Schweinfurt

Alltagshelden: "Für Müllmänner gibt es kein Home Office"

Sie sind Helden des Alltags: In einer Serie stellen wir Menschen vor, die das öffentliche Leben aufrecht erhalten. Heute: Müllwerker Christian Medig aus Schweinfurt.
Der Müllwerker Christian Meding muss sich auch in Coronazeiten um die Abfallentsorgung kümmern.
Der Müllwerker Christian Meding muss sich auch in Coronazeiten um die Abfallentsorgung kümmern. Foto: Nicolas Bettinger

Christian Medig arbeitet seit fünf Jahren als Müllmann, offiziell Müllwerker, in Schweinfurt. Für ihn ist die Arbeit mit Beginn der Corona-Krise nicht weniger geworden. Außerdem, sagt der 41-jährige Familienvater, herrscht ein anderes Gefühl als sonst. Mit drei Kollegen bildet er ein Müllabfuhr-Team und dabei ist es schwer, sich aus dem Weg zu gehen. Sollte sich einer infizieren, dann muss die ganze Gruppe in Quarantäne.

Normalität auf der Arbeit sorgt für gutes Gefühl

Medig erzählt von seinem Alltag in der Corona-Krise: "Gegen 5.45 Uhr beginnt unsere Schicht, wir fahren dann raus und merken schon, dass die Straßen einfach leerer sind. Dadurch kommen wir zwar besser durch. Man merkt aber, dass die Mülltonnen schwerer sind. Durch die Schließung des Wertstoffhofs, landet jetzt mehr im Restmüll. Die Leute sind zudem einfach mehr zuhause, kochen und essen dort mehr und haben dann auch mehr Müll.

Für Müllmänner gibt es kein Home Office. Um ehrlich zu sein, bin ich aber sehr froh, nach draußen zu dürfen und normal weiter arbeiten zu können. Wir verstehen uns im Team gut, die Arbeit läuft recht normal und das tut gut. Hier bekomme ich den Kopf frei und muss mich nicht ständig mit der Krise beschäftigen. Das ungute Gefühl aufgrund der Krise kommt spätestens, wenn die Arbeit beendet ist. Aber auch währenddessen stelle ich mir oft die Frage: Ist zuhause bei meiner Frau und den zwei Kindern alles in Ordnung?

Auch wenn wir die Müllentsorgung in dieser Krisenzeit ganz normal aufrecht erhalten, gibt es kaum Rückmeldungen oder Dankbarkeitsbekundungen der Bürger. Was wir machen, wird als selbstverständlich gesehen, auf der Abfallentsorgung wird schon auch manchmal rumgehackt. Wir wollen aber auch keinen Applaus, wir machen einfach unsere Arbeit, und das auch gerne. Wir haben  allerdings auch schon bunte Zettel auf den Mülltonnen entdeckt mit der Aufschrift 'Vielen Dank'. Das freut uns natürlich."

Lesen Sie auch: Was Familien zu Corona wissen sollten

In unserer Serie "Alltagshelden" stellen wir Menschen aus der Region vor, die täglich ihr Bestes geben, um das öffentliche Leben trotz der Corona-Krise aufrecht zu erhalten. Viele können nicht von Zuhause aus arbeiten und müssen sich deswegen täglich neuen Herausforderungen stellen. Ein großes Dankeschön dafür!

Rückblick

  1. Alltagshelden: Medikamente und Blumen kommen mit dem Rad
  2. Alltagshelden: "Das Tragen der Maske wird zum Automatismus"
  3. Alltagshelden: Wichtige Corona-Informationen auf Arabisch
  4. Alltagshelden: In der Apotheke ist man erster Ansprechpartner
  5. Alltagshelden: "Plötzlich sind wir Berufskraftfahrer wichtig"
  6. Alltagshelden: Gemischte Gefühle an der Metzgertheke
  7. Alltagshelden: Polizeichef Stefan Schwind erklärt und berät
  8. Alltagshelden: Mitarbeiter am Bürgertelefon haben ein offenes Ohr
  9. Alltagshelden: "Für Müllmänner gibt es kein Home Office"
  10. Alltagshelden: Im Gesundheitsamt arbeite man "bis zur Erschöpfung"
  11. Alltagshelden: Fehlende Erntehelfer machen Landwirten Sorgen
  12. Alltagshelden: In der Arztpraxis ändert sich jeden Tag etwas
  13. Alltagshelden: An Feierabend ist in der Notaufnahme schwer zu denken
  14. Alltagshelden: Erschwerte Bedingungen für die Feuerwehr durch Corona
  15. Alltagshelden: Der anstrengende Corona-Alltag in einer Praxis
  16. Alltagshelden: Notfallsanitäter ärgert sich über die Unbelehrbaren
  17. Alltagshelden: Umgehen mit der Anspannung im Pflegedienst
  18. Alltagshelden: Hinter einer Plexiglasscheibe an der Kasse
  19. Alltagshelden: Die Corona-Krise hinter der Bäckertheke
  20. Alltagshelden: Gedränge in der Post-Filiale
  21. Alltagshelden: Wie eine Krankenschwester die Coronakrise erlebt

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Schweinfurt
  • Nicolas Bettinger
  • Abfall
  • Abfallbeseitigung
  • Alltagshelden
  • Bürger
  • Emotion und Gefühl
  • Kinder und Jugendliche
  • Krisen
  • Krisenzeiten
  • Öffentlichkeit
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
3 3
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!