GEROLZHOFEN

Altes St. Regiswind muss weichen

Bald ein Bild mit Erinnerungswert: Der Kindergarten St. Regiswind wird komplett abgerissen. Hier ein Teil der Nordfassade.
Bald ein Bild mit Erinnerungswert: Der Kindergarten St. Regiswind wird komplett abgerissen. Hier ein Teil der Nordfassade.

Wer seinen Blick nur oberflächlich über das Kinderhaus St. Regiswind im Süden der Stadt schweifen lässt, der wird sich erst einmal fragen, warum das modern und durchaus ansehnlich wirkende Gebäude aus dem Jahr 1974 demnächst der Spitzhacke zum Opfer fallen wird. Der zweite Blick indes zeigt unübersehbare Mängel. Durch das Flachdach dringt an vielen Stellen Wasser in die Räume. Die teilweise schon blinden Fenster und die Außenwände sind so gut wie nicht isoliert und lassen viel Energie ins Freie. Von unten wächst das Gras ins Hausinnere.

„Damals war St. Regiswind ein fortschrittlicher und supermoderner Kindergarten, doch die Kindergartenverhältnisse haben sich komplett geändert“, führt Kinderhausleiterin Elisabeth Ankenbrand als weiteres Argument für den Komplett-Abriss ins Feld. Konkret: „Heute haben wir bereits Kinder mit einem halben Jahr hier, früher waren die Jüngsten bereits drei und vor allem sauber.“ Auch unter diesen Voraussetzungen sei ein Neubau angezeigt, der zukunftsorientiert ist.

„Bei der Planung dieses Neubaus wurde wesentlich mehr Gehirnschmalz verwendet als damals, als einfach ein Fertigbau auf eine Betonplatte gesetzt wurde“, betont Kirchenpfleger Frico seitens des Trägers Katholische Kirchenstiftung. Die Alternative wäre eine Generalsanierung gewesen, doch die würde etwa 90 Prozent der Neubaukosten von 3,2 Millionen Euro verschlingen. Und bei diesem Prozentsatz gäbe es auch keine Förderung mehr für das Projekt. Denn die Zuschussgeber haben festgelegt, dass es kein Geld gibt, wenn die Sanierung mehr als 75 Prozent eines Neubaus kostet.

3,2 Millionen geschätzte Kosten

Das neue St. Regiswind auf dem gut 4000 Quadratmeter großen Gelände zwischen Wilhelm-Busch- und Rotkreuzweg ist konzipiert für 60 Kinder unter drei Jahren in fünf Gruppen und 75 Kinder über drei Jahren in drei Gruppen. Walter Frico zur Finanzierung: Etwa 914 000 Euro kommen von der Stadt. Die Katholische Kirchenstiftung steuert 823 000 Euro bei und der Staat gibt rund 1,47 Millionen. Zur Bausumme von gut 3,2 Millionen kommen noch einmal 300 000 Euro für den Abriss des alten Kindergartens, den Umzug und die Auslagerung in die provisorischen Quartiere sowie für die Ausstattung des neuen Hauses einschließlich Außenflächen. Diese Kosten werden wohl auch beim Träger „hängen bleiben“.

Da die Abrissarbeiten bereits in wenigen Wochen beginnen sollen, hat der Auszug der 144 Kinder und des Personals in Etappen bereits begonnen. Alle unter Dreijährigen sind bereits in die „Villa Gress“ umgezogen. So nennen Kinder und Erzieherinnen bereits jetzt liebevoll die ehemaligen Büroräume der Spedition Gress an der Bahnhofstraße, in denen sie bis zur Wiedereröffnung des Kinderhauses zu Beginn des Kindergartenjahres 2013 (1. September) bleiben werden.

