Schweinfurt

50 Jahre: FOS Schweinfurt startet mit Party ins Jubiläumsjahr

900 Schüler haben Fachoberschule und Berufsoberschule aktuell. Tausende aus der Region sind hier den Weg zur Hochschulreife gegangen. Und einige von ihnen kamen wieder.
Mit einer "back to school party" ist die FOS ins Jubiläumsjahr gestartet. Winfried Meurer (66) war einer des allerersten Jahrgangs. Zur Feier, bei der er Schulkollegen wiedersehen wollte, hatte er auch ein Foto mitgebracht. Für Margarete Brand, Fachbetreuerin Deutsch, und Schulleiter Harald Bauer (rechts) ein interessantes Treffen. Foto: Katja Beringer

Winfried Meurer ist an diesem Freitagmittag etwas allein auf weiter Flur. Der 66-Jährige ist nicht der älteste, aber wohl einer der seltensten Besucher bei der "back to school party", mit der die  FOS/BOS Schweinfurt in ihr Jubiläumsjahr startet . Während sich auf dem Schulhof etliche der aktuell 900 Schülerinnen und Schüler, der 75 Lehrer, viele Ehemalige und einige der Pensionäre aus dem Kollegium tummeln und rege unterhalten, sucht Meurer noch vergeblich nach bekannten Gesichtern. Er ist einer derjenigen, die vor 50 Jahren miterlebt haben, wie die Fachoberschule Schweinfurt an den Start ging. Einer aus dem Jahrgang 1970/71.

Und so sah er damals aus, Winfried Meurer, FOS-Jahrgang 1970/71. Foto: Katja Beringer

Chaotisch fing alles an damals, daran kann sich Winfried Meurer noch gut erinnern. Quasi von heute auf morgen waren 50 Fachoberschulen aus dem Boden gestampft worden. Ein neuer Schultyp, der zum Fachabitur führen sollte und neue Perspektiven eröffnete. Auch für Winfried Meurer. Die Mittlere Reife hatte er in der Tasche, wollte sich damit nicht zufrieden geben und nutzte die neue Chance. Der Start war auch in Schweinfurt holprig. "Es gab keine Bücher, keine Möbel, man hat uns erstmal wieder nach Hause geschickt", erinnert sich Meurer, damals einer von 206 Schülern. Erst vier Wochen später soll der Unterricht tatsächlich begonnen haben, provisorisch untergebracht im Erdgeschoss der damaligen Sonderschule. Das Mobiliar hatte die Stadt notgedrungen von den Dachböden anderer Schulen holen müssen, es gab Lieferschwierigkeiten für das neu bestellte.

Alles, das ganze System, war mit heißer Nadel gestrickt worden. Auch Bücher und sogar für die FOS ausgebildete Lehrer gab es eigentlich nicht, sagt Harald Bauer, seit acht Jahren Leiter der heutigen FOS/BOS in Schweinfurt. Ihn beschäftigt bis heute etwas, das schon seine Vorgänger Nerven und Improvisationstalent gekostet hat: die räumliche Situation. Schon ganz am Anfang musste die FOS woanders unterschlüpfen, damals bei den Gymnasien. Im zweiten Jahr wurde es noch kritischer. Die Zahl der Schüler stieg auf 550.

Ein 35 Jahre altes "Behelfsmodell" und neue Perspektiven

Immer und immer wieder wurde improvisiert, gab es Außenstandorte – in Haßfurt, in Dittelbrunn und schließlich noch einen Containerbau. Das "Behelfsmodell" wird seit mehr als 35 Jahren genutzt und ist am Ende seiner Tage angekommen. Vor einigen Jahren dann die Entlastung: die private Wirtschaftsschule Müller machte dicht, für die FOS/BOS wurden die Räume angemietet.

Wiedersehen: Richard Schmitt, lange Jahre Lehrer an der FOS/BOS, hat Bianca Gagnon, heute Schülersprecherin, noch live erlebt. Foto: Katja Beringer

Inzwischen hat sich eine neue Perspektive aufgetan: Mit dem geplanten Neubau der Körnerschule im neuen Stadtteil Bellevue wird das jetzige Gebäude frei  und wurde, so Bauer, der FOS/BOS "mehr oder weniger zugesagt". Doch auch dann wird es räumlich eng bleiben, sagt der Schulleiter. Die Zahl der Schüler ist groß, ebenso wie das Einzugsgebiet, das über die Region Schweinfurt hinaus bis in die Haßberge, den Landkreis Bad Kissingen und nach Arnstein reicht.

Was passt, ist die Zusammenarbeit im Kollegium, sagt Bauer. Margarete Brand, Fachbetreuerin Deutsch, nickt. Seit 1982 ist sie an der Schule, schätzt die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Den Schritt, an der FOS/BOS zu unterrichten hat die ausgebildete Gymnasiallehrerin nie bereut. Die Schülerinnen und Schüler seien motiviert. "Sie wissen, was sie wollen", bestätigt auch Schulleiter Bauer. Wer hier den Weg zur Fachhochschulreife oder zum allgemeinen Abitur gehen will, hat ein Ziel, manche haben auch Berufserfahrung. 

