OBERSCHWARZACH

Älter als gedacht

Früher erbaut als angenommen: Das Schloss Oberschwarzach wurde bereits vor 1614 errichtet. Das zeigen die vorläufigen Ergebnisse einer derzeitigen Untersuchung der Bausubstanz sowie ein historischer Finanznachweis. Foto: Matthias Beck

Das Schloss Oberschwarzach wurde entgegen bisheriger Annahmen nicht 1614 erbaut. Zum einen belegt ein Finanznachweis die Baumaßnahmen durch Julius Echter von Mespelbrunn für das Jahr 1604. Zum anderen führen der Architekt Georg Böswald-von Brunn und mehrere Restauratoren, wie die Firma Schädel aus Randersacker (Lkr. Würzburg) derzeit Untersuchungen zur Bausubstanz durch. Deren vorläufige Ergebnisse zeigen: Ein wesentlicher Teil des Schlosses bestand sogar schon vor 1604.

Der Fürstbischof Echter hat diesen Bau anscheinend um 1575 erworben und Anfang des 17. Jahrhunderts umfangreich umgebaut. Wann die Baumaßnahme unter Echter fertiggestellt wurde, sei aufgrund der Quellenlage unklar. Das teilte Böswald-von Brunn in seinem Vortrag über die bisherigen Bauuntersuchungen des Schlosses auf einer Informationsveranstaltung des „Fördervereins Schloss Oberschwarzach“ mit. Etwa 30 Gäste besuchten die Veranstaltung im Foyer des Schlosses.

Schwerpunkt der Untersuchung des Restaurators Schädel und des Architekten sei nicht die Aufarbeitung von Textquellen oder möglichen Plänen, also nicht der geschichtliche Hintergrund. Sondern man untersuche vorwiegend den momentanen Bauzustand, so Böswald-von Brunn. Ziel sei die Renovierung des Gebäudes. Dennoch vermuten beide aufgrund der Untersuchungen den Ursprung des Gebäudes in der Zeit der Gotik. Julius Echter habe eine große Umbaumaßnahme durchgeführt. Ebenso gab es größere Arbeiten in der Zeit des Barock um 1720.

Bei den Untersuchungen, so Böswald-von Brunn weiter, ging man folgendermaßen vor: Zunächst untersuchte man die baulichen Veränderungen, die Baumaterialien durch stichprobenartige Öffnungen an den Bauteilen und die vorhandenen Farbfassungen. Hinzu kamen Bohrproben der Hölzer, um anhand der Jahresringe die Holzeinbauten der Fachwerkwände und Decken zeitlich zu bestimmen. Schließlich analysierte man die im Schloss vorhandenen Baustile, wie die aus verschiedenen Epochen stammenden Stuckdecken.

Erste Bauphase vor 1604

Mithilfe dieser Untersuchungen konnten die Firma Schädel und der Architekt grobe Bauphasenpläne erstellen. Die bisherigen Erkenntnisse lassen auf vier Bauphasen schließen. Die erste davon betrifft die Zeit vor 1604 – also vor Julius Echter. Das Kellergeschoss, die Außenwände sowie die beiden Türme des Schlosses, gewissermaßen die Außenschale ohne den Treppenturm, wurden vor 1600 errichtet.

Erst 1604 folgte der Umbau des Schlosses durch den Fürstbischof. Zu dieser zweiten Bauphase zählt die Umgestaltung der Außenfassade, der Treppenturm und eine Neugestaltung des gesamten Innenraums. Die Bauzeit unter Echter sei klar erkennbar, so der Architekt: Man habe über das bestehende Schloss den Baustil des Fürstbischofs gekleidet.

Die dritte Bauphase betrifft die Umgestaltung des Schlosses im Zeitalter des Barock, etwa um 1720. Dazu gehören im Wesentlichen eine neue Raumaufteilung der ersten und zweiten Geschosse. Ebenso habe man Decken und Holztüren neu gestaltet. Unter Umständen gab es weitere einzelne Baumaßnahmen um 1800.

Die vierte und letzte Bauphase fand im 19. und 20. Jahrhundert statt. Diese wurde durch zahlreiche kleinere Umbauten, den mehrmaligen Austausch von Fenstern, den Einbau von Bädern und Toiletten sowie durch die technische Ausstattung wie die Heizung oder die Elektroinstallation geprägt.

Was den Zustand des Schlosses betrifft, sei noch vieles erhalten. Das zeige sich in den Baustilen zahlreicher Bauteile, zum Beispiel den Decken, die durch Abhängungen des 20. Jahrhunderts bisher nicht zugänglich waren, so Böswald-von Brunn. Über den Umfang der nötigen Renovierungsmaßnahmen könne erst am Ende der Voruntersuchungen eine klare Aussage gemacht werden. Diese Untersuchungen seien voraussichtlich Mitte September abgeschlossen.

Was die Vorschläge zur Nutzung des Schlosses angeht, könne man im Erdgeschoss Räumlichkeiten für die Pfarrgemeinde unterbringen. Die oberen Geschosse plane man zu vermieten. Nebengebäude, Innenhof und Garten wolle man der Öffentlichkeit zugänglich machen. Ideen hierfür seien kommunale Festlichkeiten im Hof oder Ruhe- und Begegnungszonen im Garten.

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