Die derzeit vier Regelgruppen werden in der Faschingswoche umziehen. Ein Teil der Kinder benutzt dann Räume im Kindergarten St. Martin in der Grabenstraße, andere ziehen in das Nebengebäude der Verwaltungsgemeinschaft oder in angemietete Räume in den Arkaden des Zehnthofs, die die evangelische Kirche bis zum Einzug in ihr neues Gemeindezentrum gemietet hat. Diese Räume sollen der Hausaufgabenbetreuung der Schulkinder dienen, die im Kinderhaus ebenfalls angeboten wird. Sozusagen als Atelier, wo man nicht immer alles aufräumen muss, ist der Kiosk an der Ecke Bürgermeister-Weigand-Straße/Grabenstraße vorgesehen. Für die Kinder, so sagt Elisabeth Ankenbrand, bedeute das Verlassen der gewohnten Umgebung nichts Besonderes. Sie sind erstens langfristig vorbereitet, und zweitens sind ja die Kindergarten-Freunde und das gewohnte Personal dabei. Ab der Faschingswoche wird auch die Kinderhausleitung in die Bahnhofstraße umziehen und ist dort weiter unter Telefonnummer von St. Regiswind (8808) zu erreichen.

Auch die Eltern ziehen voll mit. Bei einer Besichtigung der „Villa Gress“ waren Elternbeiratsvorsitzende Susanne Wilfling und Beiratsmitglied Susanne Hauck angetan von diesem Ausweichquartier. Und das Kinderhaus bekommt Unterstützung beim Umzug auch von heimischen Firmen wie Möbel Leopold, Möbel Hacker und Elektro Zink. Ein dickes Lob zollen die Verantwortlichen auch dem städtischen Bauhof.

Das Abbruchmaterial aus St. Regiswind muss übrigens nicht komplett entsorgt werden. Bei Walter Frico hat sich nämlich die Kolpingfamilie Bibergau gemeldet, die noch brauchbare Bauteile in Gerolzhofen abholen und mit dem nächsten Hilfstransport nach Rumänien schicken will. Während der Bauzeit wird sich am umfassenden Angebot des Kinderhauses nichts ändern. Danach soll ein leistungsfähiges Kinderhaus den Betrieb aufnehmen, das weiter ein wesentlicher Standortfaktor für die Stadt bleiben soll.

Für den Umzug sucht das Kinderhaus auch während der Faschingswoche freiwillige Helfer. Zur Ausstattung der Ausweichräume werden auch Kinderhochstühle, Tripp-Trapp-Stühle und Lego-Duplo-Steine gesucht.

Die „Zwerge“ beim Essen: Die Kleinsten aus St. Regiswind sind die ersten, die bereits umgezogen sind. In der „Villa Gress“, wie das neue Domizil schon heißt, verspeisen sie ein Nudelgericht. Sehr zufrieden mit der Übergangslösung sind hinten von links Elternbeiratsmitglied Susanne Hauck, Kirchenpfleger Walter Frico, Elternbeiratsvorsitzende Susanne Wilfling, Kinderhausleiterin Elisabeth Ankenband und die Erzieherinnen.
Die „Zwerge“ beim Essen: Die Kleinsten aus St. Regiswind sind die ersten, die bereits umgezogen sind. In der „Villa Gress“, wie das neue Domizil schon heißt, verspeisen sie ein Nudelgericht. Sehr zufrieden mit der Übergangslösung sind hinten von links Elternbeiratsmitglied Susanne Hauck, Kirchenpfleger Walter Frico, Elternbeiratsvorsitzende Susanne Wilfling, Kinderhausleiterin Elisabeth Ankenband und die Erzieherinnen. Foto: Fotos (3): Norbert Finster
Unübersehbare Schäden: An vielen Stellen ist das Flachdach von St. Regiswind undicht. Das Gebäude aus dem Jahr 1974 wird abgerissen.
Unübersehbare Schäden: An vielen Stellen ist das Flachdach von St. Regiswind undicht. Das Gebäude aus dem Jahr 1974 wird abgerissen.

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Evangelische Kirche
  • Fertigbau
  • Kindergärten
  • Kolpingwerk
  • Wilhelm Busch
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!