Schweinfurt

Alles andere als altbacken - der Beruf der Hauswirtschafterin

Die Qualifizierung in der Hauswirtschaft ermöglicht viele Berufswege und erweist sich als zukunftsfähig. Und Spaß macht das auch.
Die angehende Hauswirtschafterin Diana Mußbach beim Kochen. Foto: Klaudia Schwarz

Schon in den 1970-er Jahren besang Johanna von Koczian ironisch "das bisschen Haushalt". "Das bisschen Haushalt macht sich von allein, das bisschen Haushalt kann so schlimm nicht sein". Die meisten Menschen rutschen ja auch einfach so rein, in das "bisschen Haushalt", nie haben sie es wirklich gelernt. Aber Haushaltsführung ist durchaus ein Beruf, den man erlernen kann und der alles andere als "ein bisschen" ist.

Die Hauswirtschaft, ein Begriff, der so altbacken daherkommt, ist heute ein Ausbildungsberuf mit Zukunftsaussichten. In Deutschland arbeiten zirka 202 000 Menschen in hauswirtschaftlichen Berufen. Infolge der gesellschaftlichen Veränderungen wird der Bedarf in den nächsten Jahren um rund 40 Prozent steigen, weiß Klaudia Schwarz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).

In Bayern bietet die AELF die nebenberufliche Ausbildung zur Hauswirtschafterin an. Diese, oder eine artverwandte Qualifikation, ist die Voraussetzung um sich als Meisterin der Hauswirtschaft weiter zu qualifizieren. Der erfolgreiche Abschluss der Meisterprüfung befähigt zur Führung der hauswirtschaftlichen Dienstleistungen in sozialen Einrichtungen wie Altenheimen, Krankenhäusern, Kinder-, Jugend und Behinderteneinrichtungen.

Die angehende Hauswirtschafterin Petra Schneider beim Kochen. Foto: Klaudia Schwarz

16 Frauen haben sich heuer nach zweijähriger Ausbildung als Hauswirtschafterinnen qualifiziert, sie kommen aus Deutschland, Rumänien, Ghana der Ukraine, erlernten Berufe wie Landwirtin, Floristin, Bürokauffrau oder Schreinerin. Jede hat ihre eigene Geschichte, dennoch so Schwarz verbindet die meisten, dass sie nach Erziehungs- oder Umbruchzeiten eine neue qualifizierte Tätigkeit suchen. "Wir sehen den Lehrgang als Bildungschance für Frauen im ländlichen Raum." Edith Marx beispielsweise hatte Schreinerin gelernt. Für einen Arbeitsplatz aber stand ihr wohl ihr Geschlecht im Weg. Sie erinnert sich, dass ein Arbeitgeber nach dem Vorstellungsgespräch gesagt habe, er wollte nur mal die Frau auf dem Bild kennenlernen. Nach einem sozialen Jahr wollte sie eigentlich soziale Arbeit studieren, aber dann kamen die Kinder und die gingen vor. Dank der Qualifizierung als Hauswirtschafterin bekam sie jetzt einen Job bei der Tagespflege der Arbeiterwohlfahrt in Schonungen.

Ein vielschichtiger Beruf

Karin Zeidner arbeitet bereits als Haushaltshilfe, sie wollte vor allem ihre Kenntnisse erweitern. Mit dieser Weiterbildung habe sie jetzt aber auch das Recht auf mehr Lohn, meint Schwarz und betont, es ginge ja nicht nur darum den Haushalt zu schmeißen. Hauswirtschafterinnen brauchen Verantwortungsbewusstsein, Organisationstalent und Fachwissen in Theorie und Praxis, aber auch Sozialkompetenz. Der Beruf ist vielschichtig. "Sie kann in der Küche ebenso gut arbeiten wie in der Wäscherei", erklärt Schwarz.

Diana Mußbach will auf alle Fälle die Meisterausbildung anhängen, dabei hat die junge Frau schon einige gemeistert. Sie ist gelernte Hotelfachfrau und hat die Ausbildung zur Landwirtin absolviert. Nachdem eine Lehrerin meinte, sie sehe sie ehr in der Hauswirtschaft, hat sie diese Qualifikation nun auch gemacht. Mußbach hat zuhause drei Kinder einen Pflegefall und einen großen Garten. "Manchmal frage ich mich auch, wo die Zeit herkam, aber es ging", stellt sie fest. Wenn sie erst einmal Hauswirtschaftsmeisterin ist, dann würde sie sich gerne einen Traum erfüllen: "Vielleicht mach‘ ich mich dann selbständig, gebe Koch- und Backkurse und eröffne ein Hofcafe".

Auch Bügeln will gelernt sein, im Bild übt Edith Marx. Foto: Klaudia Schwarz

Die gelernte Bürokauffrau Maria Wöber sieht ihre Zukunft nach dem Kurs eher in der Haushaltsunterstützung für ältere Menschen. Das so Schwarz werde in Zukunft ein großes Aufgabenfeld werden. Die Menschen würden immer älter und um so lange wie möglich selbständig bleiben zu können bräuchten sie oft fachliche Unterstützung. Aber auch im stationären Bereich seien Hauswirtschafterinnen gefragt, ebenso wie beispielsweise bei der Unterstützung Alleinerziehender. Sie ist sicher: "Dieser Dienstleistungssektor entwickelt sich zu einem Wachstumsmarkt der Zukunft."

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