Niederwerrn

Abend der Bezirke: Schwerelos unterm Schwingenwappen

Ballett am Barren: Lea und Mara aus Niederbayern. Foto: Uwe Eichler

Auch wenn ein Scheibenwischer als Laserschwert dekoriert war, auf dem Parkplatz am Gemeindezentrum: Jedi-Kampfkunst a la "Star Wars" stand nicht auf dem Programm, beim ersten "Abend der Bezirke" eines Landesturnfests. Dafür gab es jede Menge Stars und aufgehende Sterne am bajuwarischen Turnerhimmel.

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Abend der Bezirke

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Bewirtet wurde die (sich wettkampfbedingt erst nach und nach füllende) Halle  vom "Dramatischen Verein Niederwerrn": Gelegenheit für die Landesteile, sich mal abseits des Streckens und Reckens nach Titeln oder Medaillen kennenzulernen. "Jetzt ist Halbzeit beim Landesturnfest" stellte Moderatorin Stefanie Stockinger-von Lackum fest, nach fränkischen Klängen von "Drüm Rüm". Die Blechblasmusiker aus Eckarts- und Rundelshausen hatten an diesem Abend einige Auftritte.

Zwischendurch gabs Franken-Beat von der Blechblas-Band Drüm Rüm. Foto: Uwe Eichler

Alfons Hölzl schaute für ein Grußwort vorbei, mit Dank an Oberbürgermeister, dem Turngau (geleitet von Klaus Rehberger) sowie den Turnbezirk Unterfranken, mit dem Vorsitzenden Günter Dietz. Der Präsident des Bayerischen Turnverbands stellte die Zukunftsfrage: "Wo sehen wir das Turnen im Jahr 2029?" Hölzl erinnerte unter anderem an die Digitalisierung der Wettkampf-Organisation. OB Sebastian Remelé hatte Dankesworte an die Mitgastgeber Grafenrheinfeld, Dittelbrunn und Niederwerrn dabei.  

OB: Zehntausende erleben die Schönheiten der Provinz

Zehntausende Besucher erlebten gerade die "Schönheiten der Provinz", warb der Schweinfurter Rathauschef: der am Freitag auf die größte Schuhgeschäftdichte Bayern verwies, bei der gleichzeitigen Shopping-Nacht. "Beim Landesturnfest sind Rekorde gebrochen worden" stellte ein zufriedener Günter Dietz fest, mit Besuchern auch aus den europäischen Nachbarländern.

Inklusions-Klänge: Die Zauberharfengruppe der OBA Schweinfurt war ebenfalls mit dabei. Foto: Uwe Eichler

Die Inklusion von Menschen mit Behinderung sollte, laut den Rednern, beim Turnfest groß geschrieben werden. Dazu passend begann das Programm mit Tischharfen-Klängen der Offenen Behinderten-Arbeit (OBA) der Diakonie Schweinfurt. Bevor der Bezirk Niederbayern in den Stütz ging, unterm Schwingenwappen der Werntalhgemeinde. Lea und Mara nannten sich die Sportlerinnen aus Altfraunhofen, gerade mal 15 Jahre jung und schon völlig schwerelos am Barren. Mit den Sportakrobaten der DJK TSV Kersbach (Oberfranken) zeigten frischgebackene Bayerische Meister ihr Können auf den Matten: Elias trug seine Akrobatik-Partnerin Sina buchstäblich auf Händen. Auch bei einem gelenkigen Turnerinnentrio ging es hoch hinaus.

Bedeutung der Vereine für Inklusion 

Bezirksrat Stefan Funk, als Gemeinde-Kämmerer a.D. mit der Schulturnhalle vertraut, brach noch einmal eine  Lanze für  Inklusion. Bevor Stadträtin und DJK-Chefin Stefanie Stockinger-von Lackum das Publikum dazu einlud, die Kiefermuskulatur zu trainieren: Zur Standmusik von "Drüm Rüm" gabs eine zünftige Winzerbrotzeit.

Die Volkacher Weinprinzessin Katharina Schmitt bewarb den Inhalt der Schoppengläser, vom Weingut Ebert. Danach war "Rope Skipping" angesagt, neudeutsch für "Seilspringen". Die Skip Munks aus dem mittelfränkischen Heilsbronn präsentierten ihre moderne Wettkampfsportart, mit wirbelnden, leuchtenden Seilen.

Leichtfüßig waren auch die "Pescesitos" am Start, die Schülertanzgruppe des TV Sand, im Alter zwischen acht und zwölf Jahren. Aus organisatorischen Gründen traten die "Passionate Skippers" des FC Stätzling früher an: die Seilspringer waren eigens für den Auftritt aus Augsburg angereist und sind auf dem Sprung zur WM in Oslo. Nach den schwungvollen Schwäbinnen waren biegsame Oberbayerinnen am Start: Die Jetzendorfer Talente begaben sich geradewegs vom Wettkampf der Bodenturner in die Pyramide.

Wortakrobat Peter Kuhn war Überraschungsgast des Abends. Foto: Uwe Eichler

"Kibotu" heißt der Kampfsport, den der Überraschungsgast des Abends mal praktiziert hat: Nach dem Kinderbodenturnen hat sich Peter Kuhn, bekannt von "Fastnacht in Franken", mehr auf Wortakrobatik und andere Spottarten spezialisiert. Der Büttenredner der "Schwarzen 11" sprach vielen aus der Seele, als er in Reimform für den ästhetischen, friedlichen Turnsport warb, im Vergleich zum alles dominierenden Fußball: "Rein optisch, Barren oder Reck, kommt Turnen sehr viel besser weg."

Trotz Tina Turner oder Gloria von Thurn und Taxis habe dieser Sport immer noch nicht den Glamour, den er verdiene.  "Frisch, fromm, fröhlich, frei": Aus dem Motto von Turnvater Jahn, der Bewegung auch in die Politik bringen wollte, sei bei heutigen Politikern ein "fad, feist, feige, feil" geworden: Nur ein Horst Seehofer springe als begnadeter Turner ständig von einer Position zu nächsten, fand Kuhn. Auch der Oberwerrner Karnevalist forderte mehr Inklusion: Voraussetzung sei "Barrierefreiheit im Gehirn" – bei den Menschen ohne Behinderung.  

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