Gerolzhofen

Absoluter Frühstart von Kröte und Molch

Der ungewöhnlich milde Februar und die fehlende Schneedecke haben zum Frühstart bei der Amphibienwanderung gesorgt. Nun werden in aller Eile die Schutzzäune aufgestellt.
In diesem Jahr hat die Wanderung der Amphibien zu ihren Laichgewässern ungewöhnlich früh begonnen. Der Grund sind die milden Nachttemperaturen und die fehlende Schneedecke.
In diesem Jahr hat die Wanderung der Amphibien zu ihren Laichgewässern ungewöhnlich früh begonnen. Der Grund sind die milden Nachttemperaturen und die fehlende Schneedecke. Foto: Patrick Pleul

Der außerordentlich milde und schneefreie Februar 2020 hat dieser Tage für einen ungewöhnlich frühen Start der Amphibienwanderung in der Region gesorgt. Davon wurden auch die Naturschützer überrascht, die nun in aller Eile an den bekannten Hauptwanderstellen die Schutzzäune aufstellen wollen. 

Montagabend, 17. Februar, gegen 20.30 Uhr: Es ist mit rund zehn Grad bei einem leichten Nieselregen für die Jahreszeit viel zu mild. Kurz nach dem Verkehrskreisel bei Kleinrheinfeld in Richtung Donnersdorf sitzen zahlreiche Amphibien auf der nassen Fahrbahn. Dann kommt eine Strecke von gut hundert Metern, die frei ist. Danach sind wieder mehrere Amphibien zu sehen. Viele sind bereits überfahren.

Unterirdische Tunnels

In diesem Bereich wurden beim Neubau der Strecke im Jahr 2017 im Bereich der Kreuzloch-Senke unter der Straße Krötentunnels eingebaut sowie seitlich an den Straßenrändern kleine Betonwände, die die seltenen und geschützten Tiere zu den Tunnels führen sollen. Denn hier im Bereich ist einer der Hotspots der Krötenwanderung im Landkreis, wenn sich die Amphibien aus dem Wald direkt rechts von der Straße auf den Weg zu ihrem Laichgebiet im Herrensee und im Höckersee bei Kleinrheinfeld aufmachen. Leider biegen nicht wenige der Tiere falsch ab, wenn sie auf die kleinen Betonwände treffen: Statt in Richtung Tunnel laufen sie in die "falsche" Richtung, bis die Wände schließlich enden, um dort dann die Straße in Richtung See zu überqueren. Oftmals mit tragischen Folgen.   

Mit Krötenzäunen und Fangeimern versuchen derzeit Tierfreunde den Molchen, Fröschen und Kröten bei der Wanderungen vom Winterversteck zu den Laichgewässern zu helfen. 
Mit Krötenzäunen und Fangeimern versuchen derzeit Tierfreunde den Molchen, Fröschen und Kröten bei der Wanderungen vom Winterversteck zu den Laichgewässern zu helfen.  Foto: Jens Büttner

Ab acht Grad geht es los

Dass es in diesem Jahr außerordentlich früh mit der Krötenwanderung begonnen hat, dies bestätigt auch Sonja Müller vom Bund Naturschutz, Kreisgruppe Schweinfurt. In den Jahren 2016 und 2017 hatte man auch schon im Februar, damals aber erst gegen Monatsende, die ersten Anwanderer registriert, dann wurde es aber wieder kalt und es ging erst in der zweiten März-Woche weiter. "Aber da waren es nicht gleich so viele wie in diesem Jahr." Die Wanderung habe heuer sehr früh begonnen. "Ich denke, sie waren die letzten Tage schon in den Startlöchern, da es für Februar einfach zu warm und schön feucht war. Und sobald es abends acht Grad und wärmer ist, machen sie sich auf den Weg."

Sonja Müller betreut einen anderen Hotspot der Amphibien-Wanderung im Landkreis: den Bereich an der Kreisstraße von Gochsheim kommend am Flugplatz bei Schwebheim. Am Faschingssonntag haben sie und Helfer dort 37 Kröten und am Rosenmontag nochmals 30 Tiere aufgesammelt und sicher über die Straße gebracht. "Leider steht noch kein Zaun und wir haben auch einige Verluste." Da sei es gut, dass es jetzt wieder deutlich kälter geworden ist. "So bleiben sie erst einmal ruhig im Wald." In Absprache mit dem Landratsamt Schweinfurt soll nun aber so schnell wie möglich, wohl Anfang nächster Woche, beim Flugplatz der Schutzzaun aufgebaut werden. Bei Wipfeld soll der Zaun noch in dieser Woche aufgestellt werden.

Schutzzäune aufgebaut

Im Landkreis Schweinfurt werden jährlich an den bekannten Amphibien-Hauptübergängen auf den Kreisstraßen bei Wipfeld, Gochsheim, am Ellertshäuser See und in Reichmannshausen vom Bauhof des Landkreis Schweinfurts nach Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde Zäune aufgebaut, teilt Uta Baumann, die Pressesprecherin des Landratsamts Schweinfurt, auf Anfrage dieser Redaktion mit. Ehrenamtliche Ortsgruppen betreuen die aufgestellten Zäune mit täglichen Kontrollen morgens und abends. Zusätzlich zu den Zäunen werden in Kooperation mit den Gemeinden teilweise Straßen während der Amphibienwanderung auch ganz gesperrt.

Jedoch muss auch an die Helfer gedacht werden, die sich beim Sammeln, meist in der Dämmerung, an der Straße bewegen und diese mehrmals queren müssen. Daher hat das Landratsamt für die Zeit zwischen abends 20 Uhr und 10 Uhr am Morgen an den Amphibienübergängen ein Tempolimit von 50 km/h angeordnet. Das Landratsamt appelliert an die Vernunft der Straßenverkehrsteilnehmer, sich an das Tempolimit zu halten, um die ehrenamtlichen Helfer nicht zu gefährden.

