GOCHSHEIM

36 Pfarrer in 500 Jahren

Elf Jahre lang baute man an dem Gotteshaus, das 1511 geweiht wurde und zunächst katholisch war. Nächstes Wochenende feiert man Jubiläum.
Ganz oben: das Chorfenster„Maria Verkündigung“.Darunter links: Diese Tafel erinnert an Baujahr, An- und Umbauten.Darunter rechts: die Kirchenorgel.Rechts: Dekan Karl Engelhardt nahm die zurückgekehrten Glocken im Pfarrhof in Empfang.
Ganz oben: das Chorfenster„Maria Verkündigung“.Darunter links: Diese Tafel erinnert an Baujahr, An- und Umbauten.Darunter rechts: die Kirchenorgel.Rechts: Dekan Karl Engelhardt nahm die zurückgekehrten Glocken im Pfarrhof in Empfang. Foto: Ruppert, Sankt Michael

Seit 500 Jahren besteht nun schon die Kirche Sankt Michael in Gochsheim: Eine lange Zeit – was die Gochsheimer am Sonntag, 26. Juni, mit einem Jubiläums-Gemeindetag feiern. Ein kleiner Streifzug durch die Geschichte mit Günther Karl und seiner Jubiläumsschrift.

Die Kirche wurde 1511 noch unter Pfarrer Hans Türk nach altem Brauch römisch-katholisch geweiht. Bald schon jedoch sympathisierten die Gochsheimer mit Luthers Lehren. Der erste deutschsprachige Gottesdienst soll schon 1540 stattgefunden haben. Der endgültige Bekenntniswechsel war 1543, der erste evangelische Pfarrer hieß Johann Spangenberg.

Der Kirchenbau selbst musste sich einigen Korrekturen und Renovierungen unterziehen. Der Bau begann um das Jahr 1500 und endete 1511. An Inschriften ist zu erkennen, dass dieses Gotteshaus schon 1552 und 1569 kleinere Umbauten erfuhr. Nach 72 Jahren war die erste große Renovierungsmaßnahme fällig. Der radikalste Eingriff wurde 1872 vorgenommen: Das Langhaus sollte größer und höher werden. Die Gochsheimer waren bereit, einen Teil ihrer Kirche abzureißen, wobei der Turm und der Chor, also der hintere Teil des Gebäudes, weitgehend im Original erhalten blieb.

Der Turm hat eine Höhe von 37 Metern, der Sockel misst 6,81 mal 6,81 Meter, die Wände hier sind 1,25 Meter stark. Das neue Langhaus wurde im neugotischen Stil ausgeführt. Außen wurden Gesims und Fenster dem Stil des Chors angeglichen. Die drei Kircheneingänge, je einer im Süden, Westen und Norden, wurden durch seitliche Pfeiler mit Fialen hervorgehoben. Über den Haupteingang im Westen wurde eine Steintafel mit der Inschrift: „Siehe da, eine Hütte Gottes bei den Menschen“ (Offbg. 21.3) eingelassen. Während der Arbeiten stürzte ein Dachdeckergeselle vom Gerüst und erlitt tödliche Verletzungen.

Die nächste groß angelegte Renovierungsmaßnahme, sowohl innen als auch außen, stand von 1960 bis 1968 an. Am 29. März 1960 stellten die beiden Architekten Gulbransson (München) und Wirth (Schweinfurt) ihre Pläne für eine Außen- und Innenrenovierung dem Kirchenvorstand vor. Als im Juli 1961 Gulbransson tödlich verunglückte, übernahm Baurat Luther (München) zusammen mit Architekt Wirth die Leitung der umfassenden Arbeiten. Dabei verschwand das „Schneckenhäuschen“ an der Südseite des Chorraumes. An der Nordseite wurde eine Außentreppe zum ersten Stock des Turms angebaut. Die Außentür zur Sakristei auf der Ostseite des Chors wurde zugemauert und die Eingangstüren zur Kirche bekamen Vorbauten. Später wurde an den Nordeingang auch eine Rampe für Rollstuhlfahrer angebaut.

Bewegt ist auch die Geschichte der Glocken. Die älteste wurde 1558 von Christof Glockengieser in Nürnberg gegossen. Im Ersten Weltkrieg wurde die kleine Glocke, die die Viertelstunden schlug, eingezogen. Von den vier großen Glocken wurden zwei 1942 kriegsbedingt nach Hamburg transportiert. Sie fanden aber 1947 den Weg nach Hause zurück und läuten seit 1948 wieder im Quartett.

Eine auffallende Veränderung sind die drei bunten Chorfenster des Glaskünstlers Günther Johrend, die 1994 eingebaut wurden. Sie zeigen sechs Themen: Maria Verkündigung, Engel auf dem Hirtenfeld, Jesus betet in Gethsemane, Engel am Grab Jesu bei der Verkündigung der Osterbotschaft, Michael als Drachentöter und Posaunenengel des Jüngsten Gerichts.

Die Innenausstattung hat sich auch verändert. Der historische Taufstein von 1545 wurde 1872 ersetzt und diente von da an als Blumenschale, steht seit 1986 aber wieder für Taufen zur Verfügung. Die ehemalige Kanzel von 1589 wurde zum Rednerpult. Den Chorbogen hat der Kunstmaler Fritz Griebel 1938 neu gestaltet: Auf der einen Seite das Lamm Gottes mit Kreuz und Friedensfahne, auf der anderen Seite der Erzengel Michael im siegreichen Kampf mit dem Drachen. Der Patron St. Michaels war nicht nur der erste der vier Erzengel, er gilt auch als Schutzengel Israels und der Kirche.

Neben diesen materiellen Veränderungen gab es auch Neuerungen bei den Bräuchen und Sitten. So schafften die Gochsheimer Gemeindemitglieder, nachdem die Renovierungsarbeiten 1968 abgeschlossen waren, die bis dahin herrschende strenge Sitzordnung ab. Geschlecht und Familienstand haben keine Auswirkungen mehr auf den Sitzplatz. Auch das Konzept des Kindergottesdienstes, der 1939 eingeführt wurde, hat sich der neuen Zeit angepasst. Seit 1976 ist er nicht mehr hauptsächlich Religionsunterricht. Die Kinder hören Geschichten, malen, basteln und singen.

In den Fünfziger Jahren wurde die Evangelische Gemeindebücherei eröffnet, die sich seitdem merklich vergrößert hat. Seit 1964 gibt es den Posaunenchor, der nach zehnjähriger Unterbrechung 2001 wieder ins Leben gerufen wurde.

36 Pfarrern und eine Pfarrerin haben in den zurückliegenden 500 Jahren Sankt Michael geleitet. Der 36. Pfarrer, Wolfgang Stumptner, und die erste Pfarrerin, Monika Roth-Stumptner, sind seit 2010 in Gochsheim. Unterstützt wurden und werden sie von unzähligen Diakonen, Organisten, Kirchendienern und anderen haupt- und ehrenamtlichen Helfern. Text: MOZ

Pfarrer der letzten 100 Jahre

1889–1929 Paul Seeger 1930–1947 Karl Engelhardt (erfuhr unter den Nazis viel Anfeindung, führte 1938 die Goldene Konfirmation und 1939 den Kindergottesdienst ein) 1947–1977 Wilhelm Beuschel (letzter Pfarrer, den die Gemeinde auswählen durfte) 1978–2000 Martin Oeters (förderte die Ökumene am Ort, führte 1981 die Silberne Konfirmation ein) 1995–1999 Christoph Schürmann, Inhaber der zweiten Pfarrstelle 1999–2008 Heiko Kuschel, Inhaber der zweiten Pfarrstelle 2001–2009 Fritz Sengenberger (führte die Gitarrengruppe ein, den Kirchenchor weiter und den Posaunenchor zu neuer Blüte)

2010 Wolfgang Stumptner 2010 Monika Roth-Stumptner, Inhaberin der zweiten Pfarrstelle

Festprogramm und Gospelkonzert

Mit einem Gemeindetag feiert die Pfarrgemeinde St. Michael das 500-jährige Bestehen ihrer Kirche. Dazu wird am Sonntag, 26. Juni, Regionalbischof Christian Schmidt um 9.30 Uhr zum Festgottesdienst erwartet. Ab 14 Uhr gibt es eine Spielstraße, Kirchenführungen und Theateraufführungen. Um 18 Uhr endet der Gemeindetag mit einer ökumenischen Andacht und dem Abendsegen im Kirchhof.

Tags zuvor, am Samstag, 25. Juni, lädt der Chor „Voice of Glory“ aus Oberlauringen ab 19 Uhr zum Gospelkonzert „Lieder, die die Seele bewegen“ in die Sankt-Michaels-Kirche. Der große Chor schöpft aus einem Repertoire von 120 Liedern: alte traditionelle Spirituals, neue und moderne Gospels, Unbekanntes und Ohrwürmer, stille und mitreißende Songs. Getränke und Snacks werden im Kirchhof angeboten. Der Eintritt ist frei, um Spenden für die Kirchenrenovierung wird gebeten.

Stolz: Der Turm der evangelisch-lutherischen Kirche Sankt Michael in Gochsheim.
Stolz: Der Turm der evangelisch-lutherischen Kirche Sankt Michael in Gochsheim.

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