SCHWEINFURT

Albrecht Dürer steht im Mittelpunkt

Hochwertiges Stück aus der Sammlung Otto Schäfer: „Der heilige Hieronymus im Gehäuse“, ein Kupferstich von Albrecht Dürer (1513).
Hochwertiges Stück aus der Sammlung Otto Schäfer: „Der heilige Hieronymus im Gehäuse“, ein Kupferstich von Albrecht Dürer (1513). Foto: Museum Otto Schäfer

Für Otto G. Schäfer (79) ist das ein sehr emotionaler Moment. Die Sammlung, die sein Vater Otto aufgebaut hat, die ihn sein Leben lang begleitet hat, geht als Schenkung an die Stadt Schweinfurt. Dafür haben er und der Verein „Dr. Otto-Schäfer-Stiftung“ die Weichen gestellt.

Zum Geschenkpaket gehören eine einzigartige Sammlung mit Dürer-Werken, 321 Einzelblätter genau. „Jedes Blatt ist weltweit bekannt“, sagt Schäfer. Darunter so berühmte Sachen wie „Ritter, Tod und Teufel.“ Und natürlich Bücher, schließlich ist der Grundstock des Museums die Bibliothek Otto Schäfer. Und antikes Glas.

Schenkung umfasst gut 35 000 Werke

Es geht um gut 35 000 Werke. Grafiken, Stiche, Bücher, Kataloge. Große Namen sind vertreten. Michael Wolgemut, Hans Baldung Grien, Lucas Cranach d.Ä., Hans Holbein d.J., Matthäus Merian d.Ä., Caspar David Friedrich, Adolph Menzel, Max Slevogt, Lovis Corinth oder Aristide Maillol zum Beispiel. Unter den Erstausgaben sind Werke von Lessing, Wieland, Goethe.

Otto G. Schäfer und seine Vorstandskollegen Hans-Jürgen Ditges und Wolfgang Schineis wünschen sich vor allem, dass all diese Werke die Aufmerksamkeit bekommen, die sie eigentlich verdienen – und in Schweinfurt bleiben. Das Museum, in einem Wohngebiet gelegen, ist trotz seiner Bedeutung kein Besuchermagnet, eher ein Geheimtipp. Das soll sich ändern durch Synergien mit den anderen Museen der Stadt.

Hochwertiges Stück aus der Sammlung Otto Schäfer: „Der heilige Hieronymus im Gehäuse“, ein Kupferstich von Albrecht Dürer (1513).
Hochwertiges Stück aus der Sammlung Otto Schäfer: „Der heilige Hieronymus im Gehäuse“, ein Kupferstich von Albrecht Dürer (1513). Foto: Museum Otto Schäfer

Kunst, die im Keller liegt, nützt niemandem“, sagt Schäfer. „In Zusammenarbeit ist es leichter, die Dinge in Bewegung zu halten“. Die Schenkung beinhaltet nicht nur die Sammlung, sondern auch das Museumsgebäude und fünf Millionen aus dem Stiftungsvermögen. Für Unterhalt und Präsentation der Sammlung will die Stadt kein eigenes Geld investieren, so OB Sebastian Remelé. Mit der Schenkung sieht er den Kulturstandort Schweinfurt langfristig gefestigt, spricht von einer „großen, großen Geste.“

Stadt plant eigene Stiftung

Geplant ist eine stadteigene Stiftung, in der auch ein Vertreter der Familie Schäfer sitzen würde. Es wäre durchaus möglich, die Sammlung durch Zukauf oder Verkauf zu ändern. 2015 hatte das Museum für Schlagzeilen gesorgt, als ein größerer Posten Bücher verkauft worden war.Die Dürer-Sammlung ist allerdings unantastbar, muss zusammenbleiben. Läuft alles wie geplant, könnte die Sammlung 2017 in das Eigentum der Stadt übergehen.

Schäfer beobachtet mit Wehmut, dass für viele Menschen Kultur keine Herzenssache mehr ist. Warum sich vor eine Grafik stellen, sie genau beobachten, wenn das im Internet auch geht? „Früher sind Leute aus Australien gekommen, um die Gutenberg-Bibel zu sehen“. „Die kommen nicht mehr“.

Schäfer erinnert sich an interessante Begegnungen im Museum, an Besucher aus verschiedensten Schichten. Sein Vater wollte den Leuten ermöglichen, Zugang zu seinen Schätzen zu haben. Oder wie er es sagt: im Bereich einer Gemeinde, die unser Leben war.

Otto Schäfer, der wohl nicht umsonst heute eine Krawatte mit Buch-Motiv trägt, sieht es mit Sorge, dass Bildung, Lesen, nicht mehr den Wert hat, der ihm vermittelt wurde. „Man müsste die Leute dazu bringen, mal was zu lesen“.

Um zu spüren, welche Macht das Wort hat, gäbe es wohl keinen geeigneteren Ort als das Museum Otto Schäfer. Oder auch um zu erfahren, worauf Werte beruhen, oder was die Grundfesten von Demokratie sind.

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