Warum die Zahl der Schüler an der BOS sinkt

Die Schüler sind 16 oder 17, wenn sie an die FOS kommen; um die 20, wenn sie an der BOS starten. Während die Schülerzahlen an der Fachoberschule konstant sind, fast 45 Prozent der Realschüler inzwischen diesen Weg gehen, ist der Trend an der Berufsoberschule rückläufig. Der Grund: die Situation auf dem Arbeitsmarkt. Wer einen guten Job hat, überlegt es sich zweimal, nochmal die Schulbank zu drücken. Doch das, sagt Bauer mit Blick auf die Entwicklung in der Wirtschaft, könnte sich ändern. 3000 Abschlusszeugnisse hat er in den etwas über sieben Jahren, die er nun in Schweinfurt Schulleiter ist, schon ausgehändigt. Und einige von ihnen dürfte Bauer bei dieser Schulhofparty wiedersehen. 

Ließen sich das große Treffen nicht entgehen (von links): Sebastian Franz und Thomas Neufeld. Schulleiter Harald Bauer konnte sie auch für die Idee der "Wall of fame" begeistern. Foto: Katja Beringer

Tausende Schüler sind in diesen 50 Jahren den Weg zum Fachabitur gegangen. Einige, wie Meurer, der als Maschinenbauingenieur erst für FAG und später für Bosch Rexroth gearbeitet hat, sind heute schon in Rente, andere stehen voll im Berufsleben. Und da ist Freitagmittag etwas früh. Doch die Party, mit der die Schule ins Jubiläumsjahr startet, dauert noch bis 18.30 Uhr. Zeit genug für viele Begegnungen – zwischen ehemaligen Schülern, Lehrern und der aktuellen Schulfamilie. Es ist ein erster Versuch, sagt Schulleiter Harald Bauer. Kommt er an, will man die Party etablieren.

50 Jahre Fachoberschule in Schweinfurt: Mit einer "back to school party" ist die FOS ins Jubiläumsjahr gestartet. Foto: Katja Beringer

Organisiert hat das Ganze ein Team aus Lehrern und  SMV mit Schülersprecherin Bianca Gagnon an der Spitze. Auch sie trifft an diesem Tag auf einen alten Bekannten: Richard Schmitt, 36,5 Jahre Lehrer an der FOS/BOS, Mathe und Physik, seit dem Schuljahr 2016/2017 in Pension. Auch zwei "Ehemalige" können sich gut an ihn erinnern: Thomas Neufeld und Sebastian Franz, beide 38. Vom Gymnasium sind sie nach der zehnten Klasse an die FOS gewechselt, haben dort ihr Fachabi gemacht, an der FHWS studiert, sind beide Wirtschaftsingenieure geworden, arbeiten beide heute bei ZF, der eine als Accountmanager, der andere als Einkäufer. 

Ehemalige wie sie will Schulleiter Bauer für die "Wall of fame" begeistern. 25 Ehemalige sollen dort präsentiert werden. Man will zeigen, was aus den Leuten geworden ist, von was sie einmal geträumt und was sie erreicht haben. Als Beispiel für heutige Schüler, sagt Bauer und präsentiert den beiden Bild 1 der "Wall of fame": Thomas Bonengel, früher selbst Schüler hier, heute Lehrer.

Die FOS/BOS Schweinfurt und ihre Jubiläumspläne
Die Berufliche Oberschule Friedrich-Fischer-Schule – Staatliche Berufs- und Fachoberschule - bietet drei Ausbildungsrichtungen an: Sozialwesen, Technik, Wirtschaft und Verwaltung. Die FOS führt zur Fachhochschulreife oder zu fachgebundenen bzw. allgemeinen Hochschulreife  (13. Klasse). Die Berufsoberschule, die im Schuljahr 1997/1998 dazukam, bietet zwei Ausbildungsrichtungen an: Technik, Wirtschaft und Verwaltung. Voraussetzung für sie ist eine Berufsausbildung oder -erfahrung.
Die Absolventen: In der 12. Jahrgangsstufe FOS waren es in diesen 50 Jahren inzwischen rund 14 500 Schülerinnen und Schüler; in der BOS (seit 1997/98) etwa 3100. Absolventinnen und Absolventen in der 13. Jahrgangsstufe gab es in der FOS (ab dem Schuljahr 2007/08) rund 830; in der BOS (ab 2001/2002) rund 520.
Das Jubiläumsjahr: Weiter geht es im Frühjahr, dann kommen am 20. und 21. März die Theatertage der FOS/BOS für ganz Bayern nach Schweinfurt. Am 30. April steht ein Jubiläumsfestakt an; für den 15. Mai ist ein besonderes Sportfest geplant. 

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