Gerolzhofen

Am Gerolzhöfer Steinbruch: Die weiße Amsel ist wieder da

Amsel Leuzismus Foto: Günter Engert

Für Günter Engert aus Gerolzhofen gab es dieser Tage eine besondere Überraschung: Beim Blick aus dem Wohnzimmerfenster sah er an der im Garten aufgebauten Futterstelle eine alte Bekannte wieder: Die weiß gefärbte Amsel ist wieder da. Zuletzt war das seltene Tier im Mai 2019 gesichtet worden. Danach war es spurlos verschwunden.

Günter Engert wohnt mit seiner Ehefrau Inge im Eigenheim direkt am Steinbruch. Direkt an der südlichen Grundstücksgrenze beginnt das Naherholungsgebiet an der Nützelbachaue, wo es für die Vogelwelt noch genügend Hecken und Büsche gibt. Und bis hinter zum Arlesgarten ist es auch nicht weit.

Im Mai vergangenen Jahres entdeckt Engert, der auch leidenschaftlicher Hobbyfotograf ist, eine seltsam gefärbte Amsel in seinem Garten. Mit einem getarnt aufgestellten Stativ gelangen ihm damals gestochen scharfe Fotos von dem Vogel, der einen nahezu schweißen Kopf hat und weiße Flecken auf Flügel und Körper. Deswegen kann man die jetzt aufgetauchte Amsel auch gut identifizieren. Es besteht kein Zweifel: Es handelt sich um ein und dasselbe Tier wie im vergangenen Mai.

Laune der Natur

"Es besteht kein Grund zur Beunruhigung, dies ist einfach eine Laune der Natur", teilte der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) damals auf Anfrage der Redaktion mit. Dass die Amsel weiß gefärbt ist, sei keine Krankheit und auch kein Albinismus, sondern hier liegt ein so genannter Leuzismus vor. Durch eine Gen-Mutation werden die Federn weiß und die darunter liegende Haut rosa. Kennzeichen des Leuzismus ist, dass die Haut keine so genannten Melanozyten (das sind die farbstoffbildende Zellen) enthält. Im Gegensatz dazu sind beim Albinismus diese Melanozyten zwar vorhanden, aber unfähig, den Farbstoff Melanin zu bilden.

Auch wenn bei leuzistischen Amseln - wie der Vogel im Garten der Familie Engert - die Federpigmente teilweise fehlen, hat der Schnabel eine normale gelbe Färbung und die Augen sind normal dunkel, denn diese haben zumindest eine gewisse Anzahl pigmentbildender Zellen. Bei einer weißen Albino-Amsel wären auch der Schnabel und die Augen rot.

Schlechte Tarnung

Leuzistische Vögel kommen laut LBV nicht gerade selten vor. Eine andere Amsel mit deutlich anderer weißer Färbung beispielsweise war Mitte Mai 2017 ebenfalls im Süden Gerolzhofens entdeckt worden. Fritz Albert hatte damals den ungewöhnlichen Gast in seinem Garten fotografiert.  Doch obwohl der Leuzismus nicht sonderlich selten ist, sieht man solche Vögel nur sehr selten - und wenn, dann fast nur in Innenstädten. Der Grund: Die ungewöhnlich gefärbten Vögel haben in der freien Natur nur geringe Überlebenschancen,  denn aufgrund ihrer Farbe können sie sich kaum tarnen und werden schnell von Beutegreifern erspäht und erlegt.

Deswegen hatte man auch der weißen Amsel aus der Gerolzhöfer Nützelbachaue nur eine geringe Lebenserwartung eingeräumt. Umso mehr ist Günter Engert nun erfreut, dass "seine" Amsel tatsächlich noch lebt und sogar den Weg zum Engert'schen Futterhäuschen zurückgefunden hat. Wo sie sich in den vergangenen Monaten herumgetrieben hat, das bleibt allerdings das Geheimnis der weißen Amsel.

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