Schweinfurt

An Weihnachten klingelten in Schweinfurt die Kassen

Händler in Innenstadt und Stadtgalerie waren mit dem vierten Quartal 2019 weitgehend zufrieden. Welche Herausforderungen es für dieses Jahr gibt und was Sorgen bereitet.
Mit dem vierten Quartal 2019 waren die Händler in der Stadtgalerie durchaus zufrieden, vor allem der so genannte Black Friday und der zehnte Geburtstag des ECE waren sehr gut besucht. Foto: Josef Lamber

Bundesweit ist von Zufriedenheit im Handel zu lesen, was das Weihnachtsgeschäft 2019 betrifft. Wie war es in Schweinfurt? Eine Umfrage beim Handelsverband, der Werbegemeinschaft und dem Stadtgalerie-Management zeigte, dass die Händler in der Stadt durchaus Grund zu Optimismus hatten. Das Weihnachtsgeschäft brachte gute Umsätze, ließ bei vielen die Kassen klingeln.

Der unterfränkische Handelsverbands-Geschäftsführer Volker Wedde erklärte, das Weihnachtsgeschäft sei nach Beobachtungen des Verbandes in der Region "ok" verlaufen, man habe von den Umsätzen her das Vorjahresniveau erreicht und mancherorts auch ein leichtes Plus zu verzeichnen. Ein Vorteil für die Händler war im vergangenen Jahr, dass der so genannte Black Friday, an dem es in vielen Geschäften extra Rabatte auf verschiedene Produkte gab, mit dem ersten Adventswochenende zusammen fiel. Das nutzten viele Kunden, um auch Weihnachtseinkäufe zu erledigen, bestätigte Stadtgalerie-Managerin Anica Helbing diesen deutschlandweit zu sehenden Trend auch für Schweinfurt.

Der Handelsverband Deutschland ging im Dezember bei seiner Trendumfrage davon aus, dass bundesweit die 100 Milliarden-Euro-Grenze beim Umsatz für November und Dezember geknackt würde, ein Plus von drei Prozent gegenüber 2018. 15 Prozent davon entfallen auf Online-Handel. Das Umsatzvolumen des Handels in der Schweinfurter Innenstadt beträgt laut Handelsverband 250 Millionen Euro pro Jahr.

Menschen in der Stadt, das ist der größte Wunsch aller Händler in Schweinfurt, wie hier im Rahmen des Stadtfestes. Foto: Josef Lamber

Axel Schöll, Vorsitzender des Schweinfurter Kreisverbandes des Handelsverbandes, ist mit dem vergangenen Jahr zufrieden. Nicht nur für ihn persönlich in seinem Schuh-Fachgeschäft in der Rückertstraße, sondern auch für die meisten der gut 100 Kollegen, die in Schweinfurt Mitglied des Handelsverbandes sind, sei 2019 positiv gewesen.

Die Einzelhändler können mit dem digitalen Wandel umgehen

Schöll verzeichnet auch ein Umdenken in der Branche. Der Online-Handel ist natürlich noch ein großer Konkurrent um Umsätze, "aber es haben auch bei uns sicher jetzt alle verstanden, wie man sich aufstellen muss und worauf es bei den Kunden ankommt", so Schöll. Er betonte: "Hut ab vor den Kollegen in Schweinfurt, die in ihren Geschäften täglich um Kunden kämpfen." Man müsse mit dem digitalen Wandel umgehen, auch online sichtbar sein, unabdingbar aber sei die "Nähe zu den Kunden", so Schöll.

"Wenn wir uns so weiterentwickeln wie bisher, hat Schweinfurt sicher eine gute Zukunft."
Werner Christoffel, Vorsitzender der Werbegemeinschaft "Schweinfurt erleben".

Für 2020 hat sich der Handelsverband das Thema digitale Einkaufsstadt dennoch auf die Fahnen geschrieben. Schöll und Wedde sehen großes Potenzial in der Entwicklung einer Schweinfurt App, durch die man nicht nur alles zum Thema Shoppen erfährt, sondern in der auch Freizeitmöglichkeiten, Ticketverkauf und die ÖPNV-Angebote drin sind. "Wir müssen gucken, dass wir bei diesem Thema Gas geben", so Schöll, der diesbezüglich Citymanager Thomas Herrmann ansprechen will.

