Gerolzhofen

Arg zerzauste Hecke: Landwirt weist Verantwortung zurück

Der Landwirt Niko Schmitt sieht sich zu Unrecht als Buhmann für den massiven Rückschnitt der Hecke an der B 286 im Gerolzhöfer Stadtgebiet verantwortlich gemacht.
Der Landwirt Niko Schmitt sieht sich zu Unrecht vom Staatlichen Bauamt für den massiven Rückschnitt der Hecke an der B 286 im Gerolzhöfer Stadtgebiet verantwortlich gemacht. Ihm gehört nur der kleine grüne Zwickel an der Straßenmeisterei, auf dem er inzwischen eine Bienenweide angelegt hat.
Der Landwirt Niko Schmitt sieht sich zu Unrecht vom Staatlichen Bauamt für den massiven Rückschnitt der Hecke an der B 286 im Gerolzhöfer Stadtgebiet verantwortlich gemacht. Ihm gehört nur der kleine grüne Zwickel an der Straßenmeisterei, auf dem er inzwischen eine Bienenweide angelegt hat. Foto: Norbert Vollmann

Landwirte haben es hierzulande momentan gerade nicht leicht. Spätestens seit dem Volksbegehren zum Artenschutz („Rettet die Bienen“) sehen sie sich nicht nur beim Insektensterben pauschal zu Buhmännern und Sündenböcken gemacht. Umso mehr fühlt sich der Pächter des östlich an die Bundesstraße 286 im Bereich der Anschlussstelle Gerolzhofen-Nord angrenzenden Ackers zu Unrecht wegen des radikalen Rückschnitts der dort entlanglaufenden Hecke an den Pranger gestellt und vom Staatlichen Bauamt verantwortlich gemacht.

Diesen Schuh möchte sich Niko Schmitt nicht anziehen, zumal das von dem Dingolshäuser Landwirt  bewirtschaftete Grundstück am Bischwinder Weg bei Rügshofen relativ klein ist, der Gehölzstreifen ansonsten aber bis zur Abfahrt Gerolzhofen-Süd auf deutlich größerer Distanz entlang der Parzellen anderer Landwirte verläuft. Sein Grundstück mache somit nur einen Bruchteil der kompletten Strecke aus, so Schmitt.

Bauamt hatte Landwirt immer wieder vertröstet

Seit 2015 sei er zudem bereits mehrfach beim Staatlichen Bauamt in Schweinfurt beziehungsweise vor Ort bei der Staatlichen Straßenmeisterei in Gerolzhofen vorstellig geworden und habe darum gebeten, die Hecke auf der Seite des von ihm seit 2014 gepachteten Ackers zurückzuschneiden. Doch sei er immer wieder vertröstet worden, so Niko Schmitt.

Sein Hauptbeweggrund sei dabei in erster Linie der zwischen Acker und Windschutzhecke verlaufende Feldweg gewesen. Der soll nämlich für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge eine Mindestbreite von vier Metern aufweisen. Davon habe aber wegen des Überwuchses schon länger nicht mehr die Rede sein können. Gebe es hier aber für landwirtschaftliche Fahrzeuge kein Durchkommen mehr, würden sie irgendwann zwangsläufig auf seinen Acker ausweichen, mit nachteiligen Folgen für die dort wachsenden Pflanzen.

Wenn per GPS aus der Luft ausgemessen wird

Für Niko Schmitt könnte sich außerdem ein zusätzliches Problem ergeben, wenn es zum Beispiel um staatliche Ausgleichszahlungen oder Prämien aus Förderprogrammen wie etwa für die inzwischen auf dem Grundstück angelegte Bienenweide gehen sollte. Dazu lässt das staatliche Landwirtschaftsamt die betreffenden Grundstücke heutzutage unter Einsatz der modernen satellitengesteuerten GPS-Technik auf den Zentimeter genau aus der Luft mit dem Flugzeug vermessen. Anschließend werden  die Luftbilder zum Abgleich der tatsächlichen Grundstücksgröße der geförderten Nutzfläche über die amtlichen Flurkarten gelegt.

An bestimmten Stellen bietet die Hecke zwischen den Anschlussstellen Süd und Nord der B 286 in Gerolzhofen immer noch ein arg zerzaustes Bild, auch wenn die Sträucher inzwischen wieder ergrünt sind. So wie hier an der Abfahrt Nord bei Rügshofen.
An bestimmten Stellen bietet die Hecke zwischen den Anschlussstellen Süd und Nord der B 286 in Gerolzhofen immer noch ein arg zerzaustes Bild, auch wenn die Sträucher inzwischen wieder ergrünt sind. So wie hier an der Abfahrt Nord bei Rügshofen. Foto: Norbert Vollmann

Dabei hatte sich gezeigt, dass der Feldweg über weite Strecken bereits von der Hecke überwachsen war und die abgemarkten Grenzen nicht mehr dem tatsächlichen Verlauf entsprachen. Momentan hätte der Pächter zwar noch nicht mit Abzügen bei Ausgleichszahlungen rechnen müssen, auf Dauer aber schon, wenn die Hecke noch weiter in den Acker hineingewachsen wäre. 

