Schweinfurt

Aschermittwoch der CSU: Von Klimaschutz bis Konversion

Klare Aussagen, humorvolle Zeilen, große Ziele: Der politische Aschermittwoch der CSU mit Oberbürgermeister Sebastian Remelé und Fraktionschef Stefan Funk war vielfältig.
Schwerpunkt auf die kommunalpolitischen Ziele: Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) bei seiner Aschermittwochsrede in Oberndorf.
Schwerpunkt auf die kommunalpolitischen Ziele: Oberbürgermeister Sebastian Remelé (CSU) bei seiner Aschermittwochsrede in Oberndorf. Foto: Oliver Schikora

So voll war's schon lange nicht mehr beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Oberndorf im Haus "open door" Levi. Im 18. Jahr kamen gut 120 Gäste, um zu hören, was die CSU-Oberen der Stadt rund zweieinhalb Wochen vor der Kommunalwahl am 15. März, in der über den neuen Stadtrat und den Oberbürgermeister-Posten entschieden wird, zu sagen haben.

Die Rollen waren klar verteilt: Oberbürgermeister Sebastian Remelé, der sich wieder zur Wahl stellt für seine dann dritte Amtszeit, warb – als am Bergl Aufgewachsener quasi ein Fast-Oberndorfer – in seiner rund halbstündigen Rede ausführlich für seine Ziele in den nächsten sechs Jahren. Ruhig und sachlich im Tonfall, denn das aschermittwochliche Poltern, auch mit Augenzwinkern, übernahmen zwei andere.

Der englische Gentleman Peter Kuhn, bekannt durch seine Büttenreden für die Schwarze Elf, hatte Spitzzüngiges und Hintergründiges vom Brexit bis zur deutschen Politik und dem Klimaschutz in petto. Wohltuend seine in Reimform dargebrachte klare Abgrenzung zu Hass und Hetze durch Rechtsradikale und die AfD: "Hanau oder Halle ist beschämend für uns alle."

Der Büttenredner Peter Kuhn als englischer Gentleman beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Oberndorf.
Der Büttenredner Peter Kuhn als englischer Gentleman beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Oberndorf. Foto: Oliver Schikora

Nicht nur Kuhn bekam dafür Beifall der Gäste, auch Fraktionschef Stefan Funk wurde beklatscht für die Aussage: "Links- wie Rechtsextreme sind schädlich, wir brauchen eine starke bürgerliche Mitte." Funk war, im übrigen auch schon bei den Nominierungsversammlungen der Partei, der Mann für die klaren Worte, der im Wahlkampf-Endspurt den anderen Parteien und OB-Kandidaten durchaus die eine oder andere Spitze ins Stammbuch schrieb.

Dem Grünen-OB-Kandidaten Holger Laschka, der beruflich in München ist, aber die letzten drei Wochen des Wahlkampfes vor Ort bestreitet, attestierte Funk zwar "Heimatliebe. Aber unser OB ist jeden Tag Face-to-Face mit den Bürgern und nicht nur auf Facebook."

Gelästert wurde natürlich auch über die Sozialdemokraten. SPD-OB-Kandidatin Marietta Eder hatte jüngst im Stadtrat als Einzige gegen den Beschluss für die weitere Entwicklung des Kessler Fields gestimmt: "Die, die für Aufbruch steht, stimmt da dagegen", so Funk und fügte an: "Da ist Schweigen in der Meisterwerkstatt." Auch die Unterstützung der Links-Partei für Eder war Thema: "Einen Linksruck wollen wir nicht", so Funk.

Eine flotte Sohle aufs Parkett legten die Tänzerinnen der Dance Academy beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Oberndorf.
Eine flotte Sohle aufs Parkett legten die Tänzerinnen der Dance Academy beim Politischen Aschermittwoch der CSU in Oberndorf. Foto: Oliver Schikora

Natürlich war auch Stadträtin Ulrike Schneider Thema, auch wenn es gar nicht nötig war, ihren Namen zu nennen. Dass die CSU-Fraktion mit Schneider nicht gerade dick befreundet ist, ist kein Geheimnis. Funk wunderte sich über gleich zwei Haushaltsreden der Freien Wähler im November, den nächsten Wechsel Schneiders mit ihrer neuen Liste "Zukunft./ödp": "Das sind Zeiträuber, die die Stadt nicht braucht."

Der OB ist da sicher einer Meinung mit Funk, er verzichtete aber in seiner Rede auf Angriffe gegen den politischen Gegner, sondern schilderte sein umfangreiches Programm entlang der drei großen W: Wohnen, Wirtschaft und Wissen, die schon 2014 Schlüsselthemen im Wahlkampf waren. Mahnende Worte hatte Remelé dennoch: "Eine Demokratie braucht Demokraten. Im Stadtrat droht der große Konsens, der diese Stadt immer auszeichnete, aufzubrechen, immer stärker prallen Ideologien aufeinander." 

Natürlich war die "Turbokonversion" Thema – vom Neubau der Wohngebiete Bellevue und Kessler Field, der Landesgartenschau 2026 bis zur Entwicklung des FH-Standorts in den Ledward Kasernen. Die Industrie unterstützen, Klimaschutz, ÖPNV, Mobilität, Fahrradkonzept, Neubau des Friederike-Schäfer-Heimes, Kulturförderung, Migration und Integrationsangebote – es war ein bunter Strauß an Themen, die Remelé ansprach. "Wir dürfen stolz sein auf unsere Stadt, aber wir müssen uns auch ins Zeug legen, dass sich die Schweinfurter weiterhin hier wohlfühlen."

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