SCHWEINFURT

Alles bestens im artenreichsten Zirkus

Tigermädchen Bella: Die „Kleine“, acht Monate jung, genießt die Streicheleinheiten von Dompteur Alex Lacey, Dr. Annegreth Löcher und Dr. Hermann Stein (von links). Hier kontrollieren die beiden Amtstierärzte mit einem Gerät den Chip unter der Haut der Raubkatze, eine Art Personalausweis. Foto: Waltraud Fuchs-Mauder

Im gedämmten Manegenlicht steht Alex Lacey mit einem Stock in jeder Hand, acht Löwen und Tiger im Halbkreis vor ihm auf ihren Podesten. Die großen Raubkatzen sind ruhig, abwartend. Ein leises Knurren von der rechten Seite beendet der Dompteur mit einem einzigen, bestimmten „Maria!“. Ein Tier nach dem anderen beordert er in die Mitte, nur indem er den Namen ruft und ihnen Zeichen mit seinen Stöcken gibt. Auf die gleiche Weise animiert er die Großkatzen, sich im Sitzen aufzurichten und dire Tatzen in die Höhe zu recken.

Einer braucht eine Extra-Einladung. Masai, der einzige Löwenpascha in der Show, reagiert nicht. Axel Lacey muss ihm eine Weile gut zureden, bis er sich auch zum Männchenmachen bequemt. „Hold, hold hold“, ruft der Raubtierbändiger, animiert so seine Schützlinge, noch ein bisschen länger oben zu bleiben – und holt sie durch einen weiteren Zuruf wieder auf den Boden der Manege zurück.

Laceys ständiges Reden scheint die Tiere zu beruhigen, der Trainer kann ihnen sogar den Rücken zukehren, ohne dass sie sich von der Stelle bewegen. Doch dann wird Maria wieder unruhig, schenkt Laceys Befehlen keine Beachtung mehr. „Maria, stop i!“, „Hold your Platz“, „Good girly, brav“ redet er auf die Tigerin mit ihren eigenen Vorstellungen vom Ablauf der Zirkusnummer ein. Endlich ist auch Maria willig – und tritt zurück in die Linie.

Die Amtstierärzte Dr. Hermann Stein und Dr. Annegreth Löcher verfolgen Laceys Training in der Manege der Zirkus Charles Knie, derzeit auf dem Volksfestplatz, mit großem Interesse. Ihnen ist wichtig, zu beobachten, wie der Dompteur mit den Tieren arbeitet, sie anspricht. Die Amtstierärzte sind angetan von Laceys Vorführung. Die „geistige Forderung und Beschäftigung durch das Training“ sei für die Raubkatzen im Zirkus ein großer Vorteil gegenüber ihren Artgenossen im Zoo, wo dies nicht in diesem Umfang stattfindet. Darin sind sich Stein und Sascha Grodotzki, Pressesprecher des Zirkus, einig. Beide Veterinäre werden auch die reguläre Zirkusvorstellung besuchen und die Auftritte der Zirkustiere kontrollieren. Eine reine Zurschaustellung von Tieren wäre gegen die Zirkusleitlinien, „rollende Zoos“ seien verboten, sagt Stein.

Hauptaufgabe der Amtstierärzte des Veterinäramts ist die Inaugenscheinnahme der Tiere und ihrer Gehege. Die Ergebnisse, vor allem eventuelle Beanstandungen, werden registriert. Bei den Raubkatzen beginnt der Rundgang. 16 Tiger, Löwen und ein Leopardenbaby, in der neunten beziehungsweise zehnten Generation im Zirkus, sind vorschriftsmäßig untergebracht: mit sonnigen und schattigen Plätzen und freiem Zugang zum Außengehege.

Auch gegen die Unterbringung der Zirkuspferde haben die Veterinäre nichts einzuwenden. Als nächstes fällt ihr Blick auf eine Handvoll Kamele in ihrem überdachten Außengehege. „Alles in Ordnung“, befinden die Tierärzte. Ein schottisches Hochlandrind, zwei weiße Artgenossen, die Lamas, Zebras, Vogelsträuße, Nandus, ein Riesenkänguru und alle anderen Mitglieder dieses mit seinen rund 105 Tieren „artenreichsten Zoos Europas“ – die Tierärzte vom Landratsamt Schweinfurt sind angetan von den Bedingungen, unter denen sie im Zirkus Charles Knie leben und arbeiten.

Der Zirkus hat nichts zu verbergen, sagt sein Pressesprecher. Jede Frage der Veterinäre wird geduldig beantwortet, Tier- und Impfpässe der Großkatzen sind vorhanden. Hermann Stein ist wichtig, wie die Tiere wirken. Hier machen sie einen gelassenen Eindruck, in allen Nuancen. Der Tigernachwuchs noch etwas verspielt, der Kakadu neugierig und der Seelöwe die Gelassenheit in Person- Mit halbgeöffnetem linken Auge nimmt er den Besuch zur Kenntnis, das muss reichen.

Im Außenbereich gibt es schattige Stellen, wenn nötig auch Holz zum Spielen. Dies und die Wasserbecken seien besonders wichtig für das Wohlbefinden der Tiere, sagt Stein. Auch böten die freizugänglichen Transportwägen genügend Rückzugsraum, damit keine unnötige Aggressivität aufkommen könne. Nach dem Rundgang vergleicht der Doktor noch den Bestand, um etwaigen Tierhandel zu bemerken.

Den Amtstierärztlichen Prüfbericht füllt der Veterinär nach der Nachmittagsvorstellung aus, um auch den Umgang mit den Tieren in der Manege offiziell zu beurteilen. Eine Kopie liegt dieser Zeitung vor. Grodotzki hat sie nach Erhalt des Ergebnisses zugesandt. Er will völlige Transparenz demonstrieren und damit sagen: Unseren Tieren geht's gut hier. Tatsächlich : Keinerlei Beanstandungen, dafür sachverständiges Lob, auch für die Kooperation.

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