Hausen

45 Jahre Reporterin: "Die Zeitung ist mein Hobby"

Seit 45 Jahren berichtet Rita Steger-Frühwacht aus dem Schweinfurter Oberland. Mit der Schreibmaschine fing sie an, heute ist sie 65 und sitzt am Computer. Ein Blick zurück.
Mit 20 hat sie angefangen, mit 65 ist sie noch genauso engagiert dabei: Rita Steger-Frühwacht berichtet seit 45 Jahren fürs Schweinfurter Tagblatt aus dem Schweinfurter Oberland. Foto: Irene Spiegel

Ihren ersten Artikel hat sie über die Friedhofserweiterung in Hausen geschrieben. Das war 1975. Rita Steger-Frühwacht war damals 20 Jahre alt. Jetzt ist sie 65 und blickt auf 45 Jahren als Freie Mitarbeiterin des Schweinfurter Tagblatts zurück. Eine Ära, die sie nicht missen möchte. "Es waren ganz viele bereichernde Begegnungen mit Menschen und Ereignissen, die ich nie gehabt hätte, wäre ich 'nur' Hausfrau geblieben."

Der Pfarrer und der Bürgermeister hatten Rita Steger-Frühwacht damals angesprochen, ob sie nicht die Pressearbeit im Ort übernehmen wolle. Sie hatte Abitur, studierte Lehramt in Würzburg und war somit bestens qualifiziert. Auch als sie dann verheiratet und Mutter von vier Kindern war, blieb sie dabei, verschaffte sich so den nötigen Ausgleich zu Haushalt und Familie. Was in Hausen klein anfing, weitete sich im Lauf der Jahre auf das gesamte Schonunger Gemeindegebiet und darüber hinaus aus. Heute ist Rita Steger-Frühwacht mit Schreibblock und Fotoapparat im ganzen Schweinfurter Oberland unterwegs. Mit Freude und Herzblut berichtet sie über kleine und große Ereignisse in den Großgemeinden Schonungen, Üchtelhausen und Stadtlauringen. 

Manchmal durfte sie beim Entwickeln der Filme in der Dunkelkammer mithelfen

Gerade schreibt sie über den Abersfelder Laienfasching. Ein abendfüllender Termin. Fünf Stunden dauerte die Veranstaltung im DJK-Vereinsheim. Für Rita Steger-Frühwacht ist nach der Veranstaltung aber längst nicht Feierabend, dann geht die Arbeit erst richtig los. Am Schreibtisch muss sie aus ihren Notizen einen Artikel verfassen, Fotos auswählen, Bildunterschriften schreiben und Fotostrecken erstellen. Ist alles fertig, wird es digital in die Redaktion übermittelt. 

"Früher war das ganz anders", erinnert sich die 65-Jährige an die Zeit, als sie ihre Berichte noch mit einer mechanischen Schreibmaschine auf Manuskript getippt hat. Das Nachfolgemodell war dann schon elektrisch. Mit dem Nachteil, dass nichts ging, wenn der Strom mal weg war. Die Versorgung war nicht so stabil damals. Die Manuskripte wurden in blaue Umschläge gesteckt und per Post in die Redaktion geschickt. Als ihre Kinder dann das Gymnasium in Schweinfurt besuchten, nahmen sie die blauen Briefe mit. Auch Ehemann Roland fungierte ab und an als Bote. Mindestens einmal in der Woche machte sich Rita Steger-Frühwacht selbst auf den Weg in die Redaktion, damals noch im Zeughaus, um "volle Filme" abzuliefern. Die Digitalfotografie war ja noch nicht erfunden. Und manchmal durfte sie sogar selbst mit in die Dunkelkammer und beim Entwickeln helfen. 

Heute gibt es keine blauen Umschläge und keine Dunkelkammer mehr. In ihrem Büro auf dem Schreibtisch steht auch keine Schreibmaschine mehr. Und Schwarz-Weiß-Filme zum Entwickeln gibt es ebenfalls nicht mehr. Rita Steger-Frühwacht hat jede technische Entwicklung mitgemacht. Sie arbeitet am Computer und fotografiert mit einer Digitalkamera. Die Aufträge der Redaktion kommen online rein, die Berichte der Reporterin gehen online raus. Und wenn sie gerade Oma-Dienst bei ihren vier Enkeln in Mittelfranken hat, dann ruft sie ihre redaktionellen Aufgaben per Smartphone ab. Das persönliche Gespräch ist der 65-Jährigen aber trotzdem wichtig. Deshalb greift sie nach wie vor zum Telefonhörer, wenn sie mal Rat von der Redaktion braucht. Oder eine außergewöhnliche Idee für einen Bericht hat.

"Für meine Gemeinde bin ich gerne und überall unterwegs."
Rita Steger-Frühwacht

Selbst nach 45 Jahren entdeckt sie immer wieder neue Themen und interessante Geschichten, "weil ich aufgeschlossen und neugierig bin". Durch die journalistische Arbeit ist Rita Steger-Frühwacht auch mit dem Friedrich-Rückert-Arbeitskreis in Kontakt gekommen. Eine "große Bereicherung" für die studierte Germanistin, die vor allem das breite Spektrum des journalistischen Aufgabengebietes schätzt. Vom Golfclub bis zum Kaninchenzuchtverein, von der Kunstausstellung bis zur Sportveranstaltung, vom Konzertbesuch bis zum Seniorentreff – "für meine Gemeinde bin ich gerne und überall unterwegs".

Ein "Highlight" in der Berichterstattung war für Rita Steger-Frühwacht immer das jährliche Heimatfest in Hausen. Da durfte sie große Berichte schreiben und viele Fotos vom Festumzug machen. "Das war immer mein bester Monat", meint sie schmunzelnd. Aber des Geldes wegen hat sie es nie gemacht. "Die Zeitung ist mein Hobby."

Dabei hatte sie es in den Anfangsjahren gar nicht so leicht, musste sich erst beim Bürgermeister und Pfarrer Respekt und Vertrauen erarbeiten. Und Rückgrat war gefragt. Beispielsweise als sie über die Umweltbelastungen für Hausen durch den Lkw-Verkehr in den Steinbruch im Ottenhäuser Grund schrieb. Die Bürgerinitiative dagegen hat Rita Steger-Frühwacht 1996 mitbegründet. Darauf ist sie stolz.

Zuverlässigkeit ist ihr Markenzeichen

Es gab auch mal eine "gefährliche" Situation auf einem Termin. Mit Schrecken denkt die 65-Jährige an eine Feuerwehrübung im Schweinfurter Oberland zurück. Ein Feuerwehrmann war fürs Foto auf einen Baum geklettert. In fünf Metern Höhe löste sich sein Messer vom Gürtel und fiel der Reporterin direkt vor die Füße. "Wir waren alle kreidebleich." Viel lieber erinnert sie sich aber an die "schönen" Termine wie die vielen Konzerte, Ausstellungen oder Feste. Die 65-Jährige nimmt jeden Termin als "Herausforderung" an und ist stolz auf ihr "Markenzeichen", die Zuverlässigkeit. Für manche Termine hat sie sogar schon private Feiern geopfert.

Nur am vergangenen Sonntag, am 16. Februar, stand die Pressearbeit einmal hintenan. Es war ihr 65. Geburtstag, und diesen feierte sie mit ihrer Familie und 50 Gästen im Hausener Sportheim. 

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