So früh war es noch nie

Am Landratsamt in Schweinfurt wird auch Statistik geführt, wann die Krötenwanderung in den vergangenen Jahren eingesetzt hat. Uta Baumann hat die Daten zur Verfügung gestellt: 2015 war es am 10. März, ein Jahr später am 16. März und in 2017 war es am 4. März. In den Jahren 2007 und 2014 startete die Wanderung auch schon mal Ende Februar, und zwar am 25. und am 27. Februar. Dass die Amphibien aber schon Anfang bis Mitte Februar unterwegs waren, ist aus den vorliegenden Daten nicht ersichtlich.  

Von einem bundesweit sehr frühen Start der Wandersaison bei Kröten, Fröschen und Lurchen berichtet auch der Naturschutzbund Deutschland auf seiner Homepage. Schon in der Nacht zum 1. Februar sei es im Tal der Mosel zu ungewöhnlichen starken Wanderungen gekommen.  Mit dem kurzfristigen Auf und Ab der nächtlichen Temperaturen verlaufe die Krötenwanderung derzeit wie in Wellenbewegungen. Mit der momentanen Kühle ist die Wanderung praktisch zum Erliegen gekommen.

Rückblick

  1. Fridays For Future: Spontan-Aktion in der Würzburger Innenstadt
  2. Estenfeld im Zentrum des Unwetters - 41 Feuerwehreinsätze
  3. Umfrage: Wie wirkt der Klimawandel auf Tiere und Pflanzen?
  4. Protest für den Ausbau der Windenergie
  5. Trockenheit: Gerolzhöfer Landwirte müssen umdenken
  6. Trockenheit bei GEO: Kiefer und Fichte sehen verheerend aus
  7. Regen in Unterfranken: Reichen die Niederschläge aus?
  8. Klimawandel: Leiden Allergiker jetzt früher?
  9. Trockenheit im April: Reicht der Natur das Grundwasser?
  10. Vorsicht vor hoher Waldbrandgefahr in Unterfranken
  11. Rußrindenkranheit: Kranke Ahornbäume werden entfernt
  12. Absoluter Frühstart von Kröte und Molch
  13. Trockenheit: Die Quellen in Gerolzhofen tröpfeln nur noch
  14. Regen in Unterfranken: Haben wir jetzt wieder genug Grundwasser?
  15. Schweinfurt: Fachtagung zur Klimakrise in Unterfranken
  16. Handwerk: Jeder zweite Betrieb in der Region macht Ökostrom
  17. Klimawandel stresst den Rhöner Wald
  18. Der Speierling bei Gerolzhofen: Ein wahrer Durstkünstler
  19. Umgehen mit dem Klimawandel: Was kann der einzelne Rhöner tun?
  20. Flugreisen: Was der Preis für mein schlechtes Gewissen ist
  21. Streit um Klima-Notstand: Grüne kämpfen für ihren Antrag
  22. Kommentar: Jetzt sind die Fronten geklärt
  23. Klimawandel: Geht Unterfranken schon 2035 das Wasser aus?
  24. Kampf gegen Klimawandel: Warum die Firma Memo nicht wartet
  25. Klimawandel: Was wird aus dem Mythos deutscher Wald?
  26. Klimaschutz: Warum er für Schweinfurt eine zentrale Aufgabe ist
  27. Klimawandel in Franken: Wird die Melone die neue Zuckerrübe?
  28. Hitzschläge und Denguefieber: Welche Krankheiten drohen uns?
  29. Fridays For Future: So viele kamen zur Würzburger Klima-Demo
  30. Käferplage im Landkreis Würzburg: Tausende Tiere schocken Landwirt
  31. Fridays for Future: Hier wird heute in Unterfranken für das Klima gestreikt
  32. Klimaschutz: Wie Unternehmen von einem Coaching profitieren
  33. Warum ein Förster trotz Klimawandel auf heimisches Holz setzt
  34. 8 Fakten: Wie schädlich ist unser Fleischkonsum für das Klima?
  35. Waldschäden: Im April zeigt sich die ganze Wahrheit
  36. Parents for Future: Jetzt wollen die Eltern das Klima retten
  37. Weltweiter Wald-TÜV: Der Startschuss fiel in Würzburg
  38. Schweinfurt setzt beim Klimaschutz auch auf Photovoltaik
  39. Im Mahlholz: Das Baumsterben nimmt kein Ende
  40. Reinhold Messner: "Greta Thunberg ist nicht mein Star"
  41. Regional und saisonal: So geht klimafreundliche Ernährung
  42. Klimawandel: Warum die nächste Eiszeit sicher kommt - und wann
  43. Quiz: Welche Tiere kommen neu zu uns und welche verschwinden?
  44. Aus Afrika oder Asien: Diese Tiere lockt das Klima zu uns
  45. Wie sich Wein und Winzer dem Klimawandel anpassen
  46. Mainfranken ist ein Hotspot des Klimawandels
  47. Klimawandel: So will eine Unterfränkin die Welt retten
  48. Ökosystem in Gefahr: Zigeunersee sitzt auf dem Trockenen
  49. 2000 Kinder in Karlstadt für Nachhaltigkeit auf der Straße
  50. Warum der Würzburger Stadtrat das Klimaversprechen vertagt hat

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Gerolzhofen
  • Klaus Vogt
  • Bund Naturschutz Kreisgruppe Schweinfurt
  • Ellertshäuser See
  • Frühstarts
  • Klimawandel
  • Naturschutz
  • Naturschutzbehörden
  • Naturschutzbund Deutschland
  • Naturschützer
  • Tunnel
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!