Gerolzhofen

Allerheiligen: Gedenke, endlich zu leben

Bei einer ökumenischen Feier haben an Allerheiligen Hunderte Gerolzhöfer ihren Verstorbenen gedacht. Der neue Bereich für Baumbestattungen erhielt den kirchlichen Segen.
Pfarrer Stefan Mai segnete an Allerheiligen den neu erweiterten Urnenhain auf dem Gerolzhöfer Friedhof.
Pfarrer Stefan Mai segnete an Allerheiligen den neu erweiterten Urnenhain auf dem Gerolzhöfer Friedhof. Foto: Klaus Vogt

Nach einer kurzen Andacht in der Stadtpfarrkirche traf unter den Klängen der Stadtkapelle Gerolzhofen am Freitagnachmittag die Prozession der Katholiken mit Pfarrer Stefan Mai auf dem städtischen Friedhof ein, wo sie schon vom evangelischen Pfarrer Reiner Apel vor der Leichenhalle erwartet wurden. Mehrere Hundert Gerolzhöfer und ehemalige Gerolzhöfer, die zu den Gräbern ihrer Ahnen zurückgekehrt waren, nahmen an Allerheiligen am ökumenischen Totengedenken teil.

Pfarrer Apel sagte, man wolle an diesem Nachmittag nicht nur den lieben verstorbenen Verwandten und Freunden gedenken, sondern auch all jenen, an die inzwischen niemand mehr denkt.

Der Friedhof mache uns immer bewusst, dass das Leben endlich und begrenzt sei, betonte Pfarrer Mai. "Ich kann das 'endlich' aber noch anders verstehen als nur, dass das Leben begrenzt ist und einmal zu Ende geht", sagte Mai. Man könne es auch als einen Weckruf verstehen, endlich zu leben. "Mach etwas aus deinem Leben. Lass es nicht einfach so dahinplätschern, nutze deine Lebenszeit, entfalte das, was dir im Leben mitgegeben wurde in deiner begrenzten Lebenszeit." Je mehr uns dies bewusst werde, so der Pfarrer, umso mehr könne man wirklich leben. Bewusst, dankbar, aufmerksam. Im endlichen Leben endlich leben. Memento mori heiße immer zugleich Memento vivere. Dieses "Gedenke, dass du sterblich bist" sei zugleich die Aufforderung "Nutze die Zeit deines Lebens, die dir zur Verfügung steht".

Das Totengedenken an Allerheiligen wird in Gerolzhofen in guter Tradition immer ökumenisch gestaltet.
Das Totengedenken an Allerheiligen wird in Gerolzhofen in guter Tradition immer ökumenisch gestaltet. Foto: Klaus Vogt

Es gehört in Gerolzhofen auch zur Tradition, dass die Namen und der Todestag der katholischen und evangelischen Christen verlesen werden, die seit dem Allerheiligentag 2018 in Gerolzhofen gestorben sind. Die beiden Lektorinnen Claudia Vogt und Brigitte Wozniak erinnerten an über 90 Personen. 

Baumfeld gesegnet

Im Rahmen der traditionellen Gräbersegnung wurde auch das neue Baumfeld gesegnet, das in den vergangenen Monaten von der Stadtgärtnerei angelegt worden ist. Mit schwerem Gerät waren im östlichen Teil des Friedhofs, der eigentlich ursprünglich für Sargbestattungen vorgesehen war und wegen der stark zunehmenden Zahl von Urnenbestattungen nun aber nicht mehr benötigt wird, zunächst die Betonfundamente herausgebrochen worden, auf denen die Grabsteine hätten stehen sollen. Es wurde auch einige Umbettungen von bestehenden Bestattungen mit Einverständnis der Hinterbliebenen auf Kosten der Stadt vorgenommen. Dann wurden nach einem Entwurf von Landschaftsgärtner Michael Finster, Mitarbeiter in der Stadtgärtnerei, an einem geschwungenen Weg acht verschiedene Bäume (zum Beispiel Spitzahorn, Magnolien, Säulen-Hainbuche, Eisenholzbaum, Tulpenbaum und Judasbaum) gesetzt, unter denen künftig rund 60 Urnen Platz finden werden. Wenn der bisherige Platz für Baumbestattungen an der Kaplan-Jäger-Straße belegt ist, wird das neue Areal genutzt. 

Orte tiefer Emotionen

Der Umgang mit der Trauerkultur sage viel über eine Gesellschaft aus, betonte Bürgermeister Thorsten Wozniak in einer kurzen Ansprache. Friedhöfe seien Orte tiefer Emotionen und Erinnerungen, aber auch Orte der Begegnung, und würden daher eine sensible Gestaltung erfordern. In den vergangenen Jahren habe sich ein Wandel bei den Bestattungsformen vollzogen. Der Wunsch, unter einem Baum bestattet zu werden, nehme zu. Deshalb habe die Stadt reagiert und einen Urnenhain angelegt.

Die bestehenden Friedwälder hätten den Nachteil, dass sie meist weit weg und gerade für ältere Hinterbliebene ohne eigenes Fahrzeug nur schwer zu erreichen seien. Der Urnenhain auf dem städtischen Friedhof hingegen befinde sich im Herzen der Stadt, dort, wo die Menschen leben, sagte der Bürgermeister. Bewusst habe man sich seitens des Friedhof-Arbeitskreises auch dafür entscheiden, dass die Urnenplätze – im Gegensatz zu den Friedwäldern – mit dem Namen der Verstorbenen gekennzeichnet sind. Denn: "Trauer braucht einen festen Platz."

Tausende Kerzen brennen an Allerheiligen auf dem Gerolzhöfer Friedhof.
Tausende Kerzen brennen an Allerheiligen auf dem Gerolzhöfer Friedhof. Foto: Waldemar Wiederer

Friedhof ist eine Visitenkarte der Stadt

Es sei aus seiner Sicht sehr bemerkenswert, so Wozniak, dass beide christliche Kirchen und die Stadt sehr eng bei der Gestaltung des Friedhofs zusammenarbeiten. Aber auch andere Religionen würden nicht vergessen. So sei beispielsweise ein separater Bereich für muslimische Bestattungen in Vorbereitung. "Der Zustand des Friedhofs ist eine Visitenkarte der Stadt", sagte Wozniak abschließend. Diesem Anspruch werde man auch in naher Zukunft gerecht, wenn im kommenden Jahr die Sanierung der Leichenhalle angegangen wird.

Anschließend zogen Pfarrer Stefan Mai und sein evangelischer Amtsbruder Reiner Apel gemeinsam mit dem Bürgermeister und dem Gestalter Michael Finster zum neuen Urnenfeld. Pfarrer Mai segnete es mit Weihwasser.

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