Sennfeld

Ärger über Totengedenken am Bauzaun statt am Grab

Irgendwann müssen in jedem Friedhof Wege und Umrandungen erneuert werden. Sennfeld begann damit nach Allerheiligen. Am Totensonntag stand der Bagger an den Gräbern.
40 Gräber waren am Totensonntag hinter dem Bauzaun verschwunden. Foto: Gerd Landgraf

Erst konnte, dann wollte Irma Knieß ihren Augen nicht Trauen. Am Totensonntag war ihr der Gang und der Blick zur Grabstätte ihres Mannes – Sennfelds Ehrenbürger Manfred Knieß (Bürgermeister von 1970 bis 1996) – verwehrt. Den mitgebrachten Schmuckwedel nahm sie wieder mit. Die Zwiesprache mit dem Toten fand nicht statt.

Fast zwei Wochen später ist Irma Knieß beim Gespräch mit der Redaktion auf dem Friedhof noch immer aufgewühlt. Verzweiflung  und Ärger sind herauszuhören. "Jeder weiß über die Bedeutung der Jahreszeiten, nur der Sennfelder Gemeinderat nicht", sagt die 78-Jährige und zeigt auf den "furchtbaren" Bauzaun, der etwa 40 Grabstätten abschirmt. Auf diesen arbeitet der Bagger. Wege, Grabsteine und Umfassungen sind entfernt.   

"Pietätlos, herzlos und eine Missachtung des Toten und der Familie"
Irma Knieß

Von der Erneuerung des Friedhofs war sie informiert, auch von dem Zeitplan. Dass das Familiengrab t am Totensonntag abgeräumt war, wusste sie. Doch dass man die Baustelle selbst an diesem Gedenktag nicht betreten durfte, das  sei "pietätlos, herzlos und eine Missachtung des Toten und der Familie".

Hinter dem Bauzaun steht der Bagger auf den Grabstätten. Foto: Gerd Landgraf

Geärgert hatte sich die Frau schon kurz nach Allerheiligen, weil in der Abteilung des Friedhofs die Gestecke und sonstiger Schmuck abzuräumen waren. Doch das hatte Irma Knieß geschluckt. Schließlich hatte sie der Erneuerung zugestimmt, obwohl sie erst vor einem halben Jahr den Stein auf dem Grab ihres Manns neu hatte setzen lassen und das Grab auch ansonsten stets bestens gepflegt gewesen sei. Den Arbeiten für eine künftig wider würdige Gedenkstätte der Gemeinde habe sie nicht im Wege stehen wollen. Dies wäre auch ganz im Sinne ihres Manns gewesen, für den der Friedhof ein Park gewesen sei. 

Im Winter weniger Friedhofsbesucher

Die Renovierung des Friedhofs war noch unter Bürgermeister Emil Heinemann im Jahr 2017 unter der Beteiligung der Bevölkerung wie auch der Kirchengemeinden entschieden worden. Nachfolger Oliver Schulze hatte dann heuer die Pächter der Grabstätten in dem jetzt betroffenen Bereich nochmals zu einer Informationsveranstaltung eingeladen und auch über den Zeitplan informiert.  

Auf Nachfrage nannte Schulze die Gründe für den Baubeginn nach Allerheiligen: Weniger Friedhofsbesucher im Winter, Stillstand beim Wachstum der Bepflanzung, freie Kapazitäten der Mitarbeiter des Bauhofs, Arbeitsende rechtzeitig vor Ostern und damit vor der Pflanzperiode und die "bautechnischen Vorteile beim Giesen der neuen Streifenfundamente in der kalten Jahreszeit". Weil die alten und einzeln eingebrachten Fundamente verrutscht gewesen seien, wären die Arbeiten überhaupt erst nötig geworden. 

Bürgerbeteiligung zum "fairen Preis"

Künftig würden die Wege und Grabsteine nicht mehr einsinken, so Schulze, der auch an die schwierige Abstimmung der einzelnen Maßnahmen auf dem Friedhof erinnert. Befestigt wird der Platz hinter der Aussegnungshalle. Erstellt wird im Zuge der Erweiterung eine neue Urnenmauer und künftig wird eine Bestattung unter (sechs) Bäumen möglich sein.

An den Kosten für die Erneuerung werden die Pächter laut Bürgermeister Schulze zu einem "fairen Preis" beteiligt. 200 Euro verlangt die Gemeinde für die Entfernung, das Lagern und das neue Setzen der Grabsteine sowie die Neuanlage der Wege.

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