GRAFENRHEINFELD

Atomkraftwerk: 330.000 Tonnen Material werden bewegt

Im Atomkraftwerk laufen Vorbereitungen für den Rückbau der Anlage. Es wird allerdings Jahrzehnte dauern, bis davon etwas zu sehen ist.
Stefan Krieger ist Teilbereichsleiter Rückbau in Grafenrheinfeld. Foto: Anand Anders

„Viele Jahre wird man überhaupt nichts sehen“, sagt Stefan Krieger, Teilbereichsleiter Rückbau, bei einem Pressegespräch im 2015 stillgelegten Atomkraftwerk Grafenrheinfeld. Von außen nach innen, Stück für Stück, Raum für Raum läuft der Prozess. „Geordneter Rückzug“, sagen Krieger und Kraftwerksleiter Reinhold Scheuring.

900 Räume in den Rohbauzustand versetzen

Raum für Raum, das gibt schon mal die Dimensionen vor: 900 Räume sind es, die, laienhaft gesagt, ausgeräumt werden. Es geht insgesamt um 330.000 Tonnen Material, die auch wieder entsorgt werden müssen. Darunter 3500 Tonnen radioaktiver Abfall zur Endlagerung.

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Es geht auch um 597 Brennelemente, die noch in der Anlage sind. Sie kommen in Castoren, dann in das Brennelementelager auf dem Kraftwerksgelände. Pro Castor, der 19 Elemente aufnimmt, dauert das gut eine Woche. 2018 soll es losgehen.

13 bis 15 Jahre veranschlagt Krieger für den nuklearen Rückbau. Erst dann kommt der Rest der Anlage dran. Und der Moment, an dem man beim Vorbeifahren merkt, dass sich was geändert hat.

Genehmigung für Rückbau liegt noch nicht vor

Die Genehmigung für den Rückbau liegt noch nicht vor, Kraftwerksbetreiber Preussen-Elektra (Nachfolger von E.on) geht davon aus, dass sie Anfang 2018 kommt und dann der eigentliche Rückbau beginnt. Bis vor kurzem hatte sich Preussen-Elektra in Zusammenhang mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht die Option offengehalten, die Anlage unter Umständen wieder anfahren zu können. Bei der Verfassungsbeschwerde ging es auch um die Frage nach Entschädigung – oder um Vollbremsungsschäden, wie Scheuring sagt. Seit 30. Januar ist es aber amtlich: der Leistungsbetrieb wird endgültig eingestellt.

Viele Daten gesammelt

Datensammeln: Das ist eine der Vorbereitungen für den Rückbau. Welche Werkstoffe? Welche Abmessungen? Wie viele Kabel und Schalter? Das wurde alles erfasst. Macht 100.000 Datensätze. Von den einzelnen Räumen gibt es 3-D-Scans. „Man kann Masse, Breite, Höhe ermitteln, ohne reinzugehen“, sagt Krieger. In Raum ZB 0181 im Reaktorgebäude war im Leistungsbetrieb ein Störfallsystem, eine Leckabsaugung, untergebracht. Hier gibt's Kühlsysteme, Geländer, Steckdosen, Beleuchtung, Lüftung. Estrich, der rausmuss, Wandfarbe, Lack am Geländer undundund. Zwei bis drei Monate wird der Rückbauprozess für diesen Raum dauern, schätzt Krieger. „Das ist vom Prinzip her wie ein Neubau, nur umgekehrt“, meint Krieger. Man kann sich das am besten so vorstellen: Die Räume werden in den Rohbauzustand zurückgesetzt.

Atomkraftwerk: 330 000 Tonnen Material werden bewegt
Der sogenannte Ringraum im Atomkraftwerk Grafenrheinfeld: Im Becken liegen 597 Brennelemente, die im Rahmen des Rückbaus in Castoren verladen und in das Zwischenlager kommen. Hier laufen gerade Vorbereitungen für den Rückbau. Foto: Anand Anders

Zum Rückbau gehört eine Detailplanung , wo was auf welchem Weg entsorgt wird, zwei Prüfungen, ob Material mit Strahlung belastet ist. „Wir checken alles durch“. Zum Schluss des Prozesses steht dann noch eine Messung unter Behörden-Leitung. „Ohne Brennelemente sind 99 Prozent der Strahlung weg“, heißt es bei dem Rundgang.

330 000 Tonnen Material werden bewegt

Auf dem Weg zum ZB 0181 vorbei an Sicherheitsschleusen und Kontrollpunkten sieht man auch, woher die 330.000 Tonnen Material kommen: Die Wände sind zwei Meter dick.

Weiter oben im Ringraum, wo die Brennelemente im Abklingbecken liegen, laufen Vorbereitungen für den Rückbau. Mitarbeiter sind damit beschäftigt, Regelstäbe zu entfernen und zu zerkleinern. Wer das macht, trägt orangefarbene Overalls. Wer in Grün unterwegs ist, ist für den Strahlenschutz zuständig. 250 Leute arbeiten im Moment in Grafenrheinfeld, 300 waren es in Spitzenzeiten.

Beim Rausgehen führt der Weg vorbei am Brennelementelager und am Gelände für die geplante Bereitstellungshalle, in der schwach-und mittelradioaktive Stoffe gelagert werden sollen. Diese Teile des Komplexes werden wohl die langlebigsten sein: "Kann gut sein, dass die Hallen noch stehen, wenn die Kühltürme schon längst weg sind." Diese Bemerkung fällt beim Rundgang.

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