Zeitgleich zum City-Flohmarkt der Einzelhändler fand in der Innenstadt das Straßenmusikfestival "Schweinfurt bunt erleben" statt. Die Besucher genossen ein abwechslungsreiches Programm mit Straßenmusik und Tanz. Einer der Höhepunkte war der Auftritt der DDC-Breakdancer in der Spitalstraße. Foto: Silvia Gralla

Schöll lobt den Kontakt mit Citymanager Thomas Herrmann und Wirtschaftsförderin Pia Jost sowie der Werbegemeinschaft "Schweinfurt erleben". Es sei wichtig, dass man auf Augenhöhe gemeinsam diskutiere, wie man die Innenstadt noch attraktiver machen könne und Veranstaltungen so konzipiere, dass sie dem Einzelhandel auch verstärkt Kunden in die Geschäfte bringen.

Die bunten Regenschirme im Sommer, gespannt über die Spitalstraße, trugen zum Ambiente bei. Foto: Martina Müller

"Der Einzelhandel hat es relativ schwer", ist die Beobachtung des "Schweinfurt erleben"-Vorsitzenden Werner Christoffel. Dennoch ist er für 2020 optimistisch: "Es werden keine Katastrophen kommen. Wenn wir uns so weiterentwickeln wie bisher, hat Schweinfurt sicher eine gute Zukunft", so Christoffel. Ein wenig Sorgen bereiten ihm zwei Themen: der Onlinehandel und insbesondere das Thema Firmen-Nachfolge. Er plant mit der Werbegemeinschaft im Frühjahr einen Workshop, bei dem man weitere Ideen zur Zukunft der Innenstadt entwickeln will. Mit Citymanager Thomas Herrmann sei man mittlerweile gut aufgestellt, jetzt gelte es, die "Attraktivität in den 1a-Lagen zu erhalten", so Christoffel. "Schweinfurt erleben" trage seinen Teil dazu bei, mit den großen Veranstaltungen wie Stadtfest, Shoppingnacht, Ramadama oder Weinfest

Eine positive Bilanz des vierten Quartals 2019 zieht Anica Helbing. Die gebürtige Weimarerin übernahm im März diesen Jahres als Centermanagerin in der Schrammstraße als Nachfolgerin von Christina Frölich. Die Stadtgalerie wurde zwar im Februar 2009 eröffnet, gefeiert wurde das aber erst im Oktober, und zwar eine Woche lang.

An Wochenenden und vor Feiertagen verzeichnet die Stadtgalerie in Schweinfurt vor allem sehr viele auswärtige Besucher. Foto: Martina Müller

Diese Woche, der Black Friday und vor allem das letzte Adventswochenende waren denn auch die Umsatzbringer in der Stadtgalerie, so Helbing, die mit dem Jahresabschluss zufrieden ist, auch wenn er leicht unter dem von 2018 liegt, was auch mit einigen Veränderungen in der Stadtgalerie zu tun hat.

Ankermieter wie C&A und Media Markt bekennen sich langfristig zum Einkaufszentrum, in dem im Moment 87 von 100 Geschäften belegt sind. Wegen der leer stehenden 13 Flächen gebe es, so Helbing, mit verschiedenen Interessenten Verhandlungen, die aber erst mit Vertragsabschluss öffentlich gemacht werden.

Verlassen hat die Stadtgalerie der Schmuckhändler Pandora im Erdgeschoss, auch das Thomas-Cook-Reisebüro im Obergeschoss ist geschlossen, nach der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns. Einer der größten Leerstände ist im Erdgeschoss das Areal des früheren Tegut-Einkaufsmarktes, der vor gut einem Jahr auszog. Helbing erklärte auf Anfrage, einen neuen Lebensmittler werde es wegen der großen Konkurrenz in Schweinfurt wohl nicht geben, man stehe aber in Verhandlungen mit namhaften bundesweit agierenden Unternehmen aus anderen Branchen.

Das Jahr 2020 sei "geprägt von Herausforderungen", so Helbing, da man zahlreiche Umbauten habe, um die Bedürfnisse der ansässigen Firmen zu befriedigen. Der Modehändler Only zum Beispiel werde innerhalb des Centers umziehen, es werden dafür zwei Flächen zu einer größeren umgebaut.

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