Schweinfurt

380-Kilovolt-Stromleitung: Wie ein eiserner Vorhang

Muss eine Stromleitung nach Frankfurt über Bergrheinfeld führen? Rund 80 Demonstranten sagen Nein! Auch die regionalen Kommunalpolitiker sind mehr als skeptisch.
Protest contra P43 vor dem Kolpinghaus in Schweinfurt
Protest contra P43 vor dem Kolpinghaus in Schweinfurt Foto: Uwe Eichler

Es lässt sich auch mit Mund-Nasen-Schutz trillern: Rund 80 Demonstranten und zahlreiche Traktoren versammelten sich am Dienstag zur Demo, vorm Kolpinghotel in Schweinfurt. Dort hatte  Betreiber TenneT zur Infoveranstaltung eingeladen, bezüglich der 380 KV-Stromleitung P43, die in einigen Jahren die Übertragungskapazität zwischen Hessen und Bayern ausbauen soll.

Auf dem Abschnitt zwischen Mecklar und Dipperz würde die "Fulda-Main-Leitung" Trassen verstärken, in Richtung des Umspannwerks Bergrheinfeld/West komplett neu gebaut werden: ein Projekt, das in der Region ähnlich kritisch gesehen wird wie "SuedLink", die Stromautobahn, die Windstrom von der Nordseeküste in den Süden transportieren soll. Coronabedingt nahm pro Institution nur ein Vertreter an der Infoveranstaltung teil, die noch eher allgemein gewesen sein soll.

Gegen überdimensionierte Netzausbaupläne

Die Bürgerinitiativen  "Bergrheinfeld sagt Nein zu SuedLink" und "A7 Stromtrasse Nein" (Wasserlosen), die Kreisgruppe des Bund Naturschutz (BN) sowie die Bürgeraktion Müll und Umwelt Schweinfurt luden draußen zur Kundgebung "gegen überdimensionierte Netzausbaupläne" ein. "Es gibt keine Kosten-Nutzen-Analyse" lautet der Vorwurf der Sprecherin der Wasserlöser Initiative, Hildegard Beyfuß. Statt um Versorgung gehe es um lukrativen, milliardenschweren Netzausbau, auf Kosten der Bürger und der dezentralen Energiewende. Wenn laut Netzentwicklungsplan nur mit 15 Prozent Auslastung von P43 gerechnet werde, stelle sich die Frage nach dem Bedarf: "Der Flächenverbrauch ist Wahnsinn."

Bärmann vermisst schlüssiges Gesamtkonzept 

Auch Vize-Landrätin Bettina Bärmann vermisst ein "schlüssiges Gesamtkonzept". Entgegen dem Versprechen werde P43 wohl nicht komplett erdverkabelt sein. Der Landkreis fordere mit den Bürgerinitiativen, Alternativen zu prüfen. Nicht TenneT sei der Adressat für Protest, sondern die Staatsregierung, meint Herbert Barthel, Energiereferent des BN. Auch von der Bundesregierung werde die Energiewende ausgebremst: "Sie bekommt ständig Beine vorgehalten, damit sie stolpert". Die Leitungen seien, so Barthel,  "für die Börse, die zockt". Stattdessen brauche es Speichertechnik, "Power to Gas" sowie regionale Vermarktung.

BN-Kreisvorsitzender Edo Günther moniert Lobbyismus: Wer an Stromtrassen verdiene, habe offenbar das Sagen, nicht der Bürger. Bei der geforderten Umweltverträglichkeitsprüfung sei bis heute nichts passiert. Auch das Planungssicherheitsgesetz (das Genehmigungsverfahren an die Bedingungen der Corona-Kontaktbeschränkungen anpasst) stößt bei Günther auf Kritik.   

Auch Bürgermeister sehen P43 kritisch

Bergrheinfelds Bürgermeister Ulrich Werner lehnt das Projekt P43 ebenfalls ab, mit Blick auf mehr als 170 Strommasten im Gemeindegebiet. Man habe mit Wasserstoff eine gute Speichermethode. Warum müsse eine Leitung nach Frankfurt über Bergrheinfeld führen? Amtskollege Anton Gößmann sieht es für Wasserlosen ähnlich: "Es sollten Trassen wegfallen". Nun sei auch seine Gemeinde "wieder gut dabei".

Wolfgang Baumann, Rechtsanwalt der SuedLink-Gegner, befürchtet, dass Planungen der Kommunen durch die Korridore massiv behindert werden: "Ein Eiserner Vorhang legt sich übers Land." Dank Stadtwerken und Regionalerzeugern habe man schon jetzt Alternativen, findet Rainer Kleedörfer, seitens des Nürnberger Versorgers N-Ergie. Dörte Hamann rief für das bundesweite Bündnis der Trassengegner zum "konstruktiven Widerstand" auf,  Armin Wahler (Bergrheinfeld) übte aus Sicht der Landwirte Kritik am "Treiben der Großkonzerne". Am Ende durfte noch einmal gemeinsam lautstark gepfiffen werden.

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