er nach der Schule Bauzeichner lernte, war jedoch noch längst nicht klar, dass das Bauen einmal zu seinem Lebensinhalt werden würde. Als Sportler und Musiker im örtlichen Spielmannszug hatte er Talent bewiesen und in die Welt des Showgeschäfts hineinriechen können. Als Tänzer, Sänger und Moderator in Diskotheken oder bei Firmenveranstaltungen war er gefragt, heimste jede Menge Preise ein und brachte es in einem guten Jahr schon einmal auf 30 000 Mark Gage. Und dann ist er doch ausgestiegen, weil das Geschäft hart und oft auch unfair war. Die erforderlichen Ellenbogen wollte er nicht einsetzen.

Zurück in die Heimat

Es ging zurück in die Heimat. Bei Hanse Haus in Oberleichtersbach fing er an, lernte dann eine Maibacherin kennen, wollte nicht länger pendeln und machte sich mit einem Planungsbüro selbstständig.

Ein Bekannter wollte mehr als einen Plan. Dorn sollte auch das Material besorgen und übernahm dann, unterstützt von der Familie, den kompletten Bau. Es sollte der Start in eine Karriere werden, die nun schon 25 Jahre andauert und Ende April mit einem großen Fest – im Zelt des Varieté-Festivals in Sennfeld – zusammen mit dem 50. Geburtstag des Chefs – gefeiert wird.

Erfolgreiches Musterhaus

Mit schlüsselfertigen Rohbauten in Massivbauweise ging es weiter. Das 1997 errichtete Musterhaus „schlug wie eine Bombe ein“. Fortan sollten es komplett schlüsselfertige Häuser werden, errichtet zusammen mit Subunternehmern. Mit denen war Dorn, wie er sagt, nicht immer zufrieden und so stellte er – „aus der Not heraus“ – Handwerker selbst ein. Fliesenleger, Verputzer, Sanitär- und Lüftungstechniker, Elektriker und Dachdecker. Alles, was man so braucht, bis auf Zimmerer, Fenster- oder Treppenbauer. Dafür war kein Platz.

Schnelles Wachstum

Was zunächst auf einem kleinen Bauernhof begann, kam schnell ins Wachsen. 1999 entstand in Hain die 2500 Quadratmeter große Halle, 2008 erwarb Dorn die ehemalige Brauerei Werner in der Ortsmitte von Poppenhausen und richtete dort sein „Bauforum“ mit Ausstellungsflächen ein und brachte verschiedene Abteilungen unter. 2016/16 kam das neue 560 Quadratmeter große Verwaltungsgebäude in Hain dazu.

Dass ihm die Erfahrungen in Showgeschäft bei der Karriere als Bauunternehmer geholfen haben, davon ist Dorn fest überzeugt. Improvisieren, mit Menschen umgehen, das hat er dort gelernt. Heute zählt seine Firma 100 Mitarbeiter, die Jahr für Jahr 60 Einzel- und Doppelhäuser errichten und es auf 18 Millionen Umsatz bringen. Das Einzugsgebiet der Firma beschränkt sich auf eine Stunde im Umkreis, „weil die Mitarbeiter abends bei der Familie sein sollen.“ Den Mitarbeiten zahlt er Erfolgsprämien, die tägliche kostenlose Brotzeit ist obligatorisch, ein Sozialromantiker ist Dorn jedoch nicht.

Betriebsräte unerwünscht

Mit Betriebsräten und Gewerkschaften kann er nämlich nichts anfangen. „In einem Familienunternehmen muss schnell entschieden werden.“ Und dass kann er nur selbst, der über jedes Detail im Unternehmen Bescheid weiß, jede Rechnung selbst prüft. Sollten die Mitarbeiter einen Betriebsrat wollen, „müssen sie sich einen neuen Chef suchen.“

Dass es so kommen wird, glaubt Dorn nicht. Die Aktiengesellschaft macht es möglich, Mitarbeiter zu beteiligen, blickt er kurz vor seinem 50. Geburtstag in die Zukunft. Der 24-jährige Sohn Raphael arbeitet auch bereits in der Firma mit.

Von Ausstieg kann jedoch heute keine Rede sein. Dorn berichtet vielmehr, dass sein Geschäft schuldenfrei sei, „jede Maschine, jedes Auto gehört uns selbst“. Etwas heftig wird er, wenn er über zunehmende Bürokratie klagt.

Weitere Investitionen

Das legt sich aber schnell wieder. Gerade eben hat er für 1,2 Millionen Euro eine Maschine gekauft, die mauern kann. Es ist die erste in der Region, sagt der Unternehmer. In Hain entstehen damit Großraumelemente, die von dort zu den einzelnen Baustellen gebracht werden. Das ist Dorns Antwort auf den Fachkräftemangel. Mittelfristig könnte damit die Firma ein Zulieferer für andere Bauunternehmer werden.

Inzwischen beschränkt sich die Dornbau AG nicht nur auf Einzel- und Doppelhäuser. In Poppenhausen baut sie eine Seniorenanlage mit 37 Wohneinheiten und in Schweinfurt, in der Niederwerrner Straße ein Studentenwohnheim für 53 Bewohner. Das betreibt sie selbst.

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