Grafenrheinfeld

Atomkraft bekämpfen, Schöpfung bewahren

Am Wegkreuz in der Nähe des Kernkraftwerks will die BA-BI eine Stele errichten. Warum die jährliche Tschernobyl-Andacht etwas Besonderes ist.
Am Wegkreuz in der Nähe des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld wird in den nächsten Monaten eine Metall-Stele der BA-BI aufgestellt, am Sonntag gab es wieder eine Andacht zum 33. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe. Auf dem Bild (v.l.) Landtagsabgeordneter Paul Knoblach, Kathi Petersen, Pfarrerin Eva Loos, dritter BA-BI-Vorsitzender Walter Rachle, "Wir sind Kirche"-Sprecher Magnus Lux, sowie BA-BI-Kassier Peter Fuchs. Foto: Oliver Schikora

Was haben Sie am 26. April 1986 gemacht? Das weiß wohl fast jeder, der damals zumindest kein Kleinkind mehr war. Der 26. April 1986 ist der Tag, als es zur Kernschmelze, zum größten anzunehmenden Unfall, im Atomkraftwerk Tschernobyl kam. Danach war nichts mehr so wie früher. Danach war der Glaube in die Sicherheit der Atomkraft nachhaltig erschüttert.

Seit nunmehr 33 Jahren gibt es Andachten, um der Opfer der Atomkatastrophe zu gedenken und ob der von Atomkraft ausgehenden Gefahren zu mahnen. Sie finden am Wegkreuz in der Nähe des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld statt, das vier Jahre vor der Tschernobyl-Katastrophe in Betrieb genommen wurde und seit 2015 abgeschaltet ist. Denn neben dem, was im Grenzgebiet zwischen Weißrussland und der Ukraine passiert ist, treibt die rund 50 Teilnehmer der Andacht auch das um, was hier in Deutschland passiert ist. Die Stilllegung des Grafenrheinfelder Meilers und sein noch Jahrzehnte dauernder Rückbau beruht auf der Erkenntnis, dass nach der Fukushima-Katastrophe vor acht Jahren offenbar auch westliche Atomtechnik nicht vor einem GAU gefeit ist.

Auch der Rückbau des Kernkraftwerkes wird kritisch begleitet

Die Bürgeraktion Umwelt- und Lebensschutz, Bürgerinitiative gegen Atomanlagen, kurz BA-BI, organisiert die ökumenische Andacht, die von Magnus Lux, Sprecher von "Wir sind Kirche",  und Pfarrerin Eva Loos unter musikalischer Begleitung des evangelischen Posaunenchores aus Schweinfurt für rund 50 Gäste gestaltet wurde. "Sicherheit und Gründlichkeit vor Schnelligkeit", forderte der dritte BA-BI-Vorsitzende Walter Rachle im Angesicht der seit vier Jahren nicht mehr mit der markanten weißen Rauchwolke versehenen Kühltürme des stillgelegten Kernkraftwerkes und nahm Bezug auf den andauernden Rückbau des Werkes.

In der Andacht forderte Magnus Lux dazu auf, "eine Ethik der Verantwortung für unsere Erde" zu entwickeln. "Die Katastrophe, vor der heute die ganze Menschheit steht, hat einen Namen: Klimawandel. Und der Protest dagegen hat ein Gesicht: Greta Thunberg", so Lux, der dieses Engagement wie der BA-BI-Vorstand kürzlich die Fridays-for-future-Demonstrationen ausdrücklich guthieß.

Paul Knoblach will sich direkt an den Betreiber wenden

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Paul Knoblach aus Garstadt mahnte, weiter auch in Sachen Kernkraftwerk Grafenrheinfeld wachsam zu sein. Er habe die Erfahrung gemacht, dass auch heute noch nur spärlich Informationen an die Öffentlichkeit fließen. Er werde sich als Abgeordneter dafür einsetzen, direkt an den Kernkraftwerk-Betreiber heran zu treten, um von diesem zu erfahren, wie er den weiteren Rückbau des Werkes plant und Vorsorge treffen will.

In den nächsten Monaten wird von der BA-BI eine Metall-Stele am Wegkreuz erstellt, deren Text die frühere SPD-Landtagsabgeordnete Kathi Petersen vorstellte. Er lautet: "Innehalten am Kreuz. In Andacht Kraft schöpfen. Verantwortung übernehmen. Atomkraft bekämpfen. Die Schöpfung bewahren als Lebensraum für alle Menschen weltweit." Petersen würdigte auch die seit Jahrzehnten stattfindenden Andachten, das sei in der Tat "bemerkenswert."

Schlagworte

  • Grafenrheinfeld
  • Oliver Schikora
  • Atomenergie
  • Atomkraftwerk Grafenrheinfeld
  • Atomkraftwerke
  • Atomunglücke
  • Evangelische Kirche
  • Greta Thunberg
  • Kathi Petersen
  • Menschheit
  • Paul Knoblach
  • Pfarrer und Pastoren
  • Reaktorkatastrophe von Fukushima
  • Reaktorkatastrophe von Tschernobyl
  • Reaktorkatastrophen
  • Säuglinge und Kleinkinder
  • Walter Rachle
Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!