OBERLAURINGEN

Attacken gegen den Kirchenvorstand

Die Gräben in der Kirchengemeinde Oberlauringen bleiben tief: Auf der einen Seite die Kirchenvorstände, auf der anderen Pfarrer Schmurlack.
Ist das Pfarrhaus in Oberlauringen auch in Zukunft die Wohnstätte der Familie Schmurlack? Das ist die Schlüssel-Frage im kapitalen Konflikt innerhalb der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde.
Ist das Pfarrhaus in Oberlauringen auch in Zukunft die Wohnstätte der Familie Schmurlack? Das ist die Schlüssel-Frage im kapitalen Konflikt innerhalb der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde. Foto: FOTO Wolfgang Hüssner

Es ist ein bemerkenswerter, ein denkwürdiger, wohl auch ein historischer Abend, dieser Sonntagabend in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Oberlauringen. Gut 100 Teilnehmer haben sich eingefunden. Auf neutralem Boden im Saal des TSV-Sportheimes. Zur Gemeindeversammlung. Aktueller Anlass: Die harschen Konflikte innerhalb der Kirchengemeinde mit dem Vorstand und seinen Anhängern auf der einen Seite und Pfarrer Dietmar Schmurlack, Vorstandsgegnern und dem nach Wetzhausen abgewanderten Gospelchor auf der anderen Seite. So ist der Versammlungsleiter schon im Vorfeld hörbar bemüht, den Emotionspegel möglichst flach zu halten. „Keine Beleidigungen, keine ins Persönliche gehenden Provokationen“, fordert Dekan Jürgen Blechschmidt von den Anwesenden. Und Bürgermeister Friedel Heckenlauer ermahnt dazu, „mit den Worten sorgsam umzugehen“.

Was folgt, ist der erwartet heiße Abend. Und schnell ist klar: Das Gros der Versammlungsteilnehmer will eine Zukunft mit Pfarrer Schmurlack. Weitere Wünsche und Hauptforderungen der außerparlamentarischen Kräfte, unter denen sich auch Konfirmanden befinden, sind: Genaue Erklärungen dahin gehend, warum der Seelsorger, der sich schon nach einer anderen Pfarrstelle umguckt, bei den Vorstandsmitgliedern keine guten Karten mehr hat. Eine generell bessere Behandlung des mittlerweile gesundheitlich angeschlagenen Geistlichen seitens des Vorstände. Vor-Ort-Antworten der Vorstände auf Fragen. Bruch mit der Oberlauringer Gepflogenheit, Pfarrer vorzeitig zu verabschieden. Und Neuwahlen.

Als Moderator gefordert: Dekan Jürgen Blechschmidt (rechts) in der Versammlung der tief gespaltenen evangelischen Kirchengemeinde Oberlauringen.
Als Moderator gefordert: Dekan Jürgen Blechschmidt (rechts) in der Versammlung der tief gespaltenen evangelischen Kirchengemeinde Oberlauringen. Foto: FOTO Wolfgang Hüssner
So rollt eine rhetorische Attacke nach der anderen gegen die Kirchenvorstände, die sich am Sonntagabend gefühlt haben mögen wie in einer Wagenburg. Chef-Angreifer auf Seiten der Gegnerschaft ist Georg Schmidt. Der Vorsitzende des Gospelchores „Voice of Glory“ hat sich auch kirchenrechtlich schlau gemacht, hat unter anderem einen Paragrafen entdeckt, der Pfarrerinnen und Pfarrer gegen Behinderung ihres Dienstes und ungerechtfertigte Angriffe schützt. Und er hat in der Kirchen-Chefetage in München angerufen und nach eigenem Bekunden in Erfahrung gebracht, dass dort gegen Pfarrer Schmurlack nichts vorliege außer dessen Veto gegen den Vertrag, den der Gospelchor für die Nutzung der Kirche hätte abschließen sollen.

Trotz der Übermacht bleibt der Vorstand rein rhetorisch im Schlagabtausch eigentlich nichts schuldig. Allen voran Birgit Keß. Die will kategorisch klar gestellt wissen, dass es lange dazu brauche, bis ein Kirchenvorstand mit all seinen Pflichten und Rechten überhaupt sage: „Mit dem Pfarrer geht es nimmer“. Und benennt Konfliktbereiche wie Kindergottesdienst, Konfirmandenunterricht und Konfirmandenfreizeit, während Vertrauensfrau Elke Niklaus ob der Forderung nach mehr Transparenz Grundsätzliches sagt: „Sollen wir vom Vorstand jedes Mal im Dorf rumlaufen und fragen: Dürfen wir das entscheiden und beschließen? Macht das der Bürgermeister mit seinen Gemeinderäten? Wenn das tatsächlich so sein soll, dann brauchen wir keine Wahl, keine Politiker, dann brauchen wir gar nichts mehr.“

Kritik an der Arbeit des Pfarrers

Eingangs hat Vorstandsmann Oskar Buchert schon erklärt, wo für den Vorstand die Kern-Problematik liegt: nämlich in der Arbeit des Pfarrers. Der leiste nicht die gewünschte Arbeit und habe es auf wiederholte Aufforderungen hin nicht besser gemacht. Im übrigen sei die Geschichte eigentlich eine Personalgeschichte. Da sei es für den in solchen Fällen zur Verschwiegenheit verpflichtenden Kirchenvorstand nicht üblich, an die Öffentlichkeit zu gehen.

Genau das tut nach direkter Anfrage aus dem Plenum und 69 Versammlungsminuten dann aber der krank geschriebene Pfarrer. Mit einem ausführlichen Monolog. Dabei entnimmt er „aus den gerade gemachten Äußerungen, dass der Vorstand meint, ich bin sein Laufbursche“. Und macht klar: „Ich bin verpflichtet, mit dem Vorstand zusammenzuarbeiten. Das werde ich auch weiterhin tun. Ich bin aber gleichzeitig auch als Pfarrer Kraft der Autorität der Kirche eingesetzt, ein Amt wahrzunehmen.“ Und: „In meiner Zuständigkeit für die die Bewohner des Hauses Gottes habe ich den Beschlüssen des Kirchenvorstandes widersprochen. Weil ich Euch widerspreche, seid Ihr gegen mich.“ Und den Anwesenden, die für ihn kämpfen, dankt er, lässt aber wissen: „Mein Amt ist nicht abhängig von der Mehrheitsmeinung der Leute.“

„Einigermaßen sachlich“

Nach 96 Minuten ist die Veranstaltung vorbei, ist viel Haupt- und Nebensächliches trotz aufgeladener Gemütslage doch relativ zügig beleuchtet. Und der Dekan dankt dafür, „dass Sie einigermaßen sachlich geblieben sind“. Was nichts daran ändert, dass sich unterm Strich wenig geändert hat. So bleiben die tiefen Gräben in der Kirchengemeinde. Und offene Fragen. Auch jene, welche der Streitparteien in der 800-Seelen-Gemeinde tatsächlich über eine Mehrheit verfügt.

Dass sich der Kirchenvorstand nun mit dem Gehörten in einer Sitzung auseinandersetzen muss, das allerdings ist Fakt.

 

Schlagworte

Lädt

Schlagwort zu
„Meine Themen“

hinzufügen

Sie haben bereits
/ 15 Themen gewählt

bearbeiten

Sie folgen diesem Thema bereits

entfernen

Um "Meine Themen" nutzen zu können müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen

zustimmen
0 0
Kommentar schreiben

Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!