Schweinfurt

35 Jahre Selbsthilfegruppe Krebsnachsorge

Engagement, Tatkraft, Organisationstalent: Ehrung. Für ihr langes Engagement in der Selbsthilfegruppe wurde Dorothea Traub (Mitte) vom Präsidenten der Bayerischen Krebsgesellschaft Günter Schlimok (links), und Geschäftsführer Markus Besseler ausgezeichnet.
Foto: Traub | Engagement, Tatkraft, Organisationstalent: Ehrung. Für ihr langes Engagement in der Selbsthilfegruppe wurde Dorothea Traub (Mitte) vom Präsidenten der Bayerischen Krebsgesellschaft Günter Schlimok (links), und ...

„35 Jahre, das ist eine respektable Zeit für eine Selbsthilfegruppe und spricht für viel Engagement der Verantwortlichen“, lobt Doris Göb von der psychosozialen Krebsberatungsstelle Schweinfurt. Sie ist Gast bei der Jubiläumsfeier der Selbsthilfegruppe „Krebsnachsorge“. Diese verdankt ihren 35. Geburtstag nicht zuletzt dem Einsatz von Dorothea Traub, die die Gruppe von Anfang an leitet.

„Ich habe damals darauf gewartet, dass so etwas ins Leben gerufen wird“, erinnert sich Erika Herbert, ein Mitglied der ersten Stunde. Das erste Treffen fand noch im alten Krankenhaus statt. Herbert hatte später eine weitere Krebserkrankung. „Da war ich froh, dass ich schon in der Gruppe war“, erzählt sie.

Gabi Zirk ist seit 22 Jahren bei der Selbsthilfegruppe und auch sie erinnert sich gut an ihr erstes Mal. Da sei eine ältere Dame gesessen, die schon 20 Jahre mit ihrem Krebs lebte, das habe Mut gemacht. „Inzwischen habe ich sie überholt“, sagt Zirk. In dieser Gruppe habe sie erlebt, dass Menschen schon lange Jahre mit ihrem Krebs leben, erzählt Silvia Roßmanith, vorher habe sie Krebs immer mit Todesanzeigen verbunden.

Krebs, ein Tabuthema

Krebs sei immer noch ein Tabuthema, bedauert Traub: „Man spricht nicht darüber.“ In der Gruppe erfahre man erst einmal, dass viele ihre Erkrankung überlebt haben. Dennoch sei man ein Leben lang mit der Erkrankung konfrontiert, erklärt Herbert, vor allem, wenn eine Brustamputation gemacht werden musste.

„Das persönliche Gespräch ist durch nichts zu ersetzen“, da ist sich Traub sicher. Sie wundert sich ein bisschen, dass sich die Jüngeren heute eher im Internet informieren und sich dort in Foren austauschen. Als Traub die Gruppe ins Leben rief, hatte sie in etwa 50 Mitglieder, heute sind es rund 20, erklärt sie. Göb kennt diese Entwicklung. Die Jüngeren seien oft sehr gut informiert, kämen gerne zu Vorträgen und würden auch viel schneller wieder ihre Arbeit aufnehmen, da werde dann halt auch die Zeit für solche Treffen knapp, meint sie. Was das Internet allerdings nicht bieten kann, ist das, was Anne Neuhauser erlebt. Sie ist das erste Mal zur Gruppe gestoßen und freut sich über die „positive Aufnahme und die heitere Grundstimmung“.

„Die Diagnose Krebs ist ein Schicksalsschlag, der Verzweiflung und Hilflosigkeit auslöst, die Krankheit wird subjektiv als existenzbedrohend erlebt“, erklärt Traub. Die Gruppe habe es sich zur Aufgabe gemacht, den Betroffenen über den Schock und die Angst hinwegzuhelfen. Auch erlebten die Betroffenen in der Gruppe, dass man selbstbewusst mit der Krankheit leben kann. Es gehe vor allem darum, die gesunden Lebenskräfte zu mobilisieren, was ja schon eine Art von Vorsorge ist, betont Traub. Dabei ist es ihr wichtig, den Beteiligten ihre Freiheit zu lassen: „Wir sprechen nie Empfehlungen aus, wir geben nur Informationen weiter.“ Die Treffen seien auch keine „Klagestunden“ oder reine Kaffeekränzchen, natürlich komme auch der gesellige Teil nicht zu kurz, aber daneben gebe es immer Themen zu besprechen, die den Teilnehmern wichtig seien.

In 35 Jahren wurden auch schon viele Referenten eingeladen. „Wir können uns in Schweinfurt glücklich schätzen, noch nie eine Absage erhalten zu haben“, freut sich Traub. So habe man neben Medizinern auch Vertreter von Krankenkassen oder der Deutschen Rentenversicherung zu Besuch gehabt. Auch das Thema alternativmedizinische Ergänzungen zur schulmedizinischen Behandlung wurde beleuchtet und Psychologen wurden eingeladen, die beispielsweise das Thema Lebensbewältigung aufgriffen. Auch das Thema Glaube und Krankheit spielte eine Rolle und gemeinsame Einkehrtage wurden organisiert.

Organisationstalent

Traub selbst nimmt als Gruppenleiterin regelmäßig an Schulungen und den Regionaltreffen der Bayerischen Krebsgesellschaft teil, um so immer auf dem neuesten Wissensstand zu bleiben und neue Ideen in die Gruppenarbeit einzubringen. Für ihr ehrenamtliches Engagement wurde ihr in diesem Jahr eine Urkunde der Bayerischen Krebsgesellschaft verliehen. In der Laudatio wird ihr „Engagement, ihre Tatkraft und ihr Organisationstalent“ hervorgehoben. Das Motto ihrer Gruppe „Mut machen“ setze sie in die Tat um. Gelobt wird auch ihr Engagement als „zuverlässiges Mitglied des Schweinfurter Netzwerks für Krebspatienten“.

In dieser Eigenschaft besucht Traub Krebspatientinnen im Krankenhaus und manchmal hat sie nur einen Wunsch: Sie möchte bestimmte Zeitgenossen mitnehmen, um ihnen zu zeigen, mit welchen Nebensächlichkeiten sie sich in ihrem Alltag so plagen.

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