Äußerst beengte Verhältnisse

Und dann war da ja noch das Problem mit dem nur noch bedingt vorhandenen und nutzbaren Feldweg. Aufgrund der beengten Verhältnisse im Bereich der Staatlichen Straßenmeisterei hatte er sich deshalb stets schon für die Getreideernte einen kleineren Mähdrescher geliehen, um hier auf dem Weg zu dem Feld überhaupt durchzukommen, wie Niko Schmitt schildert.

So sah der Gehölzstreifen auf der östlichen Seite der B 286 zwischen den Anschlussstellen Gerolzhofen-Süd und Gerolzhofen-Nord nach dem massiven Rückschnitt zu Jahresbeginn aus.
So sah der Gehölzstreifen auf der östlichen Seite der B 286 zwischen den Anschlussstellen Gerolzhofen-Süd und Gerolzhofen-Nord nach dem massiven Rückschnitt zu Jahresbeginn aus. Foto: Norbert Vollmann

Zu dem Zeitpunkt, als er das Landwirtschaftsamt auf den starken Überwuchs anlässlich der Anmeldung seiner Bienenweise aufmerksam machte, sei die Hecke aber bereits auf Veranlassung des Staatlichen Bauamtes zur Fahrbahn der Bundesstraße 286 hin stark zurückgeschnitten worden. Niko Schmitt wurde deshalb auf die von ihm geäußerte Bitte hin, dies auch auf der Ackerseite zu tun, zunächst seitens der Straßenmeisterei bedeutet, dass er für heuer „zu spät dran ist“ und der Rückschnitt auch auf der dem Acker zugewandten Seite erst 2020 erfolgen könne, da die Hecke bereits stark zurückgenommen worden sei. Damit sei er aber einverstanden gewesen, so der Landwirt.

Der zusätzliche Rückschnitt

Dessen ungeachtet sei dann wohl vom Staatlichen Bauamt entschieden worden, die  Hecke schon heuer auch auf der Seite, an die auch im Bereich der Abfahrt Nord der gepachtete Acker angrenzt, zurückzuschneiden.

Von ihm, so Niko Schmitt, sei somit nur der Nachschnitt in Bezug auf den von ihm gepachteten, relativ kleinen Acker veranlasst worden. Und auch auf diese Feststellung legt er Wert: „Der jetzige Rückschnitt reicht noch lange nicht aus, damit der Feldweg die Breite hat, die er haben sollte.“ Niko Schmitt findet es deshalb für ungerecht, wenn hier seitens des Staatlichen Bauamtes versucht werde, die Landwirtschaft für den kompletten Rückschnitt, noch dazu in dieser sehr starken Form, verantwortlich zu machen.

Die Darstellung des Staatlichen Bauamts

Das Staatliche Bauamt in Schweinfurt hatte aufgrund einer Anfrage dieser Redaktion zur Begründung auf den Landwirt verwiesen, dessen Grundstück entlang der Hecke verläuft, und der sich darüber beschwert hätte, dass die vorhandene Verbuschung die Anfahrt und Bewirtschaftung seines Grundes erheblich erschwerte. Gleichzeitig sei die notwendige Maßnahme dazu genutzt worden, um auf der Straßenseite das vorgeschriebene Lichtraumprofil herzustellen, so das Staatliche Bauamt weiter zu der Angelegenheit. Dem widerspricht Niko Schmitt entschieden, sowohl was die zeitliche Abfolge als auch den von ihm  zu verantwortenden Bereich anbelangt, eben auch aus der Sorge heraus, dass durch diese Darstellung der Dinge einmal mehr die Landwirtschaft zum Sündenbock abgestempelt werden könnte.

Hecke bietet immer noch einen sehr zersausten Anblick

Über das Bild, das die Hecke auf der östlichen Seite der B 286 zwischen den Anschlussstellen Gerolzhofen-Süd und Gerolzhofen-Nord nach dem im Februar vorgenommenen massiven Rückschnitt geboten hatte , waren zahlreiche Verkehrsteilnehmer erschrocken. Auch nachdem die Sträucher im Frühjahr wieder ausgeschlagen haben, bietet die Hecke trotz des Grüns immer noch über weite Strecken einen arg zerzausten Anblick. 

Die von Niko Schmitt an der B 286 bei Rügshofen angelegte Bienenweide. Hinter der Hecke verläuft die Bundesstraße, rechts befindet sich das Grundstück der Staatlichen Straßenmeisterei.
Die von Niko Schmitt an der B 286 bei Rügshofen angelegte Bienenweide. Hinter der Hecke verläuft die Bundesstraße, rechts befindet sich das Grundstück der Staatlichen Straßenmeisterei. Foto: Norbert Vollmann

Weitere Artikel

Schlagworte

  • Gerolzhofen
  • Norbert Vollmann
  • Bundesstraßen
  • Fahrzeuge und Verkehrsmittel
  • Insektensterben
  • Landwirte und Bauern
  • Landwirtschaftsämter
  • Pflanzen und Pflanzenwelt
  • Straßenmeistereien
  • Sträucher
  • Verkehrsteilnehmer
  • Äcker
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
4 4
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!