Alte Schlösser, alte Techniken

Mit Vorführungen von heute zum Teil fast ausgestorbenen Handwerkskünsten wurden in Oberschwarzach die Besucher unterhalten.
Altes Handwerk: Edwin Kraus aus Sand am Main zeigte die Korbflechterei. Foto: Alle Matthias Beck

Der Tag des offenen Denkmals lockte auch in diesem Jahr zahlreiche Besucher aus nah und fern in historische Gebäude der Umgebung. Aus der Region Gerolzhofen waren die Schlösser Zeilitzheim, Sulzheim und Oberschwarzach zu besichtigen. Und gerade bei letzterer Veranstaltung gab man sich große Mühe, dem diesjährigen Thema „Handwerk, Technik, Industrie“ gerecht zu werden.

Das fing bereits im Gottesdienst in der Pfarrkirche Sankt Peter und Paul an. Pfarrer Wilhelm Schmitt beleuchtete in seiner Predigt ethisch-religiöse Aspekte des Mottos. Denn der Tag des Denkmals wolle einem nicht nur Denkmäler nahebringen, sondern einem auch das Leben der Menschen vor Augen führen. Arbeit im Handwerk könne anstrengend und gefährlich sein und in der Industrie werde die Arbeit des Menschen vielfach von Robotern und Computern ersetzt.

Angesichts der vor allem psychischen Belastungen in der modernen Arbeitswelt müsse es auch Luft zum Atmen geben, so Pfarrer Schmitt. Nach Adolph Kolping sei der Mensch mehr als seine Arbeit. Zudem verliehen dem Menschen nicht Freiheit und Selbstverwirklichung Würde, sondern Gott. Menschen brauchten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern lebten vom liebevollen Angenommensein und vom Respekt. Und Kinder brauchten nicht nur Bildung, sondern auch Werte.

Nach dem Gottesdienst lud der Förderverein Schloss Oberschwarzach in und ans Schloss ein. Und dem diesjährigen Thema wurde man mit Vorführungen von sechs Handwerkern im Schlosshof gerecht. Zu diesen gehörte die Besen- und Bürstenmacherin Kerstin Weber aus Haßfurt. Sie stellte Wasch- und Gemüse-, Schuh- und Kleiderbürsten sowie Besen her. Dabei half ihr eine Spule mit einem Kupfermessingdraht, mit der sie getrocknete und geteilte Gräser handeinzog.

Das Malen präsentierte Roland Hartmann aus Untersteinbach. Seit seinem 25. Lebensjahr pflegt der 70-Jährige sein Hobby intensiv. Zunächst betätigte er sich in der Porträtmalerei. Dann entwickelte und bildete er sich auch anhand von Büchern weiter und brachte sich verschiedene Maltechniken bei. Gegenwärtig beschäftigt er sich mit Collagen und moderner Malerei und wendet überwiegend Ölfarben an. Inspiration holt er sich aus seiner Fantasie und aus den Werken bekannter Maler.

Die Imkerei ist das Hobby von Wolfgang Sahlmüller aus Ebrach. Interessierten Gästen verschaffte er einen näheren Einblick in die Bienenhaltung. Neben der Vorgehensweise bei der Überprüfung des Völkerzustands oder der Honigernte erklärte er vieles über Imkerkästen, über Werkzeuge wie den Smoker oder den Stockmeisel und über deren Handhabung. Sein Honig kommt aus den Magazinen, die er in Wald und Garten stehen hat.

Die Besucher konnten auch Edwin Kraus aus Sand am Main beim Korbflechten zusehen. Im Alter von 15 Jahren erlernte er das Handwerk. Nun als Rentner pflegt er es gelegentlich. Gerade Sand sei bekannt fürs Korbflechten. Er geht davon aus, dass sich in der Nachkriegszeit etwa 90 Prozent der Sander damit beschäftigten. Und für das mittlerweile selten gewordene Handwerk gab es früher auch eine Berufsschule in Haßfurt, die vor allem von Leuten aus Sand besucht worden sei.

Als Steinmetz betätigte sich Josef Kummert aus Gerolzhofen. Er bearbeitete im Schlosshof einen Eckstein für Bauwerke mit verschiedenen Meißeln und einem Klüpfel, einer Art Hammer. Zudem präsentierte er ein Steinbildnis Bayerns, welches er zu Hause angefertigt und aus einem Findling aus den Handthaler Weinbergen gearbeitet hat.

Mit industrieller Fertigung konnte man nicht dienen, aber dafür mit Technik. Denn Rainer Götz aus Oberschwarzach zeigte das Sandsteindrechseln, mit dem er sich seit drei Jahren beschäftigt. Der gelernte Maschinenbautechniker baute sich eigens dafür eine Maschine aus einem kleinen Anhänger eines Traktors, einem Motor, einer Antriebsspindel und einer Spannvorrichtung. Mithilfe der Maschine arbeitete er in die Steine Muster ein oder formte die Steine nach Belieben. So konnte er zum Beispiel die Form eines Bocksbeutels aus Sandstein herstellen.

Neben dem Bestaunen handwerklicher Fertigkeiten nahmen freilich zahlreiche Gäste vor allem an den Führungen durch das Schloss teil. Die mit deren Organisation betrauten Monika Lindner, Yvonne Ruß und Guido Plener zeigten den Besuchern bei stündlichen Besichtigungen das Schloss mit dem Renaissance-Stil von Julius Echter von Mespelbrunn. Dabei sahen die Gäste den Kerker, den Treppenaufgang, das Foyer, die Scheune, den Keller und das Eingangsportal.

Auch das Handwerk kam in den Erläuterungen zum Tragen. Lindner wies die Besucher auf die Höfling-Chronik von 1836 hin, in der Geschäfte und Berufe in Oberschwarzach aufgezählt werden. Dazu gehörten drei Bäcker, drei Bierbrauer, vier Büttner, ein Färber, zwei Glaser, drei Krämer, fünf Maurer, ein Metzger, vier Müller, ein Nagelschmied, ein Schlosser, drei Schmiede, zwei Schreiner, sieben Schneider, sechs Schuster, ein Seiler, zwei Wagner, fünf Leinweber, 42 Bauern, 22 Tagelöhner, drei Wirte und ein Ziegler.

Neben den Führungen für Erwachsene machte Irmgard Engert eine Führung speziell für Kinder. Zudem standen weitere Attraktionen für die jüngeren Gäste auf dem Programm. Für das leibliche Wohl war bestens gesorgt. Weiterhin spielten die „Landstreicher“ fränkische Volksmusik. Mit zwei Geigen, einer Gitarre, einem Kontrabass und Gesang musizierten sie und zogen von Tisch zu Tisch.

Und viele der Gäste am Tag des offenen Denkmals gingen von Besichtigung zu Besichtigung. So standen in Zeilitzheim Führungen durch das Barockschloss von Alexander und Marina von Halem auf dem Programm. Dieses hat neben dem Tag des offenen Denkmals auch bei kulturellen Veranstaltungen geöffnet. Die Familie von Halem betreibt in dem Schloss ein Hotel. Seit 2012 residiert dort das Weingut „Wein von drei“, welches zu Weinverkostungen einlud. Zu guter Letzt war auch die Barockanlage des ehemaligen Ebracher Amtsschlosses in Sulzheim zu besichtigen. Auf dem Programm standen stündliche Führungen durch das sonst nicht geöffnete Schloss sowie eine Verköstigung mit Kaffee und Kuchen.

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