Schweinfurt

40 Jahre Punk: Slime rockt weiter gegen Rechts

Hamburger Polit-Punk-Band Slime gastierte im Schweinfurter Stattbahnhof. Frontman Dirk Jora: "Für uns fühlt sich das immer nach zuhause an."
Stellt sich mit seiner Band vehement gegen Rechts: Slime-Frontmann Dirk 'Dicken' Jora.
Stellt sich mit seiner Band vehement gegen Rechts: Slime-Frontmann Dirk "Dicken" Jora. Foto: Steffen Krapf

Sie sind immer noch da. Auch 40 Jahre nach ihrer Gründung zieht die Hamburger Polit-Punk-Band Slime noch von Club zu Club. Am Wochenende machten die Granden des deutschsprachigen Punkrocks im Rahmen ihrer Tour "Durch alle Höllen & Tiefen" zum Vierzigsten mal wieder Station im Schweinfurter Stattbahnhof.

"Fünf- oder sechsmal waren wir schon hier", erzählt Slime-Frontmann Dirk "Dicken" Jora auf der Bühne. "Für uns fühlt sich das immer nach zuhause an." Und das nimmt man dem Quintett aus Norddeutschland ab. "Gibt es eigentlich den FC Schweinfurt 05 noch?", fragt "Dicken" bei der ersten richtigen Verschnaufpause nach einem rasanten Start mit vielen alten Klassikern in dem mit über 500 Zuschauern gut gefüllten Saal. Die vermeintliche Antwort gab der glühende Anhänger des Zweitliga-Klubs FC St. Pauli selbst: "Die interessieren hier wohl keinen." "Heißen die nicht Schweinfurt 04?", sprang Gitarrist Michael "Elf" Mayer seinem Sänger mit einer weiteren Stichelei zur Seite. Interessiert hat die kleine Provokation zwischen Tresen und Bühne niemanden ernsthaft, und wirklich widersprechen würden die Fans den lebenden Punk-Legenden ohnehin nur höchst ungern.

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Punk-Konzert "Slime"

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Die Band bewies im Stattbahnhof eindrucksvoll, dass sie auch nach vier Jahrzehnten noch in der Lage ist, energiegeladenen Punk zu spielen, der auch live nach wie vor bestens funktioniert. Als Slime sich 2009 nach 15 Jahren wiedervereinten, war die Skepsis in der Szene freilich groß. Lebte die Combo doch früher stets von ihrer Wildheit und Radikalität. In den Achtzigern sorgte sie mit Liedern wie "Wir wollen keine Bullenschweine" für reichlich Skandale. Slime wurde mit provokanten und oft platten Parolen schnell zum Soundtrack der linken Subkulturen.

Heute hat die Band sicherlich an Radikalität eingebüßt, jedoch nicht an Haltung. "Unsere alten Lieder haben leider immer noch nicht an Bedeutung verloren", meint Jora. Er und seine vier Mitstreiter stellen sich nach wie vor vehement gegen Rechts. Das ist auch bei allen neueren Songs in nahezu jeder Textzeile hörbar. Von dem im März erscheinenden achten Studioalbum "Wem gehört die Angst" (dem dritten Seit der Reunion) bekamen die Zuschauer am Freitag in Schweinfurt bereits vier Lieder als Vorgeschmack zu hören.

Und wie soll es anders sein? Das neue Feindbild Nummer eins der Hamburger heißt heute AfD. "Ganz Schweinfurt hasst die AfD!", stimmt die Band mehrfach von der Bühne an. Trotz aller ernster politischer Themen erlebten die Zuschauer aber unbeschwerte und launige 120 Minuten. Mit dem Alter haben Slime offenbar den Dreh raus, wie man linkspolitische Inhalte und Musik auf lockere Weise rüberbringen kann – und dabei trotzdem sehr ernst genommen und gehört werden kann.

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