Schweinfurt

3000 Kilometer für die gute Sache: Unterwegs mit den Weihnachtstruckern

Fünf Tage, fast 3000 Kilometer und mehr als 20 000 verschenkte Weihnachtspäckchen liegen hinter Manfred Fuchs. Der 56-Jährige aus Zeuzleben hat zwischen Weihnachten und Neujahr die Johanniter–Weihnachtsaktion nach Rumänien begleitet. Fuchs Fazit: „Trotz aller Strapazen war es sehr beeindruckend.“

Rumänien ist seit 2007 Mitglied der EU. Ein kleines Abenteuer ist die Reise in das südosteuropäische Land aber immer noch. „Die Autobahnen und großen Straßen sind gut ausgebaut“, sagt Manfred Fuchs. „Aber sobald es aufs Land geht, werden die Straßenverhältnisse schlecht.“ Für Fuchs und seine Mitstreiter beginnt die Reise am Mittag des zweiten Weihnachstags in Landshut. Zeitgleich starten hier die vier Konvois der bayerischen Johanniter.

Manfred Fuchs ist zum ersten Mal dabei und darf gleich im vordersten Begleitfahrzeug Platz nehmen. Zu seinem Konvoi, der den Norden Rumäniens ansteuert, gehören 18 Lkw und fünf weitere Fahrzeuge. Es ist die größte Kolonne, die die Johanniter auf die Reise schicken. Auf „ein bis zwei Kilometer“ schätzt Fuchs die Länge der Fahrzeugschlange. Über Funk halten die Fahrer Kontakt. In den Lastwagen sitzen zumeist Mitarbeiter von Speditionen, die wie Fuchs und die anderen Johanniter in ihrer Freizeit mitfahren.

Über Passau rollt der Konvoi nach Österreich und schließlich nach Ungarn. In Budapest legen die Fahrer über Nacht eine Pause ein. Dann geht es weiter nach Rumänien, in das Dorf Piatra Fantanele in den Karpaten. Die Autobahn hat der Konvoi da schon verlassen. Wenn es durch Städte und Dörfer geht, fährt die rumänische Polizei voraus und sperrt alles ab. Dann donnern die Trucks nacheinander durch die engen Straßen, rote Ampeln sind egal.

In Piatra Fantanele sitzt ein deutsch-rumänisches Jugendprojekt, wo die Weihnachtstrucker unterkommen. Am nächsten Tag, dem 28. Dezember, machen sich die Helfer in verschiedene Städte und Dörfer in der Region auf, um die Pakete zu verteilen. Gepackt wurden sie von Spendern in ganz Bayern. Weil viele Nebenstraßen in Rumänien verschneit und für die schweren Lastwagen nicht zu bewältigen sind, müssen einige Pakete auf kleinere Fahrzeuge umgepackt werden.

Manfred Fuchs fährt mit einigen weiteren Helfern nach Cluj, eine Großstadt in Siebenbürgen. Hier sollen Pakete in einer Kirche verteilt werden – an Roma, die in einer ärmlichen Siedlung neben einer Müllkippe leben. „Das sind Holzverschläge, wie in den Favelas. Es ist schon extrem, dass man so etwas in Europa noch sieht“, berichtet Manfred Fuchs. Auch wenn die Siedlung an der Müllkippe nicht den Durchschnitt der rumänischen Gesellschaft widerspiegele. „Es gibt auch sehr prachtvolle Häuser in den Städten“, sagt Fuchs. Minderheiten wie die Roma seien in Rumänien an den Rand der Gesellschaft gedrängt.

Die Kirche in Cluj hat genaue Listen mit Namen von Bedürftigen, die nacheinander ihre Pakete abholen. Wirklich ins Gespräch kommt Manfred Fuchs mit den Beschenkten nur wenig, allein schon aufgrund des Sprachunterschieds. Zu einer Begegnung mit Erinnerungswert kommt es aber doch noch. „Wir haben den ganzen Tag nur Kekse gegessen. Abends in Piatra wurden wir spontan von zwei Frauen zum Essen eingeladen. Das war ein tolles Erlebnis von Gastfreundschaft“, sagt Fuchs, der die gesamte Reise mit Fotos auf seiner Homepage www.fuchs-manfred.de dokumentiert hat.

Nach einer weiteren Übernachtung schauen sich die Helfer noch die Projekte vor Ort an. Filme und ein Baumlehrpfad werben für eine Umweltschutzaktion. „Jedes beschenkte Kind soll einen Baum pflanzen“, erklärt Fuchs. Die illegale Abholzung ist in den Karpaten ein großes Problem.

Einen Tag vor Silvester schließlich macht sich die Fahrzeugkolonne wieder auf den Heimweg. Auf eine Zwischenübernachtung verzichten die Fahrer dieses Mal. Auch sonst legen sie die insgesamt fast 3000 Kilometer quer durch Europa ohne größere Probleme zurück. Nur einmal hat ein Lkw eine Reifenpanne, und ein Begleitfahrzeug gibt den Geist auf. „Also haben wir es einfach in einen Lkw gepackt und die Fahrer auf andere Autos verteilt“, sagt Fuchs. An Silvester erreicht der Konvoi gegen Mittag wieder die bayerische Heimat. Nächstes Jahr würde Manfred Fuchs gerne wieder mitfahren – ob es klappt, ist offen. „Es gibt jedes Jahr mehr Freiwillige als Plätze“, sagt er.

Die Weihnachtsaktion der Johanniter

Die Aktion „Weihnachtstrucker“ der Johanniter Bayern fand 2014 zum 21. Mal statt. Rund 100 Ehrenamtliche – Fahrer im Lkw, Begleitfahrzeug und andere Helfer – nahmen teil. Die vier Konvois mit zusammen 39 Lastwagen legten dabei Strecken von bis zu 3500 Kilometern zurück. Insgesamt verteilten die Johanniter gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen mehr als 50 000 Pakete in Albanien, Bosnien sowie Zentral- und Nordrumänien. Die Weihnachtspäckchen enthalten Dinge des täglichen Bedarfs und gehen an bedürftige Familien, Kinder, sowie alte und behinderte Menschen.

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