GEROLZHOFEN

Am Kreisel rücken wieder die Bagger an

Das Zentrum des Verkehrskreisels bei Rügshofen muss erneut umgebaut werden. Foto: Klaus Vogt

Der Verkehrskreisel bei Rügshofen wirkt ungepflegt und ist wahrlich keine gute Visitenkarte am Eingangsbereich der Stadt. Doch dies hat einen guten Grund: Der Hügel in der Mitte des Kreisverkehrs muss noch einmal abgebaggert werden. Die Fläche jetzt aufwändig gärtnerisch zu gestalten, wäre tatsächlich nur rausgeworfenes Geld.

Bürgermeister Thorsten Wozniak bestätigt, dass am Verkehrsknotenpunkt in der Rügshöfer Straße im Herbst die Bagger anrücken werden. Schon wieder. Denn dies ist nicht das erste Mal, dass nachgebessert werden muss: Nach dem offiziellen Ende der Bauarbeiten am Kreisel stellte sich zunächst heraus, dass die Aufschüttung in der Mitte viel zu hoch war und den Autofahrern den Blick auf andere Verkehrsteilnehmer nahm, die bereits im Kreisel unterwegs waren. Die Aufschüttung darf maximal nur einen Meter hoch sein, gemessen vom Niveau der Fahrbahn aus.

Im Februar 2016 wurde der Hügel deshalb deutlich niedriger gemacht – zumal der Wasseranschluss für das damals noch in Planung befindliche Gewerbegebiet an der Mönchstockheimer Straße genau unter dem Kreisel lag und das neue Bauwerk deshalb sowieso nochmals aufgegraben werden musste. Doch der Hügel ist trotz dieser Abtragung auch heute noch immer zu hoch.

Minderleistungen

Dies ist allerdings nur ein Grund, warum im Herbst schon wieder gebaut wird. Der andere Grund laut Bürgermeister Wozniak: Minderleistungen von zwei damals beteiligten Baufirmen. „Die haben ihre Aufträge nicht so gemacht wie besprochen.“ Die eine Firma habe den Hügel im Kreisel entgegen den Absprachen mit Bauschutt aufgefüllt, der jetzt wieder raus müsse. Die andere Firma habe im Februar 2016 bei den Arbeiten zum Wasseranschluss das für die spätere Bepflanzung des Kreisels schon ausgebrachte teure Substrat abbaggern, lagern und danach wieder aufbringen sollen. „Das Substrat ist aber verschwunden und wurde nicht wieder eingebaut“, so Wozniak. Die Kosten für die erneuten Nachbesserungsarbeiten tragen laut Bürgermeister die beiden Firmen. Der Stadt entstünden, das hätten die Verhandlungen mit den Firmen ergeben, keine weiteren Kosten.

Silhouette aus Cortenstahl

Wie aber wird der Kreisel nach dem (hoffentlich endgültigen) Abschluss der Erdarbeiten gestaltet? Die ursprüngliche Planung seitens der Stadt – noch zu Zeiten von Stadtbaumeister Jens Pauluhn – sah vor, dass die bekannte Stadtsilhouette von Gerolzhofen, die auch auf vielen Druckerzeugnissen der Stadt als Wiedererkennungsmerkmal verwendet wird, als besonderer Blickfang auf den Kreiselmittelpunkt positioniert wird. Dies Silhouette sollte aus Cortenstahl sein. Diese Idee wurde allerdings vom Staatlichen Bauamt Schweinfurt abgelehnt.

Ungleichbehandlung?

Dies verwundert auf den ersten Blick. Denn im Nachbarlandkreis Haßberge, der ebenfalls in den Zuständigkeitsbereich des Bauamts Schweinfurt fällt, gibt es gleich mehrere Verkehrskreisel, deren Mittelpunkte aufwändig gestaltet sind: In Haßfurt an der so genannten EZO-Kreuzung liegen als Bestandteil eines Kunstwerks große gebogene Stahlteile herum, auf anderen Kreiseln der Kreisstadt gibt es mächtige Felsbrocken. Alle diese Kreisel sind innerorts. In Zeil ist – ebenfalls innerorts – auf einen Kreisel gar ein kleiner Weinberg angepflanzt, auf einem anderen steht eine mächtige Steinsäule. Liegt hier eine Ungleichbehandlung vor oder haben sich die einschlägigen Vorschriften in der Zwischenzeit geändert?

„Generell stellt Werbung oder ähnliches an Straßen sowie auf Kreisverkehren ein Gefahrenpotenzial für die Verkehrssicherheit dar“, betont Nina Löhner, Pressesprecherin des Staatlichen Bauamts auf Nachfrage dieser Redaktion. Die Aufmerksamkeit des Verkehrsteilnehmers werde dadurch vom Verkehrsgeschehen abgelenkt. Besonders im Bereich von Knotenpunkten sei die auffällige Gestaltung des Fahrbahnrandes oder einer Verkehrsinsel als noch gefährlicher anzusehen, „weil die Aufmerksamkeit des Verkehrsteilnehmers nicht nur im Verlauf der vorausliegenden Straße gefordert ist, sondern auch hinsichtlich querender Fahrzeuge, Radfahrer und Fußgänger.“ Deshalb sollte gerade in diesen Bereichen keine Ablenkung der Verkehrsteilnehmer erzeugt werden, teilt Löhner mit.

Höhere Sicherheitsstandards

Rüdiger Köhler, als Abteilungsleiter im Staatlichen Bauamt auch für den Landkreis Schweinfurt zuständig, weist darauf hin, dass der Kreisverkehr bei Rügshofen im Übergangsbereich von freier Strecke und zur Ortsdurchfahrt liegt. Hier seien durchaus höhere Sicherheitsstandards als zum Beispiel bei einem Kreisel in einem reinen Innerortsbereich erforderlich, zumal am Ortsrand die Gefahr größer ist, dass ein Fahrzeugführer mit zu hoher Geschwindigkeit den Kreisverkehr übersieht und dann auf die Kreisinnenfläche auffährt. „Dann sollten dort keine festen Hindernisse aufgebaut sein, die zu einer weiteren Gefährdung führen könnten“, macht Köhler klar.

Gefährliche Stahlspitzen

Die von der Stadt Gerolzhofen ursprünglich geplante Skulptur mit den Türmen der Stadt als Silhouette aus Cortenstahl habe gefährliche Spitzen aufgewiesen. „Wir konnten aufgrund der Gefährdung der Verkehrsteilnehmer, insbesondere der Motorradfahrer, nicht zustimmen“, erklärt Rüdiger Köhler die Ablehnung seiner Behörde.

Pressesprecherin Nina Löhner ergänzt: „Diese Grundsätze gelten selbstverständlich auch im Landkreis Haßberge. Es kann deshalb weder die Rede von einer Ungleichbehandlung der von uns betreuten Landkreise sein, noch haben sich die einschlägigen Vorschriften geändert.“ Rüdiger Köhler differenziert das Ganze etwas: Einschlägig sei das „Merkblatt für die Anlage von Kreisverkehren". Darüber hinaus würden auch immer bundesweite Erfahrungen aus Fachaufsätzen, Forschungsergebnissen sowie ministerielle Mitteilungen in die jeweils aktuelle Planungen einfließen. „Dies kann dann durchaus zu zeitlich unterschiedlichen Einschätzungen führen.“

Inzwischen hat Michael Finster von der Stadtgärtnerei Gerolzhofen eine neue Gestaltung des Kreisels ausgearbeitet, dier nach dem Ende der Bauarbeiten umgesetzt werden soll. Es wird künftig auf dem Kreisel keine festen Hinternisse geben, sondern nur Bepflanzungen, die im Falle eines Unfalls keine zusätzliche Gefährdung für den Autofahrer darstellen.

Symbolische Stadtmauer

Und so sieht die Planung aus: Der Kreisel wird durch eine symbolische „Stadtmauer“ aus rund 60 Zentimeter hohen Ziergräsern („Kleine Silberspinne“) in zwei Hälften geteilt. Im Zentrum flankieren rund ein Meter hohe Gräser als „Torpfeiler“ einen freien Durchblick, der mit groben Muschelkalk als heimisches Gestein geschottert ist. Die der Stadt zugewandten Hälfte des Kreisel wird mit Staudenmischungen bepflanzt als Symbol für die „aufblühende, naturnahe Stadt“. Die der Stadt abgewandte Seite erhält eine Rasenansaat, um die „Weite des Steigerwalds“ darzustellen. Hier soll im Frühjahr mit Blumenzwiebeln das Stadtwappen in den Farben Rot und Weiß erblühen